USA: Streit um von Leihmutter ausgetragenes Kind mit Herzfehler

In den USA ist ein juristischer Streit entbrannt, als das von einer Leihmutter ausgetragene Kind mit einem Herzfehler diagnostiziert wird. Die biologischen Eltern sollen die Leihmutter zur Abtreibung gedrängt haben.

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USA: Streit um von Leihmutter ausgetragenes Kind mit Herzfehler

Nach der Weigerung einer amerikanischen Leihmutter, den Fötus wegen einer Herzerkrankung abzutreiben, haben die biologischen Eltern das Neugeborene jetzt unerwartet angenommen. Wie der Anwalt der Eheleute Nausheen Gilkar und Omar Ahmed, Lee Budner, mitteilte, brachte die Leihmutter McKenna West den Jungen am Mittwochmorgen, zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin, in einem Krankenhaus bei Dallas im Bundesstaat Texas zur Welt. „Seine Eltern sind bei ihm, während er in einer Universitätsklinik medizinisch versorgt wird“, ließ Budner wissen.

Der Jurist verwies auch auf die Entscheidung eines Gerichts in Kalifornien, dem Heimatstaat seiner Mandanten, der Leihmutter per einstweiliger Verfügung den Kontakt zu dem Neugeborenen zu verbieten. „McKenna Wests grundlose Versuche, Einfluss auf die medizinische Versorgung des Kindes zu nehmen, wurde von den Gerichten auf ganzer Linie zurückgewiesen“, sagte Budner der „Texas Tribune“. Während sich seine Mandanten um das Wohlergehen des Neugeborenen kümmerten, ließen die Leihmutter und die texanische Justiz das Familiendrama zu einem „Polittheater“ eskalieren.

Die Auseinandersetzung zwischen der Leihmutter und den sogenannten „intended parents“ begann im vergangenen April. Als sich bei einer Vorsorgeuntersuchung herausstellte, dass der Fötus an einem hypoplastischen Linksherz-Syndrom (HLHS), einer Unterentwicklung von linker Herzkammer und Gefäßen, litt, sollen Gilkar und Ahmed die Leihmutter zu einer Abtreibung gedrängt haben. Sie beriefen sich angeblich auf eine Klausel des Leihmuttervertrags, der bei „fötaler Anomalie“ einen Abbruch vorsieht.

Der Bruder der Leihmutter habe angeboten, das Kind zu adoptieren

West, eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern aus Alaska, stimmte dem Abbruch der Schwangerschaft in der 20. Woche anfangs angeblich zu. „Ohne Rücksprache änderte sie aber schließlich ihre Meinung, brach den Kontakt zu den Eltern ab und zog bei den Ärzten alle Einverständniserklärungen zurück, Gilkar und Ahmed über Untersuchungen zu unterrichten“, trug der Anwalt der Kalifornier bei Gericht vor. Zudem verwies der Jurist auf die Forschung zu neurologischen Komplikationen durch HLHS, deren Folgen nicht heilbar seien und lebenslange Behandlung erforderten.

Der Anwalt der Leihmutter, Lincoln Wilson, sagte der „Texas Tribune“ dagegen, ihr Bruder habe angeboten, das Neugeborene zu adoptieren, um ihr eine Abtreibung zu ersparen. „Sie bekam Angst, weil sie gedrängt wurde, etwas mit dem Kind in ihrem Bauch zu tun, das ihren Werten widersprach. Sie konnte sich nicht vorstellen, das Kind zu töten“, ließ der Jurist wissen. Wie bekannt wurde, wird die Leihmutter inzwischen durch Live Action unterstützt, eine Organisation, die gegen das Recht auf Abtreibung kämpft. Vor einigen Monaten entschied sich West, von Alaska nach Texas zu ziehen. Die Gesetze des Südstaats erkennen unter Umständen auch Leihmütter als juristische Mütter an.

Die juristischen Auseinandersetzungen setzen sich fort

Vor einigen Tagen schaltete sich der Generalstaatsanwalt von Texas, Ken Paxton, in den in amerikanischen Medien als „Leihmutterdrama“ beschriebenen Fall ein. Per Eilanordnung verfügte der Republikaner die medizinische Versorgung des Neugeborenen durch das Southwestern Medical Center in Dallas. „Jedes Kind in unserem Bundesstaat verdient Schutz und medizinische Versorgung“, teilte Paxton mit. Ein texanisches Gericht entschied gleichzeitig, dass nicht West als Leihmutter, sondern Gilkar und Ahmed als „intended parents“ das Recht zukomme, Entscheidungen zu medizinischen Eingriffen zu treffen.

Die juristischen Auseinandersetzungen setzen sich aber fort. Wie Wests Anwalt Wilson sagte, plane die Leihmutter, das Sorgerecht für „Baby Gabriel“, wie sie das Neugeborene nennt, zu beantragen. Die Entscheidung eines kalifornischen Gerichts, den biologischen Eltern das Sorgerecht zu überlassen, sei aufzuheben, da seine Mandantin in Texas entbunden habe. „Falls nötig, tragen wir den Fall bis zum Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten“, teilte der Anwalt der Leihmutter mit.

Die biologischen Eltern, die das Kind „Rumi“ nennen, sollen derweil an seinem Bett im Kinderkrankenhaus in Dallas sitzen. „Sie konzentrieren sich darauf, dass es die lebensnotwendige medizinische Versorgung bekommt. Als seine Eltern versuchen sie, jeden wertvollen Augenblick mit ihm zu verbringen“, teilte ihr Anwalt mit. Für die übernächste Woche ist eine weitere Anhörung vor Gericht in Texas geplant. Ob das Neugeborene die erste von mindestens drei Herzoperationen bis dahin schon hinter sich hat, bleibt offen.