"Spielen wir 25 Mal gegen Wolfsburg, verlieren wir 24 Mal"

Ex-Profi und TV-Experte Torsten Mattuschka spricht im Interview über die bisherige Saison der VSG Altglienicke, das schwere Pokal-Los gegen Wolfsburg, die schnelle Rückkehr von Fabian Reese nach Berlin und was er all seinen Herzensklubs im DFB-Pokal zutraut.

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"Spielen wir 25 Mal gegen Wolfsburg, verlieren wir 24 Mal"

Interview Altglienicke-Sportchef Mattuschka

“Spielen wir 25 Mal gegen Wolfsburg, verlieren wir 24 Mal”

Torsten Mattuschka, Sportlicher Leiter bei der VSG Altglienicke. (Foto: IMAGO / DeFodi Images)
Torsten Mattuschka, Sportlicher Leiter bei der VSG Altglienicke. (Foto: IMAGO / DeFodi Images)

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Die 1. Runde des DFB-Pokals steht an - und Torsten Mattuschka ist mittendrin. Der Sportliche Leiter der VSG Altglienicke empfängt am Montag den VfL Wolfsburg in Berlin. Emotional blickt der Ex-Profi und TV-Experte aber natürlich auch auf die Spiele von Union Berlin, Energie Cottbus und den VfB Krieschow.

Im Interview mit rbb|24 spricht Mattuschka über die bisherige Saison von Altglienicke, das schwere Los gegen Wolfsburg, die schnelle Rückkehr von Fabian Reese nach Berlin und was er all seinen Herzensklubs im Pokal zutraut.

rbb|24: Herr Mattuschka, am kommenden Montagabend (18 Uhr) wartet ein echter Höhepunkt auf Ihre VSG Altglienicke. Sie begrüßen in der 1. Runde des DFB-Pokals den VfL Wolfsburg in Berlin. Was geht in Ihnen hervor, wenn Sie an die Begegnung mit diesem gefühlten Erstligisten denken?

Torsten Mattuschka: Natürlich Vorfreude, bei mir und allen anderen im Verein. Es ist für uns als VSG Altglienicke ein ganz besonderes Spiel. Wir bereiten uns sportlich darauf vor, aber auch rundherum. Es gibt ja ein paar Auflagen vom DFB, die administrativ nicht ohne und viel Neuland für unsere Leute sind. Wir wollen am Montag einen coolen Tag verbringen, unabhängig vom Ergebnis.

rbb|24: Es ist erst die zweite Teilnahme der VSG am DFB-Pokal jemals. 2020 verlief das Debüt mit einer 0:6-Klatsche gegen den 1. FC Köln eher durchwachsen. Sind Sie zuversichtlich, dass es nun gegen Wolfsburg anders laufen wird? Und wenn ja, warum?

Mattuschka: Natürlich wollen wir ein anderes Ergebnis erzielen und das Spiel so lange wie möglich offen gestalten. Wir wissen aber auch: spielen wir 25 Mal gegen Wolfsburg, verlieren wir 24 Mal. Die Jungs sollen sich dem sportlichen Wettkampf gegen gestandene Zweit- und Erstligaspieler stellen, dann schauen wir mal, was passiert. Damals gegen Köln mussten wir ja auch in Köln spielen, da wir als VSG die Corona-Auflagen nicht erfüllen konnten. Damals tauschten ja sämtliche Amateurklubs das Heimrecht im Pokal ein. Deshalb glaube und hoffe ich, dass es dieses Mal kein 0:6 wird.

rbb|24: Das Spiel gegen Wolfsburg findet ausgerechnet im Amateurstadion von Hertha BSC statt. Ausgerechnet, da es somit die schnelle Rückkehr von Ex-Herthaner Fabian Reese nach Berlin und aufs Olympiagelände sein wird. Wie bewerten Sie mittlerweile seinen aufsehenerregenden Wechsel von der "alten Dame" nach Wolfsburg?

Mattuschka: Ich habe bereits vor Wochen gesagt: man kennt immer nur eine Seite. Fabian hat es selbst durchklingen lassen, was ich vermutet hatte. Hertha brauchte das Geld und brauchte zum einen diese Ablösesumme und zum anderen musste der Klub sein Gehalt einsparen. Dann musste Fabian einen anderen Weg finden. Klar, man kann sagen: ausgerechnet Wolfsburg! Aber es ist ja die Frage, welche Anfragen Fabian hatte und wer überhaupt diese Ablöse zahlen konnte.

Ich kann die Hertha-Fans natürlich ein Stück weit verstehen, aber man muss beide Seiten anhören und nicht nur in schwarz-weiß denken. Nun muss sich Fabian der Aufgabe am Montag stellen, es könnten ja ein paar Hertha-Fans zum Spiel kommen. Aber spätestens, wenn Hertha und Wolfsburg in der Liga aufeinandertreffen, muss er seinen Mann stehen.

rbb|24: Zurück zu Altglienicke. Die VSG hat den Aufstieg in die 3. Liga als klares Ziel formuliert und dementsprechend in den Kader investiert. Nach fünf Spielen steht der Klub mit elf Punkten nur zwei Zähler hinter Rang eins der Regionalliga Nordost. Sind Sie mit dem Saisonstart zufrieden?

