Unglücksbringer Merz: Kann Zverev vor den Augen des Kanzlers in Wimbledon siegen?

Es ist ein historischer Moment, der sich auf dem heiligen Rasen von London anbahnt. Alexander Zverev hat geschafft, woran Generationen deutscher Tennisprofis gescheitert sind. Er steht im Finale von Wimbledon, ...

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Unglücksbringer Merz: Kann Zverev vor den Augen des Kanzlers in Wimbledon siegen?

Es ist ein historischer Moment, der sich auf dem heiligen Rasen von London anbahnt. Alexander Zverev hat geschafft, woran Generationen deutscher Tennisprofis gescheitert sind. Er steht im Finale von Wimbledon, dem Olymp des weißen Sports. Seit Boris Becker im Jahr 1995 gegen Pete Sampras unterlag, war kein Deutscher mehr so nah an der wichtigsten Trophäe der Tenniswelt.

Doch während Zverev sich auf das Match seines Lebens vorbereitet, nähert sich aus Berlin eine dunkle Wolke im Regierungsflieger. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) reist an. Nicht etwa zu einem Staatsbesuch bei den britischen Nachbarn, sondern um sich im Glanze eines möglichen Triumphs zu sonnen.

Dass ein Kanzlerbesuch auf der Tribüne bei sportlichen Großereignissen mit deutscher Beteiligung gründlich schiefgehen kann, hat Merz bereits selbst erlebt.

Kohl und Merkel verzichteten auf den Center Court

Zverev spielt derzeit das Tennis seines Lebens. Erst im letzten Monat krönte er seine Karriere mit dem lang ersehnten ersten Grand-Slam-Sieg bei den French Open in Paris. Nun schickt er sich an, diesen Sommer mit dem Wimbledon-Erfolg zu veredeln. Die Aufgabe könnte jedoch kaum schwerer sein. Auf der anderen Seite des Netzes wartet Jannik Sinner, der Weltranglistenerste und amtierende Champion von London.

In dieser Phase höchster Konzentration ist jede Ablenkung Gift. Ausgerechnet jetzt drängt sich der Kanzler auf die Bildfläche. Merz’ Beistand ist nämlich etwas Außergewöhnliches, im beunruhigenden Sinne. Nie zuvor hielt es ein amtierender Kanzler für nötig, nach Wimbledon zu jetten, um deutsche Sportler vor Ort zu unterstützen.

Dabei hätte es in der Vergangenheit Gelegenheiten en masse gegeben. Die glorreichen 1980er-Jahre waren geprägt von den Triumphen von Boris Becker und Steffi Graf. Wir erinnern uns an die legendären Schlachten, in denen der 17-jährige Teenager Becker gegen Kevin Curren seinen ersten Titel holte oder die späteren Duelle gegen Stefan Edberg. Wir denken an Steffi Grafs Dominanz gegen Martina Navratilova auf dem Center Court.

Doch Helmut Kohl zog es nie in die Royal Box. Sogar das historische, rein deutsche Finale zwischen Becker und Michael Stich ließ Kohl aus, obwohl ein deutscher Sieg dort mathematisch garantiert war. Auch Angela Merkel blieb dieser Tradition treu. Als Angelique Kerber das Turnier gewann, gratulierte die Kanzlerin pflichtbewusst aus der Ferne.

Die kommunikative Vorhand ins Aus

Dass Merz es nun wagt, die Tradition des Fernbleibens zu brechen, lässt Böses erahnen. Erst kürzlich bewies er beim Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, dass sein Gespür für Sport und die Stimmung im Land eher im Bereich eines Doppelfehlers liegt. Nach dem Aus blamierte er sich mit einem X-Post, in dem er schrieb, die deutsche Verlierermannschaft habe das „Land begeistert“.

Der 17-jährige Boris Becker mit dem Wimbledon-Pokal nach seinem Sieg über Kevin Curren im Jahr 1985.

Der 17-jährige Boris Becker mit dem Wimbledon-Pokal nach seinem Sieg über Kevin Curren im Jahr 1985.

© Rüdiger Schrader

Die Republik, die im kollektiven Tal der Tränen über das Versagen der Mannschaft verharrte, staunte nicht schlecht über diesen Anflug von Realitätsverlust. Vize-Regierungssprecher Christian Hille sprach später kleinlaut von einer „Kommunikationspanne“. Wenn Merz nun in Wimbledon aufschlägt, stellt sich die Frage, ob die nächste kommunikative Vorhand ins Aus nicht programmiert ist.

Oma statt Kanzler

Zverev selbst hätte eigentlich lieber seine Oma vor Ort gehabt. Nach seinem Halbfinalsieg gegen Arthur Fery berichtete er, Merz habe seinen Manager angerufen und angekündigt, gemeinsam mit seiner Frau nach London zu kommen. „Also wird er da sein, wenn nicht gerade irgendwas Außergewöhnliches passiert“, sagte der Hamburger trocken der Bild-Zeitung.

Zverev plant bereits den diplomatischen Gegenzug. Bei einem persönlichen Treffen möchte er über seine Großmutter Natalia Fatejewa sprechen. Die 78-Jährige musste nach einem Aufenthalt in der EU wieder nach Sotschi zurückkehren, weil ihr Visum abgelaufen war.

„Sie hat leider einen russischen Pass. Vielleicht kann er mit einem Reisepass oder einem längeren Visum für sie helfen“, so Zverev laut Bild. Nach 90 Tagen war Schluss, und auch nach Großbritannien darf sie nicht einreisen.

Vielleicht hätte Merz hier echte Staatskunst beweisen können, denn die Oma war in Paris der wahre Glücksbringer.

Der Wembley-Schatten

Die sportliche Bilanz des Kanzlers als Schlachtenbummler ist ohnehin verheerend. Sein letzter Ausflug nach London zum Champions-League-Finale 2024 im Wembley-Stadion war für seinen Herzensverein Borussia Dortmund ein Desaster. Trotz Kanzler-Präsenz verlor der BVB glatt mit 0:2 gegen Real Madrid.

Man kann für das deutsche Tennis nur hoffen, dass Merz nicht erneut als ungewollter Unglücksbringer fungiert. Dass CDU-Politiker sich vom Tennis lieber fernhalten sollten, hätte er spätestens von Kai Wegner lernen können.

Doch malen wir nicht alles in CDU-Schwarz. Noch ist das Match nicht verloren und Zverev hat bewiesen, dass er Widrigkeiten trotzen kann. Dass er neben Jannik Sinner jetzt auch noch den „Merz-Fluch“ überwinden muss, macht es aber nicht einfacher.

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