Vor Wochenende: Sturmtief „Cherry“ fegt über Ostdeutschland – S-Bahn kracht in Berlin gegen Baum

Heftige Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen haben am Freitagabend in weiten Teilen Ostdeutschlands für Chaos gesorgt. In Berlin prallte eine S-Bahn gegen einen umgestürzten Baum, in Sachsen-Anhalt zähl...

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Vor Wochenende: Sturmtief „Cherry“ fegt über Ostdeutschland – S-Bahn kracht in Berlin gegen Baum

Heftige Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen haben am Freitagabend in weiten Teilen Ostdeutschlands für Chaos gesorgt. In Berlin prallte eine S-Bahn gegen einen umgestürzten Baum, in Sachsen-Anhalt zählten die Feuerwehren mehr als 190 Einsätze. Für das Wochenende erwartet der Deutsche Wetterdienst deutlich kühlere Temperaturen und weitere Schauer.

Schwere Gewitter haben am Freitagabend in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen, Verkehrsunfällen und Bahnstörungen geführt. Verantwortlich für die Unwetterlage ist nach Angaben des ARD-Wetterkompetenzzentrums das Tief „Cherry“, das von Belgien über den Norden Deutschlands zog und kühlere Luft nach Ostdeutschland brachte. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte zuvor vor sehr kräftigen Schauern und Gewittern mit Hagel, Starkregen und schweren Sturmböen gewarnt, für mehrere Landkreise wurden Unwetterwarnungen bis hin zur höchsten Stufe ausgegeben.

S-Bahn-Unfall in Berlin – Blitzeinschlag in Pankow

In Berlin prallte ein Zug der S-Bahn-Linie S1 mit rund 100 Fahrgästen am S-Bahnhof Sundgauer Straße gegen einen herabhängenden Baum. Bei dem Zusammenstoß splitterte die Frontscheibe, verletzt wurde nach Angaben der Bundespolizei niemand. „Nach jetzigem Stand ist es so, dass keiner verletzt wurde“, sagte Dienstgruppenleiter Thorsten Peters von der Bundespolizei. Die Fahrgäste hätten ausharren müssen, bis der Zug weiterfahren konnte. Nach gut einer Stunde sei die Strecke zwischen Zehlendorf und Botanischer Garten wieder freigegeben worden, teilte ein S-Bahn-Sprecher mit.

Unwetter im Landkreis Ludwigsburg.

Unwetter im Landkreis Ludwigsburg.

© Simon Adomat via www.imago-images.de

Ein Blitzeinschlag in Pankow führte nach Angaben der S-Bahn zusätzlich zu Verspätungen, Ausfällen und Einschränkungen auf den Linien S1, S2, S8 und S85. Wie lange die Beeinträchtigungen dauern würden, war zunächst unklar. Die Berliner Feuerwehr meldete darüber hinaus nur wenige wetterbedingte Einsätze. In Westend habe ein Blitz in ein Gebäude eingeschlagen und einen Brand ausgelöst, sagte ein Sprecher dem rbb.

Feuerwehr in Sachsen-Anhalt im Dauereinsatz

In Sachsen-Anhalt kam es zu den heftigsten Auswirkungen. Nach Angaben der Leitstellen gab es mindestens 70 Alarmierungen wegen vollgelaufener Keller, überfluteter Straßen und umgestürzter Bäume. Allein in Dessau-Roßlau zählte die Feuerwehr laut Mitteilung der Stadt bis 20 Uhr 121 Hilfeleistungen und acht Brandeinsätze. Zeitweise seien knapp 170 Einsatzkräfte von Berufsfeuerwehr und Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz gewesen. „So viele Einsätze in so kurzer Zeit hatten wir schon seit Ewigkeiten nicht mehr“, wurde Feuerwehrmitarbeiter Marcel Koppehel in der Mitteilung zitiert. Das Unwetter habe demnach nur etwa 20 Minuten gedauert, die Folgen seien aber erheblich gewesen.

