Tour de France Femmes: Mit Vollering gewinnt am Ende die Stärkste
Es ist vollbracht: Nach neun heißen Renntagen steht die Siegerin der <span lang="fr">Tour de France Femmes</span> fest. Mit Demi Vollering gewann die Stärkste, doch lange war es ein Dreikampf um das Gelbe Trikot. Mit deutscher Beteiligung.
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Tourreporterin
Stand: 09.08.2026 • 22:14 Uhr
Es ist vollbracht: Nach neun heißen Renntagen steht die Siegerin der Tour de France Femmes fest. Mit Demi Vollering gewann die Stärkste, doch lange war es ein Dreikampf um das Gelbe Trikot. Mit deutscher Beteiligung.
Gerade als sich die Fahrerinnen auf die letzte Runde hoch auf den Col d’Eze machten, braute sich über Nizza ein gehöriger Sturm zusammen. Ist man aber ehrlich, hingen schon am Start der neunten und letzten Etappe dunkle Wolken über dem Peloton. Genauer genommen über zwei Teams, FDJ-United Suez und Canyon//Sram. Denn noch immer bestimmte die Diskussion um Célia Gerys Verhalten am Vortag das Geschehen.
Was war passiert? Kasia Niewiadoma, bis dato in Gelb, warf im Ziel am Samstag (0808.2026) der Teamkollegin ihrer ärgsten Konkurrentin Demi Vollering vor, sie kurz vor dem Ziel in eine Barriere gedrängt zu haben. Eine Aktion, die sie das Gelbe Trikot gekostet habe. An diesem Tag mag das der Fall gewesen sein, doch ist man ehrlich, war Vollering auf den letzten beiden Etappen einfach die Stärkste. Und damit die erste Fahrerin seit der Wiedereinführung der Tour de France Femmes, der es gelingt, zum zweiten Mal den Gesamtsieg zu holen.
Vollering will mit Toursieg inspirieren
Mit einer unwiderstehlichen Attacke 16 Kilometer vor dem Ziel legte Vollering nicht nur den Grundstein für ihren diesjährigen Toursieg, sie krönte damit auch den finalen Tag als Etappen-Erste. Aus acht Sekunden am Start wurde so am Ende in der Gesamtwertung ein Vorsprung von mehr als einer Minute. Bei der Siegerehrung konnte die 29-Jährige sodann ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. "Verfolge deine Träume, du wirst es schaffen", war vor Augen ihres Teams inklusive einer gerührten Franziska Koch ihre Botschaft an das Publikum.
Etwas gefasster und mit Süßigkeiten in der Hand erklärte sie in der Mixed Zone, was sie damit ausdrücken wollte. "Ich hoffe wirklich, dass viele junge Mädchen und Jungen jetzt aufs Fahrrad steigen und sich inspiriert fühlen. Dass sie es wagen, große Träume zu haben und diese großen Träume zu verfolgen", so Vollering, die häufig offen über die mentale Seite des Sports spricht. Deshalb fügte sie hinzu: "Es geht nicht nur darum, aufs Fahrrad zu steigen. Es ist so wichtig für unseren Körper und auch für unsere psychische Gesundheit, uns zu bewegen, und ja, auch diese Träume zu verwirklichen."
Edelhelferin Franziska Koch
Dieser zweite Toursieg sei aber auch so besonders, weil er eine echte Teamleistung gewesen sei, wie sie immer wieder betonte. Zu sehr beschäftigen sie wahrscheinlich immer noch die Erinnerungen an 2024, als sie als Kapitänin des Teams SD Worx stürzte und keine ihrer Teamkolleginnen auf sie wartete. Sie habe die vergangenen neun Tage deshalb sehr genossen. "Die gesamte Vorbereitung war so gut. Da habe ich zu mir gesagt, was auch immer passieren wird, ich bin schon jetzt so stolz darauf, wie wir als gesamtes Team auf dieses Ziel hingearbeitet haben."
Teil dieses Teams ist bekannterweise auch Franziska Koch. Selbst Paris-Roubaix-Siegerin, stellte sie ihre eigenen Ziele und Träume hinten an - alles für das Gelbe Trikot. "Es ist eine große Ehre, hier dabei zu sein und alles gegeben zu haben für Demi", so die Deutsche am Sportschau-Mikrofon nach dem Rennen: "Wir kamen mit so großen Zielen hierher und sind auch eine Gruppe, die nicht nur auf dem Fahrrad, sondern auch in der Freizeit viel Zeit miteinander verbringen." Sie selbst hatte zu Beginn der Tour aufgrund der großen Hitze Schwierigkeiten, zeigte aber zum Ende des Rennens ihre gewohnte Stärke.
