"Das ist sehr hart. Deshalb leiden wir."

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,es gibt eine Rechenart, die in keiner Schule gelehrt wird, aber über Leben und Tod entscheidet. Sie geht so: Man nehme 15 Kilogramm Hirse, etwas Salz, anderthalb Liter ...

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"Das ist sehr hart. Deshalb leiden wir."

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt eine Rechenart, die in keiner Schule gelehrt wird, aber über Leben und Tod entscheidet. Sie geht so: Man nehme 15 Kilogramm Hirse, etwas Salz, anderthalb Liter Öl, ein Kilogramm Linsen – die Monatsration eines Menschen im Flüchtlingslager Wedweil, rund 150 Kilometer nördlich von Wau im Südsudan. Dann halbiere man das Ganze. Nicht aus Bosheit, versteht sich, sondern per Beschluss ferner Haushaltsausschüsse. Das Ergebnis nennt man in der Sprache westlicher Geberländer "Anpassung", in der Sprache der Betroffenen: Hunger.

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Fathna Ibrahim Adam, dreißig Jahre jung, im dritten Monat schwanger, formuliert das Resultat dieser Buchhaltung mit einer Klarheit, die jeden Kommentar überflüssig macht: "Letztes Jahr reichten die Lebensmittel, die wir erhielten, für einen Monat. Aber von der Hälfte kann man nicht leben." Sie ist aus dem sudanesischen Bürgerkrieg in Darfur geflohen, über Khartum bis in ein Zelt im bitterarmen Nachbarland Südsudan, in dem es sich bei 38 Grad Außentemperatur kaum atmen lässt. Ihr Mann Alfaker hat aus Zweigen eine Hütte errichtet, damit die Familie schlafen kann. 50 Cent hat sie am Tag zur Verfügung. "Das ist sehr hart für uns. Deshalb leiden wir." Ein Satz, in dem Ursache und Wirkung so nüchtern zusammenfallen wie in einem Kassenbericht.

Es gehört zur zynischen Ironie unserer Zeit, dass viele Katastrophen nicht durch Grausamkeit verursacht werden, sondern durch Streichung. Eine Menschenrechtsverletzung, die aus einem reduzierten Etat resultiert, kennt keine Täter. Niemand hegt eine böse Absicht, aber alle unterschreiben. Der Südsudan – jüngster Staat der Erde, der vor 15 Jahren seine Unabhängigkeit feierte – ist heute das Land, das von den Kürzungen der internationalen Hilfe am härtesten getroffen wird und sie zugleich am wenigsten verkraften kann. Fast acht Millionen Menschen, rund zwei Drittel der Bevölkerung, sind vom Hunger bedroht. 73.000 befinden sich schon in der höchsten Notstufe fünf, nach der nur noch das Verhungern wartet. In drei Bezirken droht eine offizielle Hungersnot. Soweit die Statistik des Welternährungsprogramms.

Nichts an dieser Lage geschieht einfach so. Die Lebensmittelpreise sind um 20 Prozent hochgeschnellt, auch infolge eines Kriegs im Iran, von dem die Hungernden in Wedweil nie gehört haben. Die Bomben, die Mütter wie Sahida Muktar aus Nyala vertrieben haben, fielen in einem Krieg, den nicht sie zu verantworten hat. Sie floh mit fünf Kindern, das älteste zehn Jahre alt. Ihren Mann, der auf dem Markt arbeitete, hat sie seither nicht wiedergesehen. Im Lager angekommen, fand sie kein freies Zelt mehr vor. "Deshalb bleibt uns nichts anderes übrig, als unter einem Baum zu schlafen", erzählt sie Helfern der Welthungerhilfe. "Nachts ist es kalt. Wir haben nichts zum Zudecken." Andere Flüchtlinge teilen ihr kärgliches Essen mit ihr. Das ist die einzige funktionierende Solidargemeinschaft in dieser Geschichte – und sie besteht ausschließlich aus Menschen, die selbst fast nichts haben.

Bleibt die Frage, die satte Europäer für die entscheidende halten, weil sie sie selbst betrifft: Warum sollte uns das Elend in Afrika kümmern? Die Antwort ist unbequem, weil sie über bloßes Mitleid hinausreicht. Wer glaubt, Elend bleibe geographisch dort, wo es entsteht, hat die Logik globaler Krisen nicht begriffen. Der Krieg im Sudan hat schon fast fünf Millionen Menschen in die Nachbarländer Ägypten, Südsudan, Tschad, Uganda und Äthiopien getrieben. Vertreibung ist jedoch keine lokale Angelegenheit; sie bedeutet Bewegung, und Bewegung endet nicht irgendwo in der Wüste. Europa, das seine Grenzen mit Milliarden befestigt, könnte mit einem Bruchteil dieser Summe die Fluchtgründe dort mindern, wo sie entstehen. Das ist mehr als reine Nächstenliebe. Es ist eine schlichte Kostenrechnung – jene Buchhaltung, die auch die Satten verstehen.

Fathna zum Beispiel will gar nicht nach Europa. "Es geht uns ganz gut hier", sagt sie, "das Einzige, was wirklich herausfordernd ist, ist das fehlende Essen." Eine Solarpumpe bewässert ihren kleinen Gemüsegarten; rund 20 solcher Pumpen versorgen das Lager, die Bargeldhilfe erreicht etwa 14.000 Geflüchtete. Es braucht erstaunlich wenig, damit ein Mensch halbwegs menschenwürdig dort leben kann, wo er bleiben will. Humanitäre Hilfe ist günstiger als die Folgen ihrer Streichung.

Es gibt Katastrophen, die sich nicht abwenden lassen. Das Elend der Hungernden im Südsudan gehört nicht dazu. Es wird in europäischen und amerikanischen Ministerien in Kauf genommen, indem man Posten für Posten aus den Hilfsetats streicht. Es fehlt nicht am Getreide. Es fehlt am Gewissen der Satten.

Zahlen des Tages

Um fünf Milliarden Euro hat Deutschland seine Entwicklungshilfe seit 2024 gekürzt. Die humanitäre Hilfe wurde seit 2022 um mehr als drei Milliarden Euro und damit um fast 70 Prozent reduziert.

Die USA haben ihre Auslandshilfe seit Donald Trumps zweitem Amtsantritt um 36 Milliarden Dollar mehr als halbiert und ihre humanitäre Hilfsorganisation USAID aufgelöst.

Private Spenden bleiben damit für Hunderttausende Menschen in den Hungerregionen Afrikas die einzige Hoffnung. Wer helfen möchte, kann das beispielsweise hier oder hier oder hier tun.

Neue Dimension der Bedrohung

Drohnensichtungen an deutschen Flughäfen sind keine Seltenheit mehr, und sie nehmen stetig zu. Bundesweit wurden an den 15 internationalen Verkehrsflughäfen allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 166 der Flugobjekte gemeldet, wie aus Zahlen der Deutschen Flugsicherung hervorgeht. Die meisten Vorfälle gab es am Berliner Hauptstadtflughafen (28) und am größten deutschen Airport in Frankfurt am Main (27). Der Fund einer Sprengstoff-Drohne in der Nähe eines ukrainischen Frachtflugzeugs auf dem Rollfeld in Leipzig, der seit Dienstagnacht die Terrorermittler in Atem hält, stellt jedoch zweifellos eine neue Dimension der Bedrohung dar. Erste Spekulationen, der ukrainische Transporter könnte Munition geladen haben, wurden inzwischen von der Mitteldeutschen Flughafen AG dementiert.