In Derenburg standen nach einem Regenguss Straßen unter Wasser, zudem ging Hagel nieder. In Ermsleben stand die Bundesstraße 185 im Bereich der Endorfer Straße unter Wasser. Auf der A36 an der Anschlussstelle Aschersleben Ost geriet nach Polizeiangaben ein Auto wegen Aquaplaning ins Schleudern, verletzt wurde niemand.

Aquaplaning-Unfälle in Thüringen

Auch in Thüringen sorgten Starkregen und umgestürzte Bäume für viele Einsätze, wie das Lagezentrum in Erfurt mitteilte. In der Innenstadt von Bad Berka stand das Wasser zwischenzeitlich bis zu 15 Zentimeter hoch, die Kanalisation war mit den Regenmengen überfordert. Auf der A71 nördlich des Erfurter Kreuzes kollidierte ein Fahrzeug mit den Leitplanken, die beiden Insassen wurden leicht verletzt. An der Anschlussstelle Arnstadt Nord stieß ein Transporter mit einem Lkw zusammen, dabei wurde die Beifahrerin leicht verletzt. Auf der A4 zwischen Weimar und Apolda geriet ebenfalls ein Transporter wegen Aquaplaning ins Schleudern.

Blitze zucken bei einem Sommergewitter in der Nacht in Eningen unter Achalm. Baden-Württemberg.

Blitze zucken bei einem Sommergewitter in der Nacht in Eningen unter Achalm. Baden-Württemberg.

© IMAGO/Alexander Wolf

In Eischleben im Ilm-Kreis stießen nach Polizeiangaben auf der Erfurter Landstraße zwei Autos frontal zusammen. Ein Insasse wurde leicht verletzt, zu den Verletzungen des zweiten Fahrers konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen. Die Unfallursache blieb zunächst unklar.

Umgestürzte Bäume in Brandenburg, Stand-up-Paddler in Sachsen gerettet

In Brandenburg hielten sich die Schäden trotz mehrerer Unwetterwarnungen in Grenzen. Ein Sprecher der Feuerwehr-Leitstelle in Cottbus sprach von 13 Einsätzen bis zum Abend, überwiegend wegen abgebrochener Baumkronen und eines umgestürzten Baumes auf einer Straße. In Brandenburg an der Havel sowie in den Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming registrierte die Leitstelle mindestens zwei vollgelaufene Keller und zwei umgestürzte Bäume.

In Sachsen betraf das größte Einsatzgeschehen die Stadt Leipzig mit zwölf Einsätzen, wie die Leitstelle mitteilte. Starke Winde sorgten insbesondere in den Stadtteilen Grünau und Schönau für umgefallene Bäume und herabfallende Äste. Auf dem Kulkwitzer See mussten zwei Personen auf Stand-up-Paddel-Boards vom Wasser gerettet werden. Sie hätten die starken Winde offenbar unterschätzt und seien nicht mehr in der Lage gewesen, selbstständig ans Ufer zurückzugelangen.

Wochenende deutlich kühler – Schauer und Gewitter am Sonntag

Für das Wochenende erwartet der Deutsche Wetterdienst deutlich niedrigere Temperaturen als in den vergangenen Tagen. Der Samstag sei mit Höchstwerten zwischen 23 und 26 Grad und böigem Wind ein Übergangstag, sagte ein DWD-Sprecher. In Berlin und Brandenburg werden nach Angaben des ARD-Wetterkompetenzzentrums Höchsttemperaturen zwischen 21 und 24 Grad erwartet.

Am Sonntag werde es wechselnd bewölkt, so der DWD. Während im Norden, Osten, Südosten sowie an den Alpen Schauer und vereinzelt Gewitter aufkommen könnten, bleibe es im Westen und Südwesten meist trocken. Die Höchstwerte erreichen den Angaben zufolge größtenteils 19 bis 23 Grad, am Oberrhein bis 25 Grad, an den Küsten und an den Alpen nur 17 bis 20 Grad. Auch die kommende Woche werde nach DWD-Prognose wechselhaft und spürbar kühler mit weiteren Schauern und Gewittern.

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