Trotz Formel-1-Interesse: Darum zieht Zandvoort nach 2026 den Stecker

(Motorsport-Total.com) - Nachdem sich die Formel 1 Ende 1985 aus Zandvoort verabschiedet hatte, schien das Thema Geschichte zu sein. Die Rennstrecke verfiel, Zandvoort verschwand allmählich vom Radar und die Kö...

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Trotz Formel-1-Interesse: Darum zieht Zandvoort nach 2026 den Stecker

(Motorsport-Total.com) - Nachdem sich die Formel 1 Ende 1985 aus Zandvoort verabschiedet hatte, schien das Thema Geschichte zu sein. Die Rennstrecke verfiel, Zandvoort verschwand allmählich vom Radar und die Königsklasse des Motorsports schien der kleinen Küstenstadt entwachsen zu sein.

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© circuitpics.de

Max Verstappen und Zandvoort waren für die Formel 1 eine Goldkombination Zoom

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Was blieb, waren die nostalgischen Erinnerungen daran, Formel-1-Autos in den Dünen zu beobachten - und damals sogar noch zu hören!

Lange Zeit stand Zandvoort als Synonym für verblassten Glanz, doch am 14. Mai 2019 erwies sich das Unmögliche plötzlich doch als möglich: Zandvoort - oder "Sandervoort", wie Chase Carey es während unseres damaligen Interviews wiederholt nannte - feierte eine überraschende Rückkehr in den Formel-1-Kalender.

Ein weiterer Besuch auf der Strecke folgte 2020, dieses Mal zur offiziellen Eröffnung des umgebauten Kurses mit seinen zwei Steilkurven durch Max Verstappen, Jos Verstappen und Arie Luyendyk, nach dem die letzte Kurve benannt ist.

Später in jenem Jahr hätte der Moment Supreme folgen sollen: die Rückkehr des Grand Prix der Niederlande. Doch wie wir alle wissen, machte die Corona-Pandemie diesem Plan einen Strich durch die Rechnung.

Etwas mehr als ein Jahr später war es schließlich soweit und es entstand auf Anhieb die denkwürdigste Ausgabe bis heute. Eines der ersten großen Sportevents im Land - wenn auch noch unter COVID-Auflagen -, der F1-Zirkus zurück in den Dünen und das alles während eines der kultigsten Titelkämpfe der F1-Geschichte: Alles passte zusammen.

Zandvoort hat geglänzt, wenn es um das Rahmenprogramm abseits der Strecke ging - auch wenn Formel 2 und Formel 3 einige Jahre lang fehlten, so wie in dieser Saison. In vielen anderen Bereichen hat der Veranstalter die Messlatte höher gelegt. Das gilt etwa für die Nachhaltigkeit, das Mobilitätskonzept und das Entertainment-Angebot.

Das macht Zandvoort so stark

Robert van Overdijk, CEO des Circuit Zandvoort, verriet, dass Formula One Management den GP der Niederlande in den regelmäßigen Meetings mit allen Promotern oft als Vorzeigebeispiel herangezogen hat. Tatsächlich gingen die genannten Faktoren Hand in Hand.

Als die Rückkehr des Grand Prix angekündigt wurde, befürchteten viele ein Verkehrschaos - ein "Traffic Paradise", wie Yuki Tsunoda es nennen würde -, da Zandvoort nur über zwei Zufahrtsstraßen verfügt. Dem begegnete man geschickt, indem die Fans überwiegend mit dem Fahrrad oder dem Zug anreisten, während auch das Unterhaltungsprogramm seine Rolle spielte.

Würden alle Zuschauer direkt nach dem Schwenken der Zielflagge gleichzeitig aufbrechen, gäbe es zwangsläufig Probleme. Durch die Organisation verschiedener Konzerte verlassen die Fans die Strecke jedoch gestaffelt. Auf diese Weise ist es Zandvoort gelungen, eine Schwachstelle in ein Alleinstellungsmerkmal des Events zu verwandeln.

All das wird mit einem Old-School-Kurs kombiniert. Ja, es gibt Entertainment - manchen vielleicht sogar zu viel -, aber im Gegensatz zu einigen anderen Rennen im Kalender handelt es sich immer noch um eine traditionelle Strecke, die die Fahrer lieben - besonders dann, wenn sie auf einer Runde im Qualifying an die Grenzen gehen.

Der Ton wurde direkt bei der Premiere 2021 angegeben. Die Organisatoren zogen bei der Startaufstellung alle Register. So sehr, dass Super Max gefühlt zum 50. Mal an diesem Tag aus den Lautsprechern dröhnte, nachdem die Nationalhymne gespielt worden war, ausgerechnet als alle Fahrer (einschließlich Max Verstappen) versuchten, sich vor dem Start in die richtige Tunnelvision zu begeben.

Der Druck auf Verstappens Schultern war immens, nicht zuletzt, weil das gesamte Publikum nur wegen dieses einen Mannes gekommen war und das Überholen mit den Auto-Generationen von 2021 extrem schwierig war. Alles hing vom Start ab, aber der Red-Bull-Pilot hielt dem Druck stand, machte die Party in den Dünen perfekt und schenkte den Organisatoren ihren Traum-Sieger.

Als Christian Horner die Strecke am Sonntagabend verließ, brachte er den GP der Niederlande treffend auf den Punkt: "Ich komme mir vor, als wäre ich vier Tage lang ununterbrochen in einem Nachtclub gewesen." Und genau das war Zandvoort in den letzten Jahren: Nicht nur ein Rennen, sondern ein Festival - ein Rennsport-Festival, ob man das als Purist nun mag oder nicht.

