Mit Digitalisierung: So kämpfen Kleinseilbahnen ums Überleben
Fast jede zweite Kleinseilbahn der Schweiz hat finanzielle Probleme. Wie zwei von ihnen überleben. 22.08.2026, 17:29 Teilen ...
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Fast jede zweite Kleinseilbahn der Schweiz hat finanzielle Probleme. Wie zwei von ihnen überleben.
22.08.2026, 17:29
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Sie gehören in den Kantonen Uri, Nidwalden und Obwalden genauso zur Landschaft wie auch zum Alltag. Doch ihre Zukunft ist alles andere als gesichert. Das Radio und Fernsehen der Westschweiz (RTS) hat zwei Kleinseilbahnen und ihre Strategien unter die Lupe genommen.
Dallenwil – Wiesenberg
Im Kanton Nidwalden, genauer in Wiesenberg, einem kleinen Weiler über dem Dallenwiler Tal, ist die Kleinseilbahn mit zwei Kabinen und je vier Plätzen keine Touristenattraktion, sondern ein unentbehrliches Transportmittel.
«Sie transportiert immer die Post, die Kinder, ältere Menschen, und wenn im Winter die Strassen verschneit sind, wird sie noch wichtiger», erklärt Janine Gisler, Verwaltungsratsmitglied der Seilbahngenossenschaft Dallenwil – Wiesenberg.
Der Audiobericht zu den beiden Seilbahnen von RTS:
Seit zwei Jahren können die Einwohnerinnen und Einwohner die Seilbahn im Selbstbedienungsbetrieb nutzen. Eine App ermöglicht es, die Kabine direkt über das Smartphone zu rufen. «Wir können die Linie so rund um die Uhr betreiben und gleichzeitig Personalkosten senken», so Adrian Niederberger. Er ist Präsident der Seilbahngenossenschaft.
«Am Anfang mussten wir die Bewohnerinnen und Bewohner intensiv begleiten. Jetzt nutzen sie das System ganz natürlich», so Niederberger weiter. Fast 80 Prozent der Fahrten werden mittlerweile selbstständig durchgeführt.
Die Modernisierung kostete 1.2 Millionen Franken. «Ohne Unterstützung des Kantons und die zahlreichen Privatspenden wäre es praktisch unmöglich gewesen, dies zu finanzieren», betont Niederberger. Da die Linie als öffentlicher Verkehr gilt, profitiert sie von kantonaler Unterstützung. Trotzdem bleibt das wirtschaftliche Gleichgewicht prekär.
Dallenwil – Wiesenberg (l.) und Emmetten – Niederbauen (r.)
Auch nach diesem Modernisierungsschritt beruht die Infrastruktur teilweise noch auf Elementen aus den 1930er-Jahren. «Unser Ziel ist es, ihr noch 20 oder 30 Jahre Lebenszeit zu geben», so der Präsident.
Niederbauen
Rund 30 Kilometer entfernt, in Emmetten, sieht die Realität anders aus. Die Seilbahn Niederbauen befördert jährlich über 90'000 Personen, hauptsächlich zu touristischen Zwecken. In sechs Minuten erreicht man den Gipfel und damit einen Panoramablick auf den Vierwaldstättersee.
Die erste Seilbahn wurde 1913 erbaut, damals zum Transport von landwirtschaftlichem Material. 1934 wurde sie elektrifiziert. Sie entwickelte sich langsam zum Tourismusmagnet, ehe sie 1974 in ihrer heutigen Ausstattung vollständig neu gebaut wurde. Die letzte Modernisierung fand 2013 statt.
Hier besteht die Herausforderung nicht im Mangel an Passagieren – sondern darin, wie die Massen bewältigt werden können. Mit nur zwei Kabinen und jeweils acht Plätzen kann es an Spitzentagen im Sommer zu über zwei Stunden Wartezeit kommen.
Die Lösung? Ein Reservierungssystem mit Zeitfenstern. Im Voraus wählt man Auf- und Abfahrtszeit, was wiederum die Anschlüsse an die übrigen Transportmittel der Region verbessert.
Solidarität untereinander
Box aufklappen Box zuklappen
Der touristische Erfolg von Niederbauen kommt auch kleineren Anlagen zugute. In den Kantonen Uri, Obwalden und Nidwalden sind mehrere Seilbahnen zu einem Verein zusammengeschlossen.
Das Prinzip ist einfach: Vielbesuchte Anlagen tragen zur Sichtbarkeit und zum Erhalt anderer bei, die nur von wenigen Bergfamilien oder landwirtschaftlichen Betrieben genutzt werden. Das ergänzt die Unterstützung, die die Anlagen von Bund und Kantonen erhalten.
RTS Ici la Suisse, 18.8.2026, 6:50 Uhr; wilh