Niewiadoma bereut nichts
Trotz all des Aufruhrs am vorigen Tag wurde sich auf der Bühne dann aber wieder umarmt. Wie Niewiadoma in der Mixed Zone erzählte, klärten sie und Vollering die Angelegenheit vom Vortag noch während des Rennens. Auch, wenn es sich am Morgen noch anders angehört hatte. Da warfen sie sich noch mangelndes Fairplay vor. Nun aber scheint Frieden zu herrschen. "Was auch immer im Rennen passiert, sollte vielleicht uns Fahrern überlassen bleiben, das zu klären, und die Medien sollten darüber einfach schweigen", so Niewiadomas Kehrtwende zu diesem Thema.
Über ihren zweiten Platz im Gesamtklassement sprach die Polin dagegen lieber. Sie sei keineswegs enttäuscht, obwohl das Gelbe Trikot von ihrem deutschen Team Canyon//Sram als das große Ziel ausgegeben wurde. "Ich weiß, dass ich und das Team unser Bestes gegeben haben. Wenn man nichts zu bereuen hat, warum sollte man dann nicht glücklich sein?", fragte sie die anwesenden Medien. Rhetorisch natürlich. "Ich werde aber nicht so einfach aufgeben und mich mit dem zweiten Platz zufriedengeben. Der ständige Kampf um die Spitze bringt uns dazu, größere Träume zu haben."
Niedermaier mit großen Zukunftsambitionen
Kein Anzeichen von Enttäuschung zeigte auch Niewiadomas Teamkollegin Antonia Niedermaier im Sportschau-Interview. Vollering sei einfach zu stark gewesen. "Wir haben heute wirklich alles gegeben. Am Ende war Demi einfach stärker, wirklich superstark, und hat es bestimmt auch verdient, dass sie gewonnen hat. Das muss man auch einfach mal hinnehmen", so die deutsche Fahrerin, die mit Niewiadoma in einer Doppelspitze agierte und nach ihrem zweiten Platz beim Giro d’Italia mit Platz vier bei der Tour mit nur 51 Sekunden hinter einem Podiumsplatz die nächste starke Leistung zeigte.
Kein Wunder also, dass Niedermaier als der nächste große Star im deutschen Radsport gilt. Das Weiße Trikot der besten Nachwuchsfahrerin ist bis dahin schon einmal ein guter Zwischenschritt. "Es ist natürlich immer super schön, wenn man etwas mit Heim nehmen kann. Aber natürlich will man in der Zukunft auch noch aufs Podium oder irgendeine andere Trikot-Farbe tragen. Aber das kommt mit der Zeit." Zumindest schrieb Niedermaier bei dieser Tour-Ausgabe deutsche Geschichte, denn sie ist die Erste, die am Ende ein Wertungstrikot auf den Schultern tragen darf.
Drama um Reusser
Bis zum Schluss war der Kampf um das Gelbe Trikot ein Dreikampf zwischen eben Vollering, Niewiadoma und Marlen Reusser. Für die Schweizerin endete die Tour jedoch dramatisch beziehungsweise endete sie wie sie begonnen hatte - mit einem Sturz. Drei Tage trug Reusser das Gelbe Trikot, nun fiel sie von Rang drei auf den 14. zurück. Im Ziel angekommen, mit einem Rückstand von mehr als 24 Minuten, weinte sie bitterliche Tränen.
Ihre Teamkollegin Liane Lippert, die quasi als Edelhelferin für ihre Kapitänin fungierte, war im Interview im Zielbereich sichtlich enttäuscht. "Ich denke, wir haben alles gegeben", so die Deutsche. "Wir haben uns alle auch zurückgenommen fürs Gesamtklassement und im Endeffekt haben wir leider alles verloren. Was schade ist, aber ich bin stolz auf unser Team."
Das ist der gemeinsame Nenner, den alle haben: Stolz, die neun Tage, in welcher Form auch immer, hinter sich gebracht zu haben. Übrigens kam, gerade als Demi Vollering die Ziellinie überquerte, auch wieder die Sonne heraus. Die dunklen Wolken verschwanden.