Studie aus Magdeburg zu Mondstaub: Atemnot auf dem Trabanten
Wie der Mensch im All überleben kann, beschäftigt die Wissenschaft seit der Idee von der Raumfahrt. Und auch wenn inzwischen viel bekannt ist über Missionen im Orbit, wissen wir noch wenig über gesundheitliche Auswirkungen etwa auf dem Mond. In Magdeburg wird genau dazu geforscht. Eine neue Untersuchung hat sich damit befasst, wie der Staub auf der Oberfläche die menschliche Atmung beeinflusst. Und das macht er, vermutlich noch negativer als Feinstaub.
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AUDIO: Studie aus Magdeburg: Wieso die Atmung auf der Mondbasis schwierig werden könnte (1 Min)
Überleben im All
Stand: 13.07.2026 14:03 Uhr
Wie der Mensch im All überleben kann, beschäftigt die Wissenschaft seit der Idee von der Raumfahrt. Und auch wenn inzwischen viel bekannt ist über Missionen im Orbit, wissen wir noch wenig über gesundheitliche Auswirkungen etwa auf dem Mond. In Magdeburg wird genau dazu geforscht. Eine neue Untersuchung hat sich damit befasst, wie der Staub auf der Oberfläche die menschliche Atmung beeinflusst. Und das macht er, vermutlich noch negativer als Feinstaub.
von MDR WISSEN
Die Mission Artemis 2 hat Menschen so weit von der Erde weggebrach, wie noch nie zuvor. Bald schon sollen wieder Astronauten den Fuß auf den Mond setzen. Und vielleicht auch länger dort verbleiben, in einer permanent besetzten Basis auf dem Trabanten.
Das ist nicht nur technisch, logistisch und finanziell eine riesige Herausforderung. Es wirft auch neue medizinische Fragen auf. An diesen wird in Magdeburg geforscht. In einer neuen Untersuchung haben sich ein Team der Otto-von-Guericke-Universität mit den Folgen von Mondstaub für die Lunge befasst.
Mondstaub schon bei der letzten Landung ein Problem
Hinweise, dass die Partikel auf dem Mond nicht nur der Technik zusetzen, gibt es schon länger. Während der Nasa-Mission Apollo 17 im Jahr 1972 berichteten Eugene Cernan und Harrison Schmitt – die bis heute letzten Menschen auf dem Mond – nach Kontakt mit dem Staub von Niesen, tränenden Augen und Halsreizungen. Der Begriff "Mond-Heuschnupfen" war geboren.
Die feinen Partikel auf der Oberfläche unterscheiden sich vom irdischen Staub. Die Körner sind scharfkantiger, besonders grob und enthalten chemische Verbindungen, deren Wirkung auf den menschlichen Körper möglicherweise anders ist als die von Feinstaub auf der Erde, wie er etwa durch den Verkehr oder Holzöfen entsteht.
3-D-Modell bringt neue Erkenntnisse
Um diese Auswirkungen zu untersuchen, nutzten die Forschenden ein künstlich erzeugtes Modell der Atemwege. Dieses besteht aus menschlichen Zellen, die auf einem biologischen Gerüst wachsen und dabei viele Eigenschaften echter Bronchien nachbilden, wie etwa Schleimproduktion und die Bewegung von Flimmerhärchen.
In dieses 3-D-Modell brachten die Wissenschaftler ein Mondstaub-Ersatzmaterial ein – richtiger Mondstaub ist zu selten und daher sein Einsatz in der Forschung streng reglementiert. Die Auswirkungen verglichen sie mit Erkenntnissen aus der Feinstaub-Forschung.
Stärkere Reaktionen als Feinstaub
Die Folgen des Mondstaubs waren erhöhte Schleimbildung, sich weniger bewegende Flimmerhärchen, Abbau von Schutzbarrieren in den Atemwegen und die Ausbildung ungewöhnlicher Proteine.
"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Mondstaub in den Atemwegen andere und teilweise stärkere Reaktionen auslösen kann als Feinstaub von der Erde", sagt Marcus Krüger von der Forschungsabteilung Mikrogravitation und Translationale Regenerative Medizin der Uni Magdeburg. "Das deutet darauf hin, dass Erkenntnisse aus der Feinstaubforschung nicht ohne Weiteres auf die Bedingungen auf dem Mond übertragen werden können."
Grenzwerte für die Mondstaubbelastung gesucht
Krüger und sein Team weisen darauf hin, dass es sich bei der Untersuchung erst einmal um eine Pilotstudie mit einigen Einschränkungen handelt. So untersuchten die Magdeburger die Auswirkungen nur über 72 Stunden, nutzten keinen echten Mondstaub und ihr Modell hatte keine Immunzellen enthalten. Dennoch liefere die Studie wichtige Hinweise für anstehenden Mondmissionen und könnte ein erstes Indiz für Grenzwerte darstellen.
Um diese Grenzwerte dann auf einer irgendwann gebauten Basis einzuhalten, muss der Staub ferngehalten werden. Und das nicht nur vom Menschen, sondern auch von der hochsensiblen Technik. Der Mondstaub könnte einer der größten Gegner für die dauerhafte lunare Station werden.
pm/jar