Schwimmende Photovoltaik: Warum Solaranlagen aufs Wasser ziehen

Nie mit dem Föhn in die Badewanne! Schon als Kinder haben wir gelernt: Strom und Wasser vertragen sich schlecht. Und doch entstehen weltweit gerade megawattweise Anlagen, die sich genau diese Kombination zunutz...

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Schwimmende Photovoltaik: Warum Solaranlagen aufs Wasser ziehen

Nie mit dem Föhn in die Badewanne! Schon als Kinder haben wir gelernt: Strom und Wasser vertragen sich schlecht. Und doch entstehen weltweit gerade megawattweise Anlagen, die sich genau diese Kombination zunutze machen: schwimmende Solarparks.

Der wichtigste Grund, der Betreiber dazu veranlasst, festen Boden zu verlassen: Installationen auf dem Wasser beanspruchen keine wertvollen Flächen an Land. Der Boom großer Photovoltaik-Freiflächenanlagen hat die Pacht von Ackerflächen in die Höhe getrieben und verdrängt zunehmend die Landwirtschaft. Ungenutzte Wasserflächen gibt es hingegen reichlich: Baggerseen, Kiesgruben, Staubecken, Tagebau-Restlöcher. Mehr als 6000 künstliche Seen von mindestens einem Hektar hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) allein in Deutschland ermittelt.

Dieser Text erscheint in der Ausgabe 6/2026 von MIT Technology Review. Darin beschäftigen wir uns mit der Schnittstelle, die immer mehr Macht in unserem Leben bekommen zu scheint: das Chatfenster. Wie uns das prägt, erfahrt ihr im neuen Heft, das ab sofort im Zeitschriftenhandel und im Online-Shop erhältlich ist.

Inhaltsverzeichnis

  • Anlagen für „Floating Photovoltaik“ gehen steil nach oben
  • Wie viel Photovoltaik darf auf die Wasserfläche?
  • Was bei der Installation auf dem Wasser berücksichtigt werden muss
  • So kommen die Module aufs Wasser
  • Weltweit erste PV-Anlage auf dem See mit aufrechten Modulen
  • Geschäftsmodelle für schwimmende Photovoltaik-Anlagen
  • Welche Bedeutung die schwimmenden Photovoltaik-Anlagen künftig haben könnten

Anlagen für „Floating Photovoltaik“ gehen steil nach oben

Derzeit sind hierzulande zwar nur rund 60 Megawatt an „Floating Photovoltaik“ (FPV) installiert – etwa so viel wie eine einzige mittelgroße Freiflächenanlage an Land von etwa 150 Hektar. Aber die Entwicklung geht steil nach oben. Berücksichtigt man alle technischen und rechtlichen Beschränkungen, ließen sich 1,8 bis 2,5 Gigawatt wirtschaftlich nutzen, ergab eine ISE-Studie. Zum Vergleich: In Deutschland sind aktuell knapp 120 Gigawatt PV-Leistung am Netz. Schwimmende Photovoltaik mag angesichts dieser Zahlen auf absehbare Zeit eine Nische bleiben – aber immerhin eine ziemlich große. Besonders hohes Potenzial sieht das ISE in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, gefolgt von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

„China, Indien, aber auch Japan oder Südkorea haben bereits relativ viel installierte Kapazität.“

„In Europa boomen im Moment vor allem die Niederlande und Frankreich“, sagt Konstantin Ilgen, FPV-Experte am ISE. „Jetzt kommt langsam auch Italien.“ Das deutsche Wachstum sei im Vergleich dazu „eher langsam“. Der beste europäische Standort sei aber Finnland, hat ein britisches Forschungsteam 2024 ermittelt. Es soll rund 17 Prozent seines Strombedarfs allein mit FPV decken können.

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Gregor Honsel

Gregor Honsel

Gregor ist seit 2006 Redakteur der MIT Technology Review, vor allem für die Themen Verkehr und Energie. Er glaubt, dass komplexe Probleme meist einfache, aber falsche Lösungen haben. 

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