Ozempic und Co: Warum Abnehmspritzen Haarausfall auslösen können

Übersehene Nebenwirkung: Haarausfall durch AbnehmspritzenOzempic und Mounjaro können die Frisur ausdünnen. Die Gründe sind noch ein Rätsel. Aber die Medizin kennt schon ein wirksames Gegenmittel. Die Kolumne «H...

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Ozempic und Co: Warum Abnehmspritzen Haarausfall auslösen können

Übersehene Nebenwirkung: Haarausfall durch Abnehmspritzen

Ozempic und Mounjaro können die Frisur ausdünnen. Die Gründe sind noch ein Rätsel. Aber die Medizin kennt schon ein wirksames Gegenmittel. Die Kolumne «Hauptsache, gesund».

08.08.2026, 05.30 Uhr

2 Leseminuten


Ales Utouka / Imago

Abnehmspritzen werden fast schon als eine Art Mittel gegen alles angepriesen: Kniearthrose sollen sie lindern, vor Herzattacken schützen, dasselbe gilt für Schlaganfälle. Auch als Therapie bei Demenz, Nierenerkrankungen und Alkoholsucht werden sie getestet. Längst bewiesen haben sie ihren Nutzen in ihrer ursprünglichen Indikation: der Behandlung von Diabetes und Übergewicht.

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«Hauptsache, gesund»

In dieser Kolumne werfen Autorinnen und Autoren einen persönlichen Blick auf Themen aus Medizin und Gesundheit.

Was zur Beliebtheit der Mittel beiträgt: Üblere Nebenwirkungen müssen in der Regel nicht in Kauf genommen werden. Normalerweise gilt in der Medizin die Faustregel: Ein Mittel mit starken therapeutischen Effekten hat auch entsprechend unangenehme Nebenwirkungen. Nicht so die Abnehmspritzen.

Zugegeben, viele Anwender klagen über so unangenehme Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Sodbrennen oder Verstopfungen. Aber die bessern sich in der Regel mit der Zeit – schwerere unerwünschte Effekte wie Bauchspeicheldrüsen-Entzündungen oder Darmverschlüsse sind wiederum ausgesprochen selten. Summa summarum ist das ein vergleichsweise günstiges Risiko-Nutzen-Profil.

Keine kahlen Stellen, aber die Frisur wird dünner

Vor kurzem wurde allerdings eine neue Nebenwirkung gemeldet – und die erwischt den Menschen an einer besonders empfindlichen Stelle. Ende Juli warnte das «British Medical Journal»: Vorsicht, wer Ozempic und Mounjaro verwendet, droht seine Haare zu verlieren.

In einer Studie hatten Wissenschafter Diabeteskranke verglichen, die zur Behandlung entweder diese Wirkstoffe oder unverdächtige Konkurrenzprodukte wie sogenannte Gliflozine oder Gliptine eingenommen hatten. Das Ergebnis: Anwender von Abnehmspritzen mussten mit einem 37 beziehungsweise 68 Prozent höheren Haarausfallrisiko rechnen. Weil die Haare verteilt am ganzen Kopf verlorengingen, entstanden zwar keine kahlen Stellen, aber die Frisur wurde dünner.

Dieses Muster kam den Forschern bekannt vor: Ähnliche Probleme können auch nach harten Diäten oder schweren Infektionserkrankungen auftreten. Einzelne Kopfhaare stellen dabei ihr Wachstum ein und treten verfrüht in die zwei- bis viermonatige Ruhephase ein, die auch gesunde Haare durchleben, bevor sie abgestossen werden. Typischerweise wachsen bei diesem sogenannten telogenen Effluvium 30 Prozent der Haare nicht mehr nach. Das heisst: Statt wie bei Gesunden 100 Haare gehen bei den Betroffenen 300 pro Tag verloren.

Heilung ist möglich – indem man die Abnehmspritze absetzt

Ein ähnlicher Mechanismus, so vermuten die Wissenschafter, könnte auch bei den Abnehmspritzen eine Rolle spielen. Hier soll der starke Gewichtsverlust und ein begleitender Mangel an Mikronährstoffen wie Zink und Eisen den Verlust begünstigen. Aber auch direkte Wirkungen der Medikamente werden nicht ausgeschlossen.

Vom telogenen Effluvium weiss man allerdings: Die Krankheit ist reversibel. Fallen die schädlichen Einflüsse weg, spriessen die Haare wieder. Dermatologen raten Ärzten und Patienten deshalb, auf solche Symptome zu achten und gegebenenfalls entsprechend zu reagieren. Zum Glück dürfte das jedoch selten notwendig werden: Von 1000 Menschen, die Semaglutid und Tirzepatid ein Jahr lang einnehmen, müssen nur 3 damit rechnen, ihre Haare zu verlieren.

Bereits erschienene Texte unserer Kolumne «Hauptsache, gesund» finden Sie hier.

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