Spitzenplatz: Gesundheitsminister feiert das Saarland als „deutschen Meister“ bei Pflegeausbildung
Im Sport sammelte Deutschland gerade Goldmedaillen. Eine Medaille mit Blick auf die Zukunft ging jetzt ins Saarland – allerdings nicht im Sport, sondern in der Pflege: Das Saarland liegt bei der Zahl der Pflegeauszubildenden bundesweit an der Spitze.
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Spitzenplatz Gesundheitsminister feiert das Saarland als „deutschen Meister“ bei Pflegeausbildung
Saarbrücken · Im Sport sammelte Deutschland gerade Goldmedaillen. Eine Medaille mit Blick auf die Zukunft ging jetzt ins Saarland – allerdings nicht im Sport, sondern in der Pflege: Das Saarland liegt bei der Zahl der Pflegeauszubildenden bundesweit an der Spitze.
18.08.2026 , 21:12 Uhr
Überdurchschnittlich viele Saarländerinnen und Saarländer wollen in der Pflege arbeiten. Die Ausbildungszahlen machen Hoffnung für die Zukunft – und werden durch ausländische Azubis getragen.
Foto: dpa-tmn/Mascha Brichta
Das Saarland altert im Bundesvergleich überdurchschnittlich schnell. Damit steigt auch die Anzahl der pflegebedürftigen Saarländerinnen und Saarländer, gleichzeitig sinkt die Zahl der Menschen im Erwerbsalter – der Druck auf die Pflege wächst. Die Berechnungen des Statistischen Bundesamts zeichnen bis ins Jahr 2070 ein düsteres Bild: Der Bevölkerungsrückgang fällt im Saarland voraussichtlich stärker aus als im Bundesdurchschnitt, die Bevölkerung im Saarland schrumpft weiter und die Zahl älterer Menschen nimmt zu. Umso wichtiger ist die Frage, ob es gelingt, genügend Nachwuchs für die Pflege zu gewinnen. Die aktuellen Zahlen machen dabei Mut: In Sachen Pflegeausbildung liegt das Saarland bundesweit an der Spitze.
Pflegeausbildung: Saarland an der bundesweiten Spitze
Die Zahl der Pflegeauszubildenden stieg im Saarland zwischen Ende 2022 und Ende 2025 von 2.764 auf 3.121. Auf 1.000 Einwohner kamen damit 3,10 Pflegeauszubildende – bundesweit der höchste Wert. Arbeits- und Gesundheitsminister Magnus Jung (SPD) spricht deshalb von einer „deutschen Meisterschaft“ in der Pflegeausbildung. Die Zahlen umfassen Pflegefachpersonen, Pflegeassistenten sowie Anästhesie- und Operationstechnische Assistenten (ATA und OTA).
Jung führt die Entwicklung auch auf Maßnahmen zurück, die seit dem Start der konzertierten Aktion Pflege Saar (KAP Saar, siehe Infobox) Ende 2022 umgesetzt wurden und werden. Diese sollen die Ausbildung stärken, den Einstieg in den Beruf erleichtern und die Pflege insgesamt attraktiver machen. Nach Einschätzung des Ministers greifen sie bereits. Ein weiterer Grund für das wachsende Interesse könnte allerdings auch die vergleichsweise hohe Ausbildungsvergütung sein: Nach Angaben der Saarländischen Pflegegesellschaft erhalten angehende Pflegekräfte derzeit im ersten Ausbildungsjahr 1.490,69 Euro und im dritten Jahr 1.653,38 Euro monatlich. Die Vergütung wurde zum 1. Mai 2026 angehoben. Die Pflegeausbildung gehört damit zu den am besten bezahlten dreijährigen Ausbildungen in Deutschland.
Von der steigenden Zahl profitieren allerdings nicht alle Bereiche gleichermaßen: In der Langzeitpflege stieg die Zahl der Auszubildenden zwischen 2022 und 2025 um 29,2 Prozent auf 1.098, in den Krankenhäusern nur um 8,4 Prozent auf 1.633. Bei den ambulanten Diensten ging sie dagegen um 15,9 Prozent auf 233 zurück. Der größte Teil der Ausbildung findet damit weiterhin in Krankenhäusern statt, während die Langzeitpflege besonders dynamisch wächst.
Besonders auffällig ist aber die Zahl der Auszubildenden aus dem Ausland. Sie stieg von 511 Ende 2022 auf 1.106 Ende 2025. Ihr Anteil an allen Pflegeauszubildenden erhöhte sich damit von 18,5 auf 35,4 Prozent. Mehr als jede dritte Person in der Pflegeausbildung hatte Ende 2025 also eine ausländische Staatsangehörigkeit.
Die dreijährige generalistische Pflegeausbildung hat 2020 die zuvor getrennten Ausbildungen in Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege abgelöst. Nach Angaben der Saarländischen Pflegegesellschaft ist die Zahl der Auszubildenden in diesem Ausbildungsgang seitdem insgesamt rückläufig: Sie sank von 974 im Jahr 2020 auf 890 im Jahr 2025. Zwischenzeitlich lag sie 2023 bei 823. Obwohl die meisten Auszubildenden ihre Ausbildung im Herbst starten, wie Geschäftsführer Jürgen Stenger erklärt, geben die jüngsten Zahlen Hinweise auf eine positive Entwicklung: Im April 2026 begannen 334 Menschen eine dreijährige Pflegeausbildung; 13 weitere starteten die verkürzte Ausbildung zur Pflegeassistenz. Die Pflegeassistenzausbildung hatte nach der Umstellung von der einjährigen Altenpflegehilfe- auf die zweijährige Pflegeassistenzausbildung zunächst an Zuspruch verloren. Seit 2020 stabilisieren sich die Zahlen jedoch; sie stiegen zuletzt wieder an. Der Geschäftsführer betont jedoch: „Nach unserer Einschätzung wird diese Tendenz nicht ausreichen, um die sich abzeichnende beziehungsweise bereits bestehende Lücke an Pflegekräfte in den Einrichtungen der Altenhilfe zu schließen.“
Insgesamt viele Pflegerinnen und Pfleger im Saarland
Die Zahlen der Saarländischen Pflegegesellschaft sind nach Ausbildungsgängen differenziert, erfassen aber keine Auszubildenden mit Ausbildungsvertrag im Krankenhaus und sind daher nur eingeschränkt vergleichbar.
Insgesamt zeigen auch die Beschäftigtenzahlen in der Pflege eine positive Entwicklung: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in ausgewählten Pflegeberufen (einschließlich Auszubildender) stieg zwischen Ende 2022 und Ende 2025 von 23.047 auf 24.122. (oli)
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