Warum wollen die Organisatoren nicht weitermachen?

Angesichts dieses Erfolgs war Formula One Management durchaus daran interessiert, mit Zandvoort weitermachen, was natürlich die Frage aufwirft, warum dem Event nach diesem Jahr dennoch der Stecker gezogen wird.

Die Antwort ist hauptsächlich finanzieller Natur. Zandvoort ist eines der wenigen Rennen im Formel-1-Kalender ohne staatliche Unterstützung und muss daher auf eigenen Beinen stehen. Das gelingt dank mehrerer großer Sponsoren (von den Organisatoren als Founding Partners bezeichnet) und indem die Veranstaltung an jedem Tag ausverkauft ist.

Dieses Modell hat in den vergangenen Jahren gut funktioniert, aber die Macher wollen dem Punkt zuvorkommen, an dem das Interesse nachlässt.

Eine der Befürchtungen aus Sicht der Organisation war naturgemäß ein möglicher Rücktritt von Verstappen, auch wenn seine Vertragsverlängerung bis Ende 2030 dieser Sorge die Schärfe genommen hat.

Dennoch bleibt das Risiko einer Übersättigung bestehen - sei es, weil die Zuschauer das Gefühl haben, das Event oft genug erlebt zu haben, oder weil das Interesse in den Niederlanden aufgrund des aktuellen Reglements sinkt. Um finanzielle Risiken zu vermeiden, wollen die Organisatoren diesem Moment selbst zuvorkommen.

Darüber hinaus hat Van Overdijk mehrfach erklärt, warum ein Rotationssystem für den GP der Niederlande schwierig wäre. Die gesamte Organisation im zwischenzeitlichen rennfreien Jahr intakt zu halten, ist kostspielig; den gesamten Betrieb jedoch erst zu demontieren, nur um ihn für ein Rennjahr wieder neu aufzubauen, ist ebenso komplex.

Das bedeutet, dass ein Rotationssystem aus Sicht der Veranstalter nicht das bevorzugte Szenario ist.

Wird die Formel 1 jemals in die Niederlande zurückkehren?

Die finale Frage ist natürlich, ob sich das Formel-1-Buch in den Niederlanden nach 2026 für immer schließt oder ob es in Zukunft doch noch eine Tür für eine weitere Ausgabe geben könnte.

Zandvoort hat bereits signalisiert, dass man bereitstünde, sollte in den kommenden Jahren ein Rennen an anderer Stelle im Kalender ausfallen - beispielsweise aufgrund von Unruhen im Nahen Osten. Auf diese Weise ist schließlich auch Imola wieder für ein potenzielles Rennen Ende dieses Jahres ins Gespräch gekommen.

Van Overdijk fügte jedoch umgehend hinzu, dass Zandvoort in dieser Hinsicht vielleicht nicht die logischste Option sei. Der Aufbau für einen Grand Prix dauert sechs Wochen, während andere Rennstrecken über mehr permanente Einrichtungen, wie etwa Tribünen, verfügen als Zandvoort.

Es gibt also Komplikationen, obwohl die Organisation eines Rennens auf diese Weise finanziell erheblich attraktiver wäre. Die Konditionen, einschließlich der Antrittsgebühr, wären in einem solchen Szenario völlig andere, was die Zahlen womöglich aufgehen ließe.

Zandvoort wäre in diesem Fall zwar nicht die wahrscheinlichste Option, und es gibt Rennstrecken in Europa, die schneller reagieren können, aber das Szenario lässt sich nicht völlig ausschließen.

Schließlich gibt es noch die Ambitionen der anderen Rennstrecke in den Niederlanden: dem TT Circuit Assen. Das erscheint derzeit jedoch ebenfalls als sehr vage Hoffnung und nach aktuellem Stand als äußerst unwahrscheinlich.

Der Promoter LDP International weigert sich zwar weiterhin, den Traum aufzugeben, die Formel 1 eines Tages auf die Strecke zu holen, obwohl der TT Circuit durch seinen Direktor Mark van Aalderen kürzlich erklärte, dass man die für eine Grad-1-Lizenz erforderlichen Umbauten nicht vornehmen werde.

Die Rennstrecke, die jedes Jahr die MotoGP begrüßt, kontaktierte Formula One Management selbst und bekam zu hören, dass die Chancen für die kommenden Jahre praktisch bei null liegen. Daraufhin beschloss man, die für die Formel 1 erforderlichen Modifikationen nicht durchzuführen - die Veröffentlichung dieser Nachricht traf den Promoter jedoch als unangenehme Überraschung.

"Welchen Sinn macht das bitte? Wir wollen jedenfalls nicht zu früh aufgeben und sind immer offen dafür, wenn sich eine Gelegenheit ergibt", sagte Lee van Dam vom Promoter LDP International gegenüber Autosport, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network, während er auch Potenzial in einer möglichen Rotation mit Hockenheim sieht.

Die Realität ist jedoch, dass eine Rückkehr des Großen Preises von Deutschland durchaus im Bereich des Möglichen liegt, während eine weitere Ausgabe des Großen Preises der Niederlande eine vage Hoffnung bleibt.

Das tut dem Erbe von Zandvoort keinen Abbruch: Eine Old-School-Rennstrecke, die laut Formula One Management in mehreren Bereichen die Messlatte höher gelegt hat und auf denkwürdige Ausgaben zurückblicken kann.

Und so steht nur noch eine letzte Runde von dem bevor, was Horner so treffend beschrieb: Formel-1-Action in einem Nachtclub.