Trumps heikler Nordkorea-Kurs: China und Putin reiben sich die Hände – Verbündete zahlen schmerzhaften Preis
StartseitePolitikStand: 19.08.2026, 13:46 UhrKommentareUns auf Google folgenTrump will US-Manöver mit Südkorea drastisch einschränken – und das bei wachsender Gefahr durch Nordkorea. In Asien beginnt eine Debat...
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Stand: 19.08.2026, 13:46 Uhr
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Trump will US-Manöver mit Südkorea drastisch einschränken – und das bei wachsender Gefahr durch Nordkorea. In Asien beginnt eine Debatte. Eine Analyse.
Es sollen laut ukrainischen Geheimdienstangaben zwischen 30.000 und 50.000 nordkoreanische Soldaten sein, die Diktator Kim Jong-un an die russische Front in das vom Kreml angegriffene Land entsenden wird. Damit verstärkt Pjöngjang das Kontingent von 15.000 Soldaten, die bereits seit Ende 2024 im Auftrag Kims in Europa töten. Für Donald Trump ist es dennoch kein Problem, sein vermeintlich gutes Verhältnis zu eben jenem Kim Jong-un als Begründung dafür anzuführen, warum die USA ihre Manöver mit Südkorea nun drastisch einschränken sollen. Washington ist seit Jahrzehnten der Sicherheitsgarant in Ostasien, für Südkorea, Japan und Taiwan. In Südkorea sind 28.500, in Japan rund 54.000 US-Soldaten stationiert. Allerdings hat Seoul es, wie viele andere Nationen auch, abgelehnt, an Trumps Kamikaze-Krieg gegen den Iran teilzunehmen. Trump opfert die Sicherheitsinteressen Washingtons in der Region, weil er sich in seiner Ehre beleidigt fühlt.

Dies geschieht zu einer Zeit, in der Amerikas Waffenlager langsam leer laufen und der Commander in Chief gezwungen ist, Ressourcen aus Asien abzuziehen, um seinen Krieg am Persischen Golf weiterführen zu können. Dass Seoul mittlerweile zu jenen Waffenproduzenten gehört, die Washington im Falle einer Knappheit aus der Patsche helfen könnten, übersieht Trump oder es ist ihm egal. Strategisches Denken, das über den Tag hinausreicht, ist dem Mann im Weißen Haus fremd. Und so beobachtet die Welt einmal mehr, wie Trump Amerikas Rolle in der Welt verkleinert und gleichzeitig das Leben der Soldatinnen und Soldaten, die überall auf der Welt stationiert sind, gefährdet. Mit seinen Umfragewerten auf Rekordtief und einer neuen Parteigründung auf dem Weg, die gespeist wird von Personen, die einmal zum innersten Kreis der MAGA-Bewegung gehörten, sollten dem US-Präsidenten und seinem direkten Umfeld signalisieren, dass selbst zuhause nichts nach Plan läuft.
Trumps heikler Nordkorea-Kurs: China und Putin reiben sich die Hände – Verbündete zahlen hohen Preis
Aber zurück zur Geopolitik: Trump schwächt die USA in ihrem Verhältnis zur Volksrepublik China. Denn zu Pekings treuesten Verbündeten gehört Nordkorea. Wenige Wochen vor dem geplanten Treffen von Chinas Machthaber Xi Jinping mit Donald Trump in Washington will die US-Administration ein Signal an Peking senden. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich chinesische und US-amerikanische Delegationen bezüglich der nordkoreanischen atomaren Aufrüstung in den Haaren lagen. Pjöngjang verfügt mittlerweile, so sehen es Sicherheitskreise, über Atomsprengköpfe. Das Land ist also, de facto, eine Gefahr für die Sicherheit Asiens — und der Vereinigten Staaten. Denn Kims Raketen, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können, können das gesamte amerikanische Festland erreichen.
