„Angriff auf den Fußball“: UEFA, DFB und Watzke äußern schwere Kritik gegen Vorhaben der FIFA
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UEFA und DFB wüten wegen FIFA-Plänen – folgt nun der Boykott?
Stand: 29.07.2026, 13:09 Uhr
Die Pläne der FIFA zum Verkauf von WM-Anteilen sorgen für massive Kritik. UEFA und DFB warnen vor einem folgenschweren Kurswechsel.
Nyon/Frankfurt am Main – Die Pläne der FIFA, Anteile an der Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren zu veräußern, sorgen europaweit für heftige Kritik und ordentlich Gegenwind. Nachdem der Weltverband die Gründung der Tochtergesellschaft „FIFA Forward Enterprise“ (FFE) offiziell bekannt gegeben hat, formiert sich der Widerstand. Neben der UEFA und dem Deutschen Fußball-Bund meldete sich inzwischen auch DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke mit deutlichen Worten.

Nach Angaben der Times, über die unter anderem auch der Telegraph und die Financial Times berichteten, sollen die kommerziellen Rechte an der WM und der Klub-WM künftig in der neuen Gesellschaft gebündelt werden. Die FIFA bestätigte die Gründung der FFE und erklärte, dass dort künftig sämtliche kommerzielle Aktivitäten und das Veranstaltungsgeschäft zusammengeführt werden.
FIFA gründet neue Tochtergesellschaft FFE
Auf Basis einer Unternehmensbewertung von 20 Milliarden US-Dollar sollen durch Investoren bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar eingeworben werden. Die FIFA würde dabei die Mehrheit der Anteile behalten, während zunächst 20 bis 30 Prozent an private Investoren verkauft werden könnten. Weitere rund 20 Prozent sind für die 211 Mitgliedsverbände vorgesehen. Über das Programm FFFP soll jeder Verband gestaffelt bis 2038 bis zu 66 Millionen US-Dollar erhalten, davon 20 Millionen US-Dollar unmittelbar nach einem möglichen Anteilsverkauf.
Vor allem die UEFA sieht in diesem Vorhaben eine gefährliche Entwicklung. In einer Stellungnahme erklärte der Kontinentalverband: „Damit wird eine Grenze überschritten, die die Führungsgremien des Fußballs niemals überschreiten sollten. Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Handelsgüter – insbesondere nicht, wenn keinerlei Transparenz darüber besteht, wer finanziell davon profitiert. Keiner von uns ist Eigentümer des Fußballs. Es steht der FIFA nicht zu, ihn zu verkaufen.“
Der DFB stellte sich auf Anfrage von t-online ausdrücklich hinter diese Position und erklärte: „Als Mitglied der UEFA stehen wir vollumfänglich hinter diesem Statement.“ Medienberichten zufolge will die UEFA noch in dieser Woche im Rahmen einer Dringlichkeitssitzung über das weitere Vorgehen beraten. Dabei soll sogar ein möglicher Boykott künftiger Weltmeisterschaften diskutiert werden.
Auch Hans-Joachim Watzke findet klare Worte zu dem Vorhaben der FIFA. Der DFB-Vizepräsident bezeichnet die Pläne als fundamentalen Angriff auf den internationalen Fußball. „Viele im europäischen Fußball sehen die Pläne der FIFA als absoluten Angriff auf den Fußball an. Diese Haltung teile ich. Hier wird eine Grenze überschritten“, sagte der 67-Jährige gegenüber dem kicker.
Nach Gesprächen mit UEFA-Präsident Aleksander Čeferin herrsche unter den europäischen Verbänden große Einigkeit. „Bei der WM standen sechs europäische Teams im Viertelfinale und drei im Halbfinale. Wenn sich der europäische Fußball geschlossen gegen die Pläne wehrt, hat das sehr viel Gewicht“, unterstrich Watzke seine Äußerungen.
Aki Watzke äußert Kritik über FIFA-Vorhaben
Für zusätzlichen Zündstoff sorgt der Bericht der Times, wonach FIFA-Präsident Gianni Infantino nach dem Ende seiner Amtszeit an die Spitze der neuen Gesellschaft rücken könnte. Demnach soll es bereits Kontakte zu möglichen Investoren aus dem Umfeld der US-Regierung geben, darunter Joshua Kushner sowie die Bank JP Morgan. Laut Bericht könnte sich Infantinos Gehalt als Firmenchef am Einkommen von NFL-Commissioner Roger Goodell orientieren und sich damit nahezu verzehnfachen.
Die FIFA erklärte allerdings, über einen CEO-Posten Infantinos sei „nie diskutiert worden“. Gleichzeitig wächst die Sorge vieler Kritiker, dass eine auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Gesellschaft langfristig zu häufigeren Weltmeisterschaften oder einer weiteren Ausweitung der Turniere führen könnte – ein Szenario, das die Debatte zusätzlich anheizt. (LF)