Grönland stellt Trump-nahe US-Firma vor Probleme: Ölbohrungen könnten sich um Jahre verzögern
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Trump-Firma will Grönlands Öl und führt schon Material ein – ohne Genehmigung
Stand: 15.08.2026, 06:46 Uhr
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Greenland Energy möchte in Grönland nach Öl bohren. Doch die Behörden bremsen das Projekt und zweifeln am geplanten Start 2027.
Nuuk – Ein ambitioniertes Ölprojekt in Grönland gerät ins Stocken. Greenland Energy, ein texanisches Unternehmen mit Verbindungen zum Umfeld von US-Präsident Donald Trump, will gemeinsam mit Partnern im Jameson-Land-Becken nach Öl bohren. Doch die grönländischen Behörden haben die Firmen inzwischen verwarnt und stellen auch den bislang anvisierten Starttermin infrage.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com.
Auslöser war der Transport von Ausrüstung nach Grönland. Nach Angaben der Regierung fehlten dafür gültige Genehmigungen. Die Unternehmen erhielten deshalb eine „dringende Verwarnung“. Zugleich machten die Behörden deutlich, dass vor weiteren Arbeiten umfangreiche Prüfungen erforderlich seien.

Greenland Energy ist an einem Gemeinschaftsunternehmen mit der britischen Firma 80 Mile beteiligt. Deren Tochtergesellschaft White Flame Energy hält die Lizenz für das betreffende Gebiet. Inzwischen nennen die Unternehmen den Winter 2027 als neuen Zieltermin. Doch selbst dieser Zeitplan steht auf der Kippe. Die grönländische Mineralaufsichtsbehörde erklärte, sie prüfe weiterhin Unterlagen des Lizenzinhabers und warte noch auf zusätzliche Dokumente.
Greenland Energy setzt auf Milliardenpotenzial in Grönland
Jørgen T. Hammeken-Holm, ständiger Sekretär für Mineralressourcen in Grönland, sagte gegenüber Newsweek, ein Bohrbeginn im Winter 2027 sei nur „vielleicht“ realistisch. Wann die Arbeiten tatsächlich starten könnten, sei „schwer zu sagen“. Klar sei allerdings, dass vor Erteilung sämtlicher Genehmigungen keine Bohrungen aufgenommen würden. Auch vorbereitende Arbeiten sind davon betroffen.
Greenland Energy wurde erst im vergangenen Jahr gegründet. Das Unternehmen konzentriert sich eigenen Angaben zufolge darauf, das „gewaltige Kohlenwasserstoffpotenzial Grönlands durch innovative Exploration“ zu erschließen. Im Zentrum steht das rund 8100 Quadratkilometer große Jameson-Land-Becken. Firmenchef Robert Price hatte in der Vergangenheit geschätzt, dass sich dort Öl im Wert von rund einer Billion US-Dollar befinden könnte.
Grönland verfolgt grundsätzlich längst einen anderen Kurs. Die Regierung kündigte bereits 2021 an, keine neuen Lizenzen für die Exploration von Öl und Gas mehr zu vergeben. Das Jameson-Land-Projekt ist dennoch möglich, weil die entsprechende Lizenz bereits vor diesem Moratorium erteilt worden war. Die Lizenz liegt über White Flame Energy bei 80 Mile, während Greenland Energy gegen eine Finanzierung von 60 Millionen US-Dollar eine Mehrheitsbeteiligung übernommen hat.
Trump-Verbindungen sorgen für politische Brisanz
Das texanische Unternehmen soll unter anderem die technische Planung, Logistik, operative Einsatzbereitschaft und übergeordnete Projektkoordination übernehmen. Gleichzeitig verweist Greenland Energy selbst auf mehrere Verbindungen zur aktuellen US-Regierung. Verwaltungsratsmitglied Carol Craig leitet ein Rüstungstechnologieunternehmen, das am geplanten Raketenabwehrsystem „Golden Dome“ arbeitet. Auch Phil McGraw, besser bekannt als „Dr. Phil“ und Unterstützer Trumps, soll eine sechsteilige Dokumentation über das Jameson-Land-Projekt moderieren.
