Trump droht Kanada wegen Waldbränden mit zusätzlichen Zöllen

Rauch aus Hunderten Waldbränden belastet weite Teile der USA und Kanadas. US-Präsident Donald Trump wirft Ottawa Versäumnisse bei der Waldpflege vor und will die angeblichen Kosten über neue Zölle eintreiben.

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Trump droht Kanada wegen Waldbränden mit zusätzlichen Zöllen

US-Präsident Donald Trump hat Kanada wegen der durch Waldbrände verursachten Luftverschmutzung mit neuen Strafzöllen gedroht. Die durch die Rauchbelastung entstehenden Kosten müssten "zwangsläufig" zu den bereits bestehenden Zöllen auf kanadische Importe hinzugerechnet werden, erklärte Trump auf seiner Onlineplattform Truth Social.

"Die Vereinigten Staaten werden unnötigerweise von einer schmutzigen, verschmutzten und gesundheitsschädlichen Luft heimgesucht, deren Qualität eine völlig inakzeptable Gefahr darstellt!", schrieb der Präsident. Er bezeichnete die Situation als "grobe Fahrlässigkeit" und behauptete, sie entwickle sich zu einem jährlich wiederkehrenden Problem, das die USA Milliarden Dollar koste.

Waldbrandrauch aus Kanada hüllt Manhattan ein
Waldbrandrauch aus Kanada hüllt Manhattan ein (16.07.2026)Bild: NDZ/STAR MAX/IPx/picture alliance

Trump macht mangelnde Waldpflege verantwortlich

Trump kündigte an, den kanadischen Premierminister Mark Carney anzurufen, um herauszufinden, was er wegen des Rauchs zu tun gedenke. Zugleich warf er Kanada vor, seine Wälder "nicht ordnungsgemäß instand zu halten" und weder ein grundlegendes Waldmanagement noch die notwendige Beseitigung von Schutt und Gestrüpp vorzunehmen. Dadurch würden die Brände überhaupt erst ermöglicht oder zumindest begünstigt, meinte Trump.

Die Freiheitsstatue in New York ist hinter dem dichten Rauch kaum noch zu erkennen
Die Freiheitsstatue in New York ist hinter dem dichten Rauch kaum noch zu erkennen (16.07.2026)Bild: Yuki Iwamura/AP Photo/picture alliance

Wissenschaftliche Untersuchungen führen die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Waldbränden in Nordamerika jedoch vor allem auf den Klimawandel zurück. Höhere Temperaturen, längere Trockenperioden und ausgetrocknete Vegetation schaffen demnach Bedingungen, unter denen sich Feuer leichter entzünden und schneller ausbreiten können.

Hunderte Brände belasten Luft in US-Metropolen

Am Samstag waren nach Angaben kanadischer Behörden noch rund 950 Brände aktiv. Die meisten davon galten als nicht unter Kontrolle. Besonders starke Rauchschwaden stammten von Dutzenden Feuern in der kanadischen Provinz Ontario. Auch im nördlichen US-Bundesstaat Minnesota brannten Wälder.

Waldbrand in der kanadischen Region British Columbia
Ein Waldbrand in der kanadischen Region British ColumbiaBild: BC Wildfire Service/Handout/REUTERS

Der Rauch breitete sich über große Teile Kanadas und des Nordostens der Vereinigten Staaten aus. Betroffen waren unter anderem die Großstädte Toronto, Chicago, Detroit, New York und Washington. In New York war die Sicht auf die Skyline erheblich eingeschränkt, zugleich lag Brandgeruch in der Luft. In der US-Hauptstadt Washington warnten die Behörden am Freitag vor einer sehr hohen Belastung durch gesundheitsschädlichen Feinstaub.

Kanada verweist auf Zusammenarbeit und Investitionen

Die schweren Waldbrände fallen mit einer ausgedehnten Hitzewelle zusammen, die sich vom Westen der Vereinigten Staaten bis zur Ostküste und nach Kanada erstreckt. Hitze und Trockenheit erschweren den Einsatzkräften die Eindämmung der Flammen und erhöhen zugleich das Risiko weiterer Brände.

Kanadas Katastrophenschutzministerin Eleanor Olszewski wies auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Feuer hin. Kanada und die Vereinigten Staaten stünden in "ständigem Kontakt", sagte Olszewski. Beide Länder hätten eine "lange Geschichte der Zusammenarbeit im Kampf gegen Waldbrände". Zudem habe Kanada seit 2020 Milliardensummen in nachhaltigere Wälder und in die Vorbeugung von Bränden investiert.

Premier Doug Ford informiert über Waldbrände in Ontario
Doug Ford, Premier der kanadischen Region Ontario: Nicht beschweren, sondern Unterstützung schicken (17.07.2026)Bild: Cole Burston/The Canadian Press/AP Photo/picture alliance

Deutlich schärfer reagierte der Premierminister der besonders betroffenen Provinz Ontario, Doug Ford, auf die Kritik aus den USA. Statt "herumzuquasseln" und sich zu beschweren, sollten Politiker lieber konkrete Unterstützung schicken, erklärte Ford. "Denn genau das haben wir auch für unsere amerikanischen Freunde getan."

Schlechte Luft könnte WM-Finale beeinträchtigen

Die schlechte Luft könnte auch das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft beeinflussen. Wegen der Rauchbelastung steht möglicherweise eine Verschiebung oder Verlegung des für Sonntag in East Rutherford im Großraum New York geplanten Endspiels im Raum.

Die erwartete Schadstoffbelastung sei "keineswegs extrem. Optimal ist es allerdings auch nicht", sagte Christopher Carlsten, Leiter der Abteilung für Pneumologie an der University of British Columbia (UBC), der Nachrichtenagentur AFP. Er rechnet mit Werten zwischen 10 und 20 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Richtwert für die allgemeine Gesundheit liegt bei etwa 5 Mikrogramm.

Trump & Infantino mit dem FIFA-WM-Pokal im Trump Tower
US-Präsident Donald Trump und FIFA-Chef Gianni Infantino bei einem Treffen am Freitag in New YorkBild: Evan Vucci/REUTERS

Für die Spieler der Finalisten Argentinien und Spanien besteht Carlsten zufolge zwar keine ernsthafte Gesundheitsgefahr. Sie seien "weit davon entfernt, ernsthafte gesundheitliche Probleme zu bekommen". Ihre Leistungsfähigkeit könne jedoch "beeinträchtigt" werden.

Größere Sorgen bereitet dem Experten das Publikum: "Bei den Fans mache ich mir vor allem wegen der kurzfristigen Auswirkungen etwas mehr Sorgen, denn bei Zehntausenden von Menschen wird es zwangsläufig einige geben, die gesundheitlich anfälliger sind."

pgr/wa (dpa, afp, sid)