Supercup: BVB gegen FC Bayern - Augenhöhe (bisher) nicht in Sicht
Im Franz Beckenbauer Supercup kommt es zum ersten Kräftemessen der beiden Bundesliga-Großmächte Borussia Dortmund und Bayern München. Die Verhältnisse scheinen aber eindeutig zu bleiben.
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Stand: 20.08.2026 • 22:50 Uhr
Im Franz Beckenbauer Supercup kommt es zum ersten Kräftemessen der beiden Bundesliga-Großmächte Borussia Dortmund und Bayern München. Die Verhältnisse scheinen aber eindeutig zu bleiben.
Es fehlte nicht viel, um eine historische Saison zu spielen, die es so in der Geschichte des deutschen Fußballs erst zweimal gegeben hatte. Nach 2012/13 und 2019/20 war der FC Bayern München auf dem besten Weg zum Triple aus Deutscher Meisterschaft, DFB-Pokal und Sieg in der Champions League - in der Königsklasse scheiterte das Team von Trainer Vincent Kompany aber im Halbfinale dramatisch und knapp am späteren Champion Paris St. Germain (insgesamt 5:6).
München mit Nadelstichen auf dem Transfermarkt
Wer so außergewöhnlich erfolgreich ist, hat nicht viel Handlungsbedarf, das spiegelt sich auch im Transfersommer des deutschen Rekordmeisters wider. Sportvorstand Max Eberl hat die Mannschaft nur punktuell verstärkt, wobei die Neuzugänge Nathaniel Brown (Eintracht Frankfurt) und Ismael Saibari (PSV Eindhoven), die jeweils 50 Millionen Euro gekostet haben sollen, direkt aus einem der höchsten Regale kommen und den Kader wohl noch besser machen.
Für 50 Millionen Euro gekommen: Ismael Saibari ist einer von zwei echten Neuzugängen des FC Bayern
Denn trotz vieler Gerüchte um seine Stars hat der FC Bayern die wichtigsten Spieler halten können. Michael Olise ist nicht zu Real Madrid gewechselt, Harry Kane nicht zum FC Barcelona, sondern er wird stattdessen wohl bald seinen Vertrag verlängern, und Luis Diaz machte auch nicht den Abflug. München verlassen haben nur Spieler, die dies ohnehin machen sollten, nun steht nach übereinstimmenden Medienberichten mit Joao Palhinha ein weiterer dieser Profis vor dem Abschied Richtung Benfica Lissabon.
Auch ohne Musiala scheint der FC Bayern unaufhaltsam
Angesichts dieser Personalentscheidungen braucht es entweder viel Phantasie oder einen enormen Leistungssprung bei der Konkurrenz, um dem FC Bayern auf nationaler Ebene gefährlich zu werden - da ändert auch das Drama um Jamal Musiala, der wegen einer neurologischen Dysfunktion Absencen erlebt, nichts. Bei dieser Suche nach einem ernstzunehmenden Konkurrenten fällt als Erstes meist Borussia Dortmund. Und der BVB wird auch der erste Pflichtspielgegner der Münchner.
Im Franz Beckenbauer Supercup kommt es am Samstagabend (20.30 Uhr) zum Duell der beiden deutschen Schwergewichte - wobei die Frage ist, inwieweit Dortmund nach 16 Punkten Rückstand in der vergangenen Bundesligasaison an Gewicht zugelegt hat, um den Bayern wirklich gefährlich zu werden. In diesem Spiel, vor allem aber während des gesamten Jahres. So viel vorweg: Auf den ersten Blick hat sich an den Verhältnissen nicht viel getan, was Mut auf langfristig mehr Spannung macht.
BVB holt viel Talent und gibt wenig Klasse ab
Der BVB hat offenbar sogar etwas mehr Geld ausgegeben, allerdings für Spieler, die deutlich mehr Ungewissheit mit sich bringen als die bei der WM sehr auffälligen Brown und Saibari. Mit Konstantinos Karetsas (KRC Genk) und Giannis Konstantelias (PAOK Saloniki) hat Manager Ole Book zwei sehr vielversprechende Offensivspieler aus Griechenland verpflichtet, Kaua Prates (Cruzeiro Belo Horizonte) und Joane Gadou (Red Bull Salzburg) sind Talente für die Defensive.
Konstantinos Karetsas soll dem BVB in der Zukunft viel Freude bereiten
Wie gut diese jungen Spieler in einer neuen Mannschaft, einer neuen Liga und einem neuen Land adhoc funktionieren können, ist vollkommen unklar. Eine Eingewöhnungsphase muss man eigentlich vor allem den jungen Spielern zugestehen, aber hat der BVB die Zeit? Eine sofortige Verstärkung soll auf jeden Fall Joey Veerman (PSV Einhoven) sein, aber im zentralen Mittelfeld ist Dortmund unter anderem mit Felix Nmecha und Jobe Bellingham ohnehin schon sehr stark besetzt.
Wie sehr die neuen Spieler den BVB besser machen, ist also offen, aber es ist schwer vorstellbar, dass sie die Borussen so gut machen, dass sie zur Gefahr für den FC Bayern über eine gesamte Saison werden. Immerhin war der Aderlass in diesem Sommer aber sehr gering, mit Karim Adeyemi (FC Barcelona), Yan Couto (Como 1907) und Julian Brandt (Ajax Amsterdam) sind nur drei Spieler gegangen, die in der vergangenen Saison regelmäßig gespielt haben.
BVB blickt dem ersten Bayern-Duell positiv entgegen
"Es ist nicht der große Umbruch, den vielleicht viele zu verschiedenen Zeiten mal befürchtet hatten. Wir haben sehr, sehr viele Leistungsträger und Topspieler behalten, dazu haben wir einige spannende Neuzugänge geholt", sagte Book. Dieser Optimismus zieht sich auch durch den Verein, deswegen geht der BVB auch mutig in das erste Kräftemessen mit dem Doublesieger.
"Es ist nicht die deutsche Meisterschaft, nicht der DFB-Pokal oder die Champions League - aber es ist ein Titel. Ich möchte hier im Stadion nicht sehen, wie die Bayern einen Titel feiern", sagte Sport-Geschäftsführer Lars Ricken vor dem Supercup in Dortmund. Und Trainer Niko Kovac meinte: "Wir sind Leistungssportler - und Leistungssportler kämpfen immer um Titel. Wer an diesem Spiel teilnimmt, will es auch gewinnen. Ich erwarte ein heißes Duell." Bei dem der FC Bayern auf Dauer aber nicht zu schlagen sein dürfte.