Mattuschka: Der Aufstieg ist natürlich ein Traum, aber kein unbedingtes Muss. Dafür haben wir eine ganz coole Mannschaft zusammengestellt. Der Saisonstart ist in meinen Augen sehr gut gelungen. Wir hatten mit unter anderem drei Auswärtsspielen zu Beginn einen schweren Saisonstart und sind noch ungeschlagen. Wir hoffen, dass wir diese Serie so lange wie möglich ausbauen können, eine coole Saison spielen und uns im Vergleich zum letztjährigen Tabellenplatz sechs verbessern. Mal sehen, wie es sich über die komplette Saison entwickelt.

rbb|24: Vor allem die Verpflichtungen von John Anthony Brooks und Tolga Cigerci hatten für Aufsehen gesorgt. Beide Spieler konnten bislang aufgrund von körperlichen Problemen allerdings kaum bis gar nicht eingreifen. Ist man da als Verantwortlicher etwas enttäuscht oder war das eingepreist?

Mattuschka: Natürlich war uns die Historie der Spieler bewusst, besonders bei Jay [Brooks, Anm. d. Red.], der eineinhalb Jahre nur sehr wenig Fußball spielen konnte. Wir werden alles dafür tun, dass die Beiden uns möglichst oft zur Verfügung stehen werden. Fakt ist: Wenn die Beiden fit sind und bleiben, werden sie unserer Mannschaft einen Mehrwert geben. Dafür müssen sie sich aber auch erstmal in die Mannschaft spielen, die quasi ohne sie elf Punkte in fünf Spielen geholt hat.

Konkurrenz belebt das Geschäft, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Bei Union hat mir Uwe Neuhaus [damaliger Trainer, Anm. d. Red.] auch jedes Jahr einen Neuen vor die Nase gesetzt. Wir werden nicht nach Namen aufstellen, es gibt keine Einsatzgarantie und es herrscht das Leistungsprinzip. Kommen die Beiden auf Level, haben sie natürlich das Potenzial, Startelfspieler zu sein. Jay hat gegen Aue bereits gezeigt, was er dieser Mannschaft mit seiner Ausstrahlung, Ruhe am Ball und Kopfballstärke geben kann.

Tolga Cigerci und John Anthony Brooks beim Training in Altglienicke | Bild: IMAGO/Matthias Koch
Tolga Cigerci und John Anthony Brooks beim Training in Altglienicke | Bild: IMAGO/Matthias Koch

rbb|24: In der 1. Runde des DFB-Pokals finden weitere Partien statt, die Ihnen etwas bedeuten dürften. Was trauen Sie Ihrem Ex-Klub Energie Cottbus gegen Erstligist Augsburg (Samstag, 13 Uhr) zu?

Mattuschka: Natürlich ist Augsburg der Favorit. Vielleicht kann Cottbus ihnen ein Bein stellen. Im Stadion der Freundschaft ist es für das Auswärtsteam schon eklig. Im Pokal ist alles möglich und an einem guten Tag kann Cottbus gegen Augsburg gewinnen. Stand jetzt würde ich die Chancen für Energie auf 30/70 einschätzen. Ich drücke natürlich die Daumen!

rbb|24: Sie haben ebenfalls eine enge Verbindung zum VfB Krieschow, der in Ihrer Heimatregion verwurzelt ist. Der Oberligist aus der Lausitz trifft am Sonntag (15:30 Uhr) auf den 1. FSV Mainz 05 aus der Bundesliga. Wie groß ist dieses Spiel für diesen Standort? Und wie würden Sie denn die Chancen für Krieschow beziffern?

Mattuschka: Leider liegt die Chance bei null Prozent. Der Unterschied zwischen Oberliga und 1. Liga ist einfach viel zu groß. Auch da wird es darum gehen, einen coolen Tag zu erleben. Zusatztribünen, 4.000 Zuschauer – das ist etwas Riesiges für Krieschow. Ich kenne Andy Hebler [seit 2016 Spieler bei Krieschow, Anm. d. Red.] sehr gut, bin der Patenonkel seines Sohnes. Daher weiß ich, wie groß der Wunsch in Krieschow war, endlich DFB-Pokal im eigenen Stadion zu spielen. Mainz lässt aber nichts anbrennen, deren Trainer Urs Fischer hat Krieschow zweimal beobachten lassen. Vielleicht wird es ja ein enges Spiel, sodass die Fans dieses Fußballfest genießen können. In Krieschow geben alle Gas und haben Bock drauf.

rbb|24: Ihr Herzensklub Union Berlin hat Eintracht Braunschweig (Sonntag, 15:30 Uhr) zugelost bekommen. Die Vorbereitung unter Neu-Trainer Mauro Lustrinelli verlief aufgrund der vielen taktischen Neuerungen und einigen Verletzungen nicht ohne Komplikationen. Könnten die "Eisernen" gegen den Zweitligisten stolpern?

Mattuschka: Klar, die Chance aufs Stolpern besteht. Braunschweig hat in Magdeburg [ein 6:1-Sieg, Anm. d. Red.] gezeigt, dass sie es mögen, tief zu stehen und umzuschalten. Das kann echt eklig für Union werden. Ist Union bei 100 Prozent, werden sie das Spiel gewinnen. Aber: In 90 bis 120 Minuten in Braunschweig ist alles möglich. Das ist ein ekliges Los. Ist Union nicht bei 100 Prozent, werden sie ihr blaues Wunder erleben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview wurde für die Online-Fassung gekürzt und redigiert.

Sendung: rbb|24, 21.08.2026, 14:09 Uhr

Audio: rbb|24, 21.08.2026, Marc Schwitzky im Gespräch mit Torsten Mattuschka

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