Soziale Medien sollen in der EU ihre Ungefährlichkeit für Jugendliche beweisen

Ursula von der Leyen fordert: Tiktok, Facebook oder Instagram sollen beweisen, dass sie für Jugendliche ungefährlich sindSoziale Netzwerke können Kinder und Teenager süchtig machen. Die EU-Kommissions-Präsident...

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Soziale Medien sollen in der EU ihre Ungefährlichkeit für Jugendliche beweisen

Ursula von der Leyen fordert: Tiktok, Facebook oder Instagram sollen beweisen, dass sie für Jugendliche ungefährlich sind

Soziale Netzwerke können Kinder und Teenager süchtig machen. Die EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen plädiert für einschneidende Massnahmen.

13.07.2026, 16.54 Uhr

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Die EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen (Mitte) und die beiden Co-Leiter ihrer Expertengruppe, Jörg Fegert und Maria Melchior, am Montag in Brüssel.

Die EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen (Mitte) und die beiden Co-Leiter ihrer Expertengruppe, Jörg Fegert und Maria Melchior, am Montag in Brüssel.

Reuters

Soziale Netzwerke wie Instagram, Facebook oder Tiktok sind sehr raffiniert darin, Nutzer an sich zu binden oder gar süchtig zu machen. Das gelingt ihnen etwa mit stark personalisierten Empfehlungen oder indem sie die User mit automatisierten Videos berieseln.

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Aus Sicht der EU-Kommission und vieler Regierungen bergen solche Praktiken allerdings das Risiko, dass die geistige Gesundheit von Jugendlichen Schaden nimmt. Aber was dagegen tun?

Gegen Dinge, die süchtig machen, kommt man nur schwer an. Das wissen die Regierungen vom Kampf gegen Drogen. Es gibt Alterslimiten für deren Konsum, Strafen für jene, die illegale Substanzen konsumieren, und aufwendige Bemühungen, die Anbieter von harten Drogen aus dem Verkehr zu ziehen. Suchtmittel werden trotzdem weiter konsumiert.

Kein Wunder, herrscht auch Ratlosigkeit darüber, wie man Jugendliche vor den negativen Seiten sozialer Netzwerke schützt. In der EU ist das komplexe Thema mittlerweile Chefsache. Die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kümmert sich höchstpersönlich um das Problem und hat dazu eine Gruppe von Experten berufen. «Der Jugendschutz und die sozialen Netzwerke sind eine der grössten Herausforderungen, denen Regierungen gegenüberstehen», sagte sie am Montag in Brüssel, als die Arbeitsgruppe ihren Schlussbericht publizierte.

Kleinkinder haben auf sozialen Netzwerken nichts zu suchen

Eindeutig ist deren Empfehlung für Kleinkinder von bis zu 3 Jahren: Für sie sollte es überhaupt keine Bildschirmzeit geben, sagte der deutsche Jugendpsychiater und Co-Vorsitzende der Gruppe, Jörg Fegert.

Im Alter von 3 bis 13 Jahren sollen sich Kinder nur auf sozialen Netzwerken tummeln dürfen, wenn sie Eltern oder Lehrer dabei überwachen. Die Experten raten den Eltern zudem, Kindern Alternativen schmackhaft zu machen, etwa Sport zu treiben.

Kompliziert wird es bei Jugendlichen über 13 Jahren. Was diese Altersklasse angeht, herrschen in den EU-Ländern völlig unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie man das Problem angehen soll. Einige Staaten planen, auch für ältere Teenager ein Alterslimit einzuführen. Offenbar glauben die Regierungen, mit einer solchen Aktion bei Eltern punkten zu können.

In der EU droht allerdings ein regulatorischer Flickenteppich zu entstehen. So schwebt etwa Österreich eine Altersgrenze von 14 Jahren vor. Frankreich wird sie wohl bei 15 Jahren ansetzen, Spanien sieht sie bei 16 Jahren. Deutschlands Regierung neigt zu abgestuften Schutzmassnahmen bis 18 Jahren. Estland hingegen zieht ein Alterslimit grundsätzlich in Zweifel. Es sei stattdessen Aufgabe der Eltern und der Schule, den Kindern den Umgang mit sozialen Netzwerken beizubringen, finden estnische Regierungsvertreter.

Das kleine baltische Land steht mit dieser Position in der EU mehr oder weniger alleine da, Erfahrungen ausserhalb Europas scheinen seine Position aber zu stützen. So gilt in Australien seit über einem halben Jahr ein Alterslimit von 16 Jahren, und die Bilanz ist ernüchternd.

Befragungen haben ergeben, dass ein Grossteil der Jugendlichen die Plattformen weiterhin nutzt, obwohl sie das aufgrund des Alters nicht dürften. Das hängt teils damit zusammen, dass sich die Alterssperren leicht umgehen lassen, etwa über das Nutzen eines Geschwisterkontos oder eines VPN-Dienstes. Die Altersverifizierung via Fotos gilt zudem als unzuverlässig. Angeblich macht sie besonders Mädchen oft älter, als sie sind. Teils gilt es unter Jugendlichen aber auch als «cool», die Barrieren zu umgehen, haben Forscher herausgefunden. Nur Streber halten sich demnach ans Alterslimit.

Kein konkretes Alterslimit für ältere Teenager

Das dürften alles Gründe sein, warum die Expertengruppe der EU kein unionsweites Alterslimit für Jugendliche über 13 Jahren empfiehlt. Es gebe keinen wissenschaftlichen Hinweis, welche Altersgrenze genau die richtige sei, sagte der Jugendpsychiater Fegert dazu.

Die Experten und von der Leyen wollen stattdessen die Plattformbetreiber in die Pflicht nehmen. Sie müssen ihre Systeme «jugendsicher» machen: also verhindern, dass Teenager immer tiefer in die Apps eintauchen. Das würde etwa den Verzicht auf personalisierte Empfehlungen bedeuten.

Ferner sollen die Anbieter laut den Vorstellungen von der Leyens beweisen, dass ihre Angebote für Jugendliche kein Risiko darstellen. Das sei wie bei Auto- oder Pharmaherstellern, auch sie hätten zu belegen, dass ihre Produkte ungefährlich seien.

Mit solchen Ideen attackiert die EU die Geschäftsstrategien von Tiktok, Instagram oder Facebook allerdings frontal. Soziale Netzwerke leben von Werbung, und sie verdienen desto mehr, je länger sich Nutzer bei ihnen aufhalten. Das Vorgehen der EU werden sie sich daher kaum gefallen lassen, ohne Widerstand zu leisten.

Wie es weitergeht, wird man spätestens im Herbst erfahren. Wohl im September wird die EU-Kommission konkrete Vorschläge machen, etwa zum Alterslimit. Und dann wird die Diskussion in der EU erst richtig losgehen, so unterschiedlich wie die Positionen der Mitgliedsländer sind, so viel wie für die sozialen Netzwerke auf dem Spiel steht.

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