Pjöngjang hat seine Atomwaffen nicht alleine gefertigt. Russland und China haben die Steinzeitdiktatur dabei nach Kräften unterstützt. Zwei Erzfeinde Amerikas, deren Führer Trump umgarnt und deren Machtfülle er neidet. Der Abbau demokratischer Normen und die Korruption unter Donald Trump erinnern heute daher eher an Russland und China und nicht an eine demokratische Nation. Derweil reiben sich Xi und Putin natürlich die Hände, denn Trump ist ein Geschenk des Himmels für die Durchsetzung der Interessen, die diese Diktatoren haben.
Für Südkorea und Japan ist diese Entwicklung mehr als beunruhigend. Beide Staaten haben ihre Sicherheitsarchitektur seit Jahrzehnten auf die Verlässlichkeit des amerikanischen nuklearen Schutzschirms gegründet. Dieses Versprechen war nie bedingungslos, aber es war berechenbar. Trump hat in seiner ersten Amtszeit begonnen, daran zu rütteln, und er setzt diesen Kurs nun mit einer Konsequenz fort, die in Seoul und Tokio nicht mehr als Ausreißer, sondern als Struktur wahrgenommen wird. Wenn Washington bereit ist, das nordkoreanische Regime zu stützen, dann ist die Frage in Südkorea und Japan nicht mehr, ob man sich auf Amerika verlassen kann, sondern lediglich, wie lange man noch Zeit hat, eine Sicherheitsarchitektur zu bauen, die das Land ohne US-Hilfe schützen kann.
Die Folgen sind bereits sichtbar: Die Debatte über eine eigenständige südkoreanische Nuklearbewaffnung, die in Umfragen seit Jahren mehrheitsfähig ist, wird an Fahrt gewinnen. Auch Japan, traditionell durch seine pazifistische Verfassung und die Erinnerung an Hiroshima und Nagasaki zurückhaltend, wird den Diskurs über nukleare Optionen – von einer eigenen Bewaffnung bis zu einer verstärkten nuklearen Teilhabe – nicht mehr tabuisieren können. Bemerkenswert wäre zudem, sollte sich aus dieser gemeinsamen Verunsicherung eine engere sicherheitspolitische Kooperation zwischen Seoul und Tokio entwickeln, zwei Hauptstädten, die historisch belastet und sicherheitspolitisch bislang eher lose verbunden sind. Ein solcher Schulterschluss wäre nicht das Ergebnis amerikanischer Führung, sondern ihrer Abwesenheit.
Auch Taiwan beobachtet diese Entwicklung mit Nervosität. Taipeh versucht seit geraumer Zeit, sich von der Unberechenbarkeit Trumps unabhängiger zu machen – durch eigene Verteidigungsanstrengungen, durch Diversifizierung der internationalen Partnerschaften, durch eine Rhetorik, die weniger auf explizite amerikanische Garantien setzt. Dass Washington nun ausgerechnet vor einem Xi-Besuch signalisiert, regionale Sicherheitsfragen seien verhandelbar, wenn der Preis stimmt, bestätigt Taiwans Befürchtung: Auf die USA ist kein Verlass mehr.
Während Washington sich am Golf in Konflikten verzettelt, deren Ertrag in keinem Verhältnis zum Einsatz steht, kreiert Washington in Ostasien ein Machtvakuum, das die Volksrepublik nur zu gerne füllen wird. Das Erschütternde an Trumps Nordkorea-Volte ist nicht die Volte selbst, denn sie reiht sich ein in ein bekanntes Muster personalisierter um nicht zu sagen narzisstischer Außenpolitik, sondern die Bereitschaft, Sicherheitsversprechen gegenüber Verbündeten einem egomanischen Kalkül unterzuordnen. Wer glaubt, man könne Verbündete bestrafen, Rivalen umwerben und gleichzeitig als verlässliche Ordnungsmacht auftreten, betreibt keine Realpolitik, sondern Selbsttäuschung. Die Rechnung dafür wird leider nicht in Washington präsentiert, sondern in Seoul, Tokio und Taipeh beglichen.