Politisch brisant wurde das Vorhaben zuletzt vor allem wegen des Umgangs mit den grönländischen Behörden. Lukas Wahden von der George Washington University sagte dem Sender France 24, nicht die Ölexploration an sich habe die jüngste Kontroverse ausgelöst, sondern der Umgang mit den zuständigen Stellen. Hammeken-Holm erklärte gegenüber Newsweek, eine frühere Genehmigung zum Transport der Ausrüstung habe zwar existiert, sei inzwischen jedoch abgelaufen gewesen. Das Unternehmen habe versucht, das Material zu transportieren, während eine neue Genehmigung noch bearbeitet worden sei.
Das Ölprojekt in Grönland auf einen Blick
| Punkt | Stand |
|---|---|
| Projekt | Ölbohrungen im Jameson-Land-Becken in Ostgrönland |
| Beteiligte Firmen | Greenland Energy und 80 Mile / White Flame Energy |
| Gebiet | Rund 8.100 Quadratkilometer |
| Geplanter Bohrstart | Winter 2027 (ursprünglich Oktober 2026 geplant) |
| Status | Genehmigungsverfahren läuft, umfassendere Prüfung von den Behörden gefordert |
| Streitpunkt | Transport von Ausrüstung ohne die erforderliche Genehmigung |
| Weitere Prüfungen | Umweltverträglichkeitsprüfung und gesellschaftliche Nachhaltigkeitsanalyse |
| Besonderheit | Lizenzen wurden vor dem grönländischen Öl- und Gas-Moratorium von 2021 erteilt |
| Trump-Bezug | Medien berichten über mehrere Verbindungen des Unternehmens ins Trump-Umfeld; Firma bestreitet politischen Zusammenhang |
| Potenzial laut Firma | Öl im geschätzten Wert von bis zu rund 1 Billion US-Dollar (von unabhängigen Experten stark angezweifelt) |
Umweltprüfung könnte Ölbohrungen weiter verzögern
Vor dem eigentlichen Bohrbeginn stehen weitere Hürden. Die grönländische Regierung verlangt unter anderem eine Analyse der gesellschaftlichen Nachhaltigkeit sowie eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung. Auch vorbereitende Arbeiten wie die Anlandung des Bohrgeräts oder die Einrichtung eines Camps dürfen nicht beginnen, bevor diese Verfahren abgeschlossen sind.
Greenland Energy hat das Vorhaben inzwischen von zwei zunächst geplanten Bohrungen auf eine reduziert. Das Unternehmen bezeichnete dies als den „verantwortungsvollsten Weg“. Rod McIllree, Executive Director von 80 Mile, erklärte, man sei „enttäuscht, dass der Zeitplan des Jameson-Bohrprogramms beeinträchtigt wurde“, wolle das Projekt aber weiterhin vorantreiben.
Trumps Umfeld plante deutlich schnelleren Ölstart
Der mögliche Bohrbeginn im Winter 2027 liegt bereits deutlich später als frühere Aussagen aus dem Umfeld der Trump-Regierung vermuten ließen. Jeff Landry, Gouverneur von Louisiana und Trumps Sondergesandter für Grönland, hatte im Mai gegenüber Fox News erklärt, das Gebiet könne theoretisch bereits rund zwei Millionen Barrel Öl pro Tag exportieren. Eine Produktion könne seiner Einschätzung nach innerhalb von rund zehn Monaten beginnen.
Dem stehen jedoch die grönländischen Genehmigungsverfahren gegenüber. Allein die Prüfung der gesellschaftlichen Auswirkungen kann vier bis zwölf Monate dauern. Die Umweltverträglichkeitsprüfung kann umfangreiche Studien erfordern und sich über Jahre ziehen. Hinzu kommen öffentliche Konsultationen von mindestens acht Wochen. Vor diesem Hintergrund erscheint selbst der aktuell angepeilte Bohrbeginn im Winter 2027 ambitioniert.