Ukraine-Krieg aktuell | Wadephul an Lawrow: "Ausdruck von Verzweiflung"
Newsblog zum Krieg in der Ukraine Wadephul an Lawrow: "Ausdruck von Verzweiflung"Aktualisiert am 08.09.2026 - 23:21 UhrLesedauer: 12 Min.Trump und Putin haben telefoniert. Nach einer Pause nimmt Moskau seine At...
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Newsblog zum Krieg in der Ukraine
Wadephul an Lawrow: "Ausdruck von Verzweiflung"
Aktualisiert am 08.09.2026 - 23:21 UhrLesedauer: 12 Min.
Trump und Putin haben telefoniert. Nach einer Pause nimmt Moskau seine Attacken auf Kiew wieder auf. Alle Entwicklungen im Newsblog.
Dienstag, 8. September
Wadephul an Russland: "Ausdruck von Verzweiflung"
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat Äußerungen seines russischen Kollegen Sergej Lawrow zu angeblichen deutschen Kriegsabsichten nach dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle scharf zurückgewiesen. "Wir wissen ganz genau, und Sergej Lawrow weiß natürlich auch, dass Russland diese Sache in Leipzig gemacht hat – und dass wir darauf reagiert haben, darauf reagieren mussten", sagte Wadephul im am Dienstagabend veröffentlichten Podcast "Ronzheimer" mit Bezug auf den Russland zugeschriebenen Anschlagsversuch.
Anfang August war am Flughafen Leipzig eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt worden, in deren Nähe sich ukrainische Frachtflugzeuge befanden. Die Bundesregierung macht Russland für den Anschlagsversuch verantwortlich und kündigte die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn sowie des russischen Kulturzentrums in Berlin an. Lawrow sagte daraufhin am Sonntag, Berlin wolle "wieder Krieg" gegen sein Land führen.
Wadephul sagte in dem Podcast weiter, dass Lawrow seine Äußerung ausgerechnet am Wahltag in Sachsen-Anhalt getätigt habe, sei möglicherweise in der Absicht geschehen, für weitere Verunsicherung zu sorgen. "Wir müssen damit umgehen, dass diese russische Regierung in allen Möglichkeiten, die sie hat, versucht, auf unsere Gesellschaft einzuwirken." Deutschland ließe sich aber nicht einschüchtern. Lawrows Äußerungen sind nach Ansicht des Ministers auch "Ausdruck einer gewissen russischen Verzweiflung". Der Ukraine-Krieg "sollte in wenigen Tagen erledigt sein – und jetzt ist man im fünften Jahr", sagte Wadephul.
Putin zu Trump: "Keine aggressiven Pläne" gegen Europa
Nach der Reise von US-Vermittlern nach Kiew und Moskau zu Gesprächen über ein Ende des Ukraine-Krieges haben US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin telefoniert. Der russische Staatschef habe Trump zugesichert, keine "aggressiven Pläne" in Bezug auf Europa zu haben, sagte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow Journalisten.
Der Kremlchef habe Trump zudem eine "objektive und ausführliche Analyse der Vorgänge auf dem Schlachtfeld" gegeben. Putin habe dabei ausgeführt, was die USA "real für ein baldiges Ende der Kampfhandlungen tun können".
Moskau sei vom US-Präsidenten eine komplette Wiederherstellung der Beziehungen zwischen Russland und den USA für den Fall eines Endes des Ukraine-Konflikts in Aussicht gestellt worden. Besprochen worden seien auch weitere Austausche von Gefangenen. Das Gespräch dauerte laut Uschakow etwa eine Stunde.
Kiew: Verletzte nach russischem Drohnenangriff auf TV-Sender
Bei einem russischen Drohnenangriff ist das Gebäude des Fernsehsenders "My - Ukrajina" ("Wir sind die Ukraine") in Kiew beschädigt worden. "Einfach am helllichten Tag, als die Journalisten auf Sendung waren", schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj in sozialen Netzwerken. Fünf Menschen seien verletzt worden. Selenskyj warf Russland vor, den Fernsehsender gezielt angegriffen zu haben. "Darauf muss es eine Reaktion von Europa und der Welt geben", verlangte der Staatschef. Der TV-Kanal produziert gemeinsam mit mehreren anderen Sendern ein Nachrichtenprogramm.
Der Generalproduzent des Senders, Jurij Suhak, sprach ebenfalls von einem direkten Angriff. "Dieses Mal war es gezielt in den Nachrichtenraum", sagte er. Bereits Mitte August seien bei einem Angriff Fenster des Gebäudes durch die Druckwelle einer Explosion beschädigt worden.
Pistorius sagt Ukraine umfangreiche Waffenlieferungen zu
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat der Ukraine weitere umfangreiche Waffenlieferungen zur Verteidigung gegen russische Angriffe zugesagt. Einschüchterungsversuche Russlands und hybride Angriffe würden weder bei der Ukraine noch bei Deutschland oder anderen Partnern funktionieren, sagte Pistorius bei einer Videokonferenz der Ukraine-Kontaktgruppe (UDCG).
"Ganz im Gegenteil: Russlands rücksichtsloses und unverantwortliches Verhalten bestärkt uns in unserer Entschlossenheit, Frieden und Freiheit in Europa zu verteidigen", sagte Pistorius wenige Tage, nachdem die Bundesregierung Russland für den misslungenen Drohnenanschlag in Leipzig verantwortlich gemacht hatte.
Er habe beschlossen, dringend benötigte PAC-2-Abfangraketen aus Beständen der Bundeswehr an die Ukraine zu liefern, sagte Pistorius. Deutschland werde auch seine Lieferungen von Luft-Luft-Raketen aus Bundeswehrbeständen weiter verstärken, um der Ukraine größere Mengen zur Verfügung zu stellen.
Bahnmitarbeiterin bei Angriff auf Passagierzug in der Ukraine getötet
Bei einem russischen Angriff auf einen Passagierzug ist der ukrainischen Eisenbahn zufolge eine Mitarbeiterin getötet worden. Die Zugbegleiterin eines Regionalzugs zwischen Dnipro und Saporischschja sei zu dem Fahrzeug zurückgekehrt, nachdem die Evakuierung angeordnet worden war, teilte das Unternehmen mit.
Russland attackierte damit an diesem Tag zwei Züge. Wie Bahnchef Olexander Perzowskyj mitteilte, wurde ein Zug im nordukrainischen Grenzgebiet Sumy angegriffen. Ein Sicherheitshalt sei eingelegt und das Fahrzeug evakuiert worden. Es gebe aber Fahrgäste mit Splitterverletzungen.
Kremlsprecher Peskow: Der Sieg ist nah
Inmitten erneuter US-Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs gibt sich Moskau siegessicher: "Wir sind überzeugt, dass der Sieg sehr nah ist", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge indischen Journalisten im Vorfeld des Brics-Gipfels am Wochenende.
Moskau sei überzeugt von seinem militärischen Potenzial und seinen Soldaten. Die Kampfhandlungen liefen sehr erfolgreich, behauptete er. Der Kreml begrüße aber die Bemühungen von US-Präsident Donald Trump und erwarte die Wiederaufnahme von Gesprächen im Format Moskau, Washington, Kiew.