Stadt schlägt Alarm: In Wien brennen bereits die Müllautos
Schon mehr als einmal pro Monat kommt es in Müllwägen der MA 48 zu gefährlichen Brandsituationen – schuld sind vor allem Fehlwürfe durch Lithiumbatterien. Die Stadt Wien sorgt sich um die Sicherheit der Mitarbeiter.
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Die pechschwarze Rauchsäule ragte kilometerweit in den Himmel, in der Donaustadt machte sich beißender Gestank breit: Anfang Juli sorgte ein Großbrand in der Stadlauer Müllhalle der Energie AG nicht nur für einen Großeinsatz der Feuerwehr, sondern auch für millionenschweren Schaden. Denn außer der abgebrannten Halle mussten die umliegende Verkehrsadern – Südost-Tangente, U2 und ÖBB-Bahnstrecke – aus Sicherheitsgründen stundenlang gesperrt werden. Dabei war der Auslöser vergleichsweise winzig klein: Denn die Ermittler gehen von einem nicht ordnungsgemäß entsorgten Lithium-Ionen-Akku als Brandquelle aus.
Das spektakuläre Feuer zeigte freilich, dass das Problem mit Akku-Fehlwürfen – das seit Jahren schon bei großen Recycling-Betrieben am Land ein sprichwörtlich heißes Thema ist – längst auch Wien erreicht hat. Das belegen nun auch Daten, die dem KURIER vorliegen und entsprechend Besorgnis erregen dürften. Denn die regelrechte Flut an verbauten Akkus – von Handys über Zahnbürsten und E-Zigaretten bis hin zu Spielzeug – sorgt bereits im normalen Hausmüll für ärgste Probleme.
Schon neun Brände heuer
Laut einer Sprecherin der Wiener Abfallwirtschaft (MA 48) habe es heuer im Zuge der Tonnen-Entleerung bereits neun Vorfälle mit Bränden respektive Rauchentwicklung in Müllwagen gegeben. Das ist nicht nur ein enormer Anstieg gegenüber dem Vorjahr (gesamt drei Vorfälle), es bedeutet auch, dass es bei der Wiener Müllabfuhr ein- bis zweimal pro Monat wegen eines Akkus brennt.
Das Ganze ist insofern heikel, als die Mitarbeiter der „48er“ nicht erkennen können, ob sich gefährlicher Elektroschrott in den Tonnen befindet – sich dieser dann aber durch Quetschung in der Müllpresse des Fahrzeugs blitzschnell (oder auch unbemerkt während der Fahrt) entzünden kann.

Gefahr für 48er: Gequetschte Akkus können sich entzünden.
Fahrzeug als Totalschaden
Die „Mistkübler“ haben klare Anweisungen für den Fall des Falles: „Bei Rauchentwicklung wird das Fahrzeug – möglichst, ohne den Verkehr zu behindern oder Wohnhäuser zu gefährden – abgestellt und die Feuerwehr gerufen. Nach dem ersten Löschen wird das Fahrzeug auf betriebseigenem Gelände geöffnet und nachgelöscht“, erklärt die MA-48-Sprecherin.
Ein Fall sei heuer besonders dramatisch gewesen, weil der Brand nicht rechtzeitig gelöscht werden konnte: „Das Müllsammelfahrzeug musste von der Feuerwehr gewaltsam geöffnet werden. Brandursache war tatsächlich ein defekter Akku“, berichtet die Sprecherin. Während bei den anderen acht Ereignissen der Schaden eher gering gewesen sei, wurde dieses Müllauto selbst zum Entsorgungsfall – sprich: Es lohnte sich nicht mehr, den zwölf Jahre alten Wagen zu reparieren.
Blechen für diesen teuren Akku-Fehlwurf muss übrigens der Steuer- respektive Gebührenzahler, denn: „Die Fahrzeuge der MA 48 sind haftpflichtversichert, das bedeutet, dass Eigenschäden durch eine Versicherung nicht gedeckt sind.“
Doch nicht nur bei der Müllabholung sorgen Akku-Brände für immer mehr Kopfzerbrechen, sondern auch bei der anschließenden Weiterverarbeitung: In zwei Sperrmüllboxen (Simmering bzw. Rinter) sei es im Frühjahr zu Bränden gekommen, die allerdings glimpflich geendet hätten, heißt es.
Am häufigsten betroffen sei laut MA 48 derzeit die städtische Müllverbrennungsanlage in Pfaffenau (11. Bezirk), wo es bereits „ein- bis zweimal pro Woche zu Bränden im Sperrmüllbunker“ komme. Wer jetzt glaubt, dass ein Feuer im Müllofen unproblematisch sei, irrt gewaltig, denn die Brände treten bereits beim Schreddern bzw. Zerkleinern des Sperrmülls auf.
Appell an Bevölkerung
Hier greift dann aber der vorsorglich eingebaute Schutzmechanismus vor verheerenden Bränden wie in Stadlau: „Aufgrund der installierten Löscheinrichtungen können diese Brände rasch unter Kontrolle gebracht werden. Der Ausbruch der Brände und deren kurzzeitige Intensität kann damit allerdings nicht verhindert werden“, heißt es von der MA 48. Die aufgrund der vielen Ereignisse nun dringend an die Bevölkerung appelliert, insbesondere Lithiumbatterien „als potenzielle Auslöser von (Groß-)Bränden“ keinesfalls im Restmüll zu entsorgen, weil dadurch auch Mitarbeiter der MA 48 „gefährdet“ seien. Akkus (bzw. verbaute Geräte) sollen ausschließlich auf Mistplätzen, Problemstoffsammelstellen oder im Handel abgegeben werden.
Forderung nach Pfand
Auch der Verband der österreichischen Entsorgungsbetriebe hat zuletzt effiziente und weitreichende Maßnahmen wie Akku-Pfand zur Eindämmung des immer größer werdenden Problems gefordert. Im Vorjahr habe es 36 größere Brände in heimischen Entsorgungsbetrieben gegeben, zudem sei seit 2016 die Zahl der gefundenen Lithium-Ionen-Akkus im Restmüll um 300 Prozent angestiegen.
kurier.at, com | 01.08.2026, 5:30