US-Mediziner im Kongo infiziert: Ebola-Patient in Frankfurt eingetroffen

Ein US-Mediziner mit dem gefährlichen Bundibugyo-Virus wird auf der Sonderisolierstation der Uniklinik behandelt. Die Mitarbeiter tragen Gebläseschutzanzüge und müssen nach der Arbeit dekontaminiert werden.

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US-Mediziner im Kongo infiziert: Ebola-Patient in Frankfurt eingetroffen

Stand: 14.07.2026, 06:00 Uhr

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Frankfurt am Main 17.05.2017,  Niederrad, „Ebola-Express“ trifft an Uniklinik ein, Haus 68. (c) Foto: Rainer Rüffer.

Immer wieder wird an der Uniklinik der Umgang mit Patienten mit hochpathogenen Erregern geübt, zuletzt im April dieses Jahres. © Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA/Rainer Rüffer

Ein US-Mediziner mit dem gefährlichen Bundibugyo-Virus wird auf der Sonderisolierstation der Uniklinik behandelt. Die Mitarbeiter tragen Gebläseschutzanzüge und müssen nach der Arbeit dekontaminiert werden.

Frankfurt – Ein US-Mediziner, der sich im Kongo mit dem gefährlichen Bundibugyo-Virus angesteckt hat, ist in der Nacht zum Montag auf der Sonderisolierstation für hochpathogene Infektionserreger der Frankfurter Uniklinik eingetroffen. Sein Zustand sei stabil, teilte deren Leiter, Dr. Timo Wolf, gestern mit. Es ist der zweite Ebola-Patient, der in Deutschland medizinisch versorgt wird: Bereits im Mai war ein erkrankter US-Mediziner erfolgreich in der Charité in Berlin behandelt worden. Ein weiterer Infizierter wurde in Frankreich behandelt, auch er hat überlebt.

FOTO TAGESSATZFrankfurt: Timo WolfEINLADUNG ZUR PRESSEKONFERENZDie Universitätsmedizin Frankfurt informiert zur aktuellen medizinischen Lage der mit dem Bundibugyo-Virus, einer Variante des Ebolavirus, infizierten Person.Sehr geehrte Damen und Herren,wir laden Sie zur Pressekonferenz anlässlich der aktuellen medizinischen Lage der mit dem Bundibugyo-Virus, einer Variante des Ebolavirus, infizierten Person ein. Wir informieren Sie über den gesundheitlichen Zustand der Person.Vor Ort wird es die Möglichkeit für O-Töne geben.Zeit: Montag, 13. Juli 2026, 14:00 UhrOrt: Universitätsmedizin Frankfurt, Haus 22, Hörsaal 22-1, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt am MainFoto aufgenommen am 13.07.2026Foto: Rolf Oeser

Timo Wolf leitet die Isolierstation. © ROLF OESER/Rolf Oeser

Bundibugyo ist eine besonders gefährliche Ebola-Unterart, es gibt bisher weder eine Impfung noch ein zugelassenes Medikament. Zunächst klagen die Patienten über Fieber und Muskelschmerzen, später kommen starke Durchfälle, Erbrechen und Bauchschmerzen dazu. In seiner schwersten Variante führt das Virus zu Blutungen unter der Haut, aus den Schleimhäuten, der Nase oder inneren Organen, die zu Kreislaufversagen führen können. Erreger können durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen werden.

Die Bundibugyo-Epidemie im Kongo

Die ersten Infizierten im Kongo wurden der WHO Mitte Mai gemeldet, inzwischen gibt es 702 bestätigte Todesfälle, mindestens 1926 Menschen waren oder sind infiziert. Wenn sich ein Erreger zeitlich und lokal begrenzt, aber stark verbreitet, spricht man von einer Epidemie. Ist ein Erreger lokal begrenzt, aber dauerhaft vorhanden, ist es eine Endemie. Verbreitet sich ein Erreger weltweit, spricht man von einer Pandemie. Gesundheitsexperten zufolge stiegen die Fallzahlen bei keinem früheren Ebola-Ausbruch so schnell an wie im Moment. In den Jahren 2014 und 2015 sind bei der bisher schwersten Ebola-Epidemie vor allem in Westafrika mehr als 11.300 Menschen gestorben, mehr als 28.600 waren infiziert.

Weil die Krankheit so ansteckend ist, herrscht auf der Isolierstation der Uniklinik Unterdruck, die Mitarbeiter tragen Gebläseschutzanzüge. Nach der Arbeit müssen sie dekontaminiert werden, die Abfälle werden gesondert entsorgt. „Das ist selbstverständlich anstrengend, gerade an den ersten Tagen, aber wir haben einen guten Team-Spirit und die Abläufe sind gut eingeübt“, sagt Wolf. Bei Bedarf würden die Mitarbeiter medizinisch und psychologisch unterstützt. Auch die Flugzeuge, in denen Ebola-Patienten transportiert werden, sind in der Regel mit Sicherheitssystemen ausgerüstet.

Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC habe der Patient in der Demokratischen Republik Kongo für eine humanitäre Organisation gearbeitet. Ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, blieb offen, auch die Uniklinik will dazu keine Angaben machen. Am wichtigsten sei aktuell die unterstützende Therapie, sagt Wolf. Also den Flüssigkeits-, Mineralstoff- und Zuckerverlust auszugleichen, um so den Kreislauf zu stabilisieren. „Wir wissen: Wenn wir Personen so behandeln, senkt das die Sterblichkeit erheblich ab“, so Wolf.

Seit 2006 vier Patienten behandelt

Hat sich jemand infiziert, wendet sich dessen Heimatland in der Regel ans Bundesgesundheitsministerium. Gibt dieser sein Einverständnis für eine Behandlung in Deutschland, entscheidet ein beim Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelter Arbeitskreis, wohin der Patient geflogen wird. Frankfurt ist eins von sieben Behandlungszentren, die Patienten mit hochpathogenen Erregern versorgen kann. Die Klinikwahl hänge von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem davon, wie viele gut trainierte Mitarbeiter gerade verfügbar seien, sagt Uniklinik-Chef Jürgen Graf. „Frankfurt ist auch oft vorn dabei, weil die Prozesse am Flughafen so gut eingespielt sind.“ Die letzte gemeinsame Übung habe im April stattgefunden. Bezahlt werde die Behandlung in der Regel von einer Versicherung.

Insgesamt seien in Frankfurt seit 2006 vier Patienten mit hämorrhagischem, also mit Blutungen einhergehendem Fieber behandelt worden, davon zwei mit Ebola. Bei einem von ihnen war Wolf schon 2014 dabei. „Die Therapiestandards haben sich nicht wesentlich verändert, aber wir haben seitdem viele Erkenntnisse gesammelt, wie man die Therapien verbessern kann. Dadurch können wir heute besser helfen und die Sterblichkeitsrate auf unter 20 Prozent senken.“

Für Außenstehende bestehe absolut keine Gefahr, betonte Graf, weder durch den Patienten auf der Isolierstation noch durch den Ausbruch im Kongo. „Ebola hat keine Neigung, sich zu einer Pandemie zu entwickeln. Und wir sind der Überzeugung, dass auch für die Mitarbeitenden keinerlei Risiko besteht.“