BMW-Sparprogramm: Autobauer nimmt Gehälter seiner Leistungsträger ins Visier

BMW plant im Zuge der aktuellen Sparmaßnahmen eine pauschale Arbeitszeit- und Lohnkürzung für tausende leitende Angestellte. Ab April 2027 soll es pauschal nur noch 35-Stunden-Verträge bei BMW geben. Die Details.

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BMW-Sparprogramm: Autobauer nimmt Gehälter seiner Leistungsträger ins Visier

Autos und BMW-Mitarbeiter in der Fertigung in München. Foto: IMAGO/Panama Pictures

Sparprogramm: BMW nimmt Gehälter seiner Leistungsträger ins Visier

BMW hat in der Vergangenheit vergeblich versucht, durch kürzere Arbeitszeiten die Gehälter von Mitarbeitern zu drücken. Nun nimmt der Konzern einen neuen Anlauf.

BMW plant im Zuge der aktuellen Sparmaßnahmen eine pauschale Arbeitszeit- und Lohnkürzung für tausende besonders qualifizierte und geforderte Mitarbeiter. Ab 1. April 2027 soll es laut aktueller Konzernplanungen pauschal nur noch 35-Stunden-Verträge bei BMW geben. Dies erfuhr die WirtschaftsWoche von BMW-Insidern. Mitarbeiter, die derzeit 38- oder 40-Stunden-Verträge haben, müssen deshalb mit Gehaltseinbußen rechnen. Dabei handelt es sich vor allem um Mitarbeiter, die ihre Aufgaben im Rahmen der Standardarbeitszeit von 35 Stunden nicht bewältigen können.

Hintergrund ist eine Konzernregelung, die vorsieht, dass die tarifliche Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden erhöht werden kann, wenn das vom Unternehmen gewünscht ist. Durch die Anhebung steigt das Gehalt. Die Option wird bei BMW vor allem von Fachkräften mit besonders gefragten Qualifikationen genutzt. Normalerweise laufen aufgestockte Verträge zwei Jahre und können dann verlängert werden. BMW will die Verträge nun nicht kündigen, sondern sie auslaufen lassen.

BMW musste den ersten Anlauf rückgängig machen

Bereits 2019 hatte der Autobauer versucht, durch die Rücknahme der Regelung zu sparen, wie die WirtschaftsWoche damals exklusiv berichtete. Bei mehreren Tausend Mitarbeitern wurde die Arbeitszeit von 40 auf 38 Stunden gesenkt, was bei den Betroffenen zu Gehaltseinbußen führte. Der Betriebsrat kritisierte die Sparmaßnahme damals scharf.

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Damals wurde auch erstmals bekannt, um welche finanziellen Dimensionen es bei der Regelung geht. Nach Informationen der Wirtschaftswoche waren 2019 rund 6000 Mitarbeiter betroffen. Pro Betroffenem ging es um jährliche Gehaltseinbußen von 10.000 bis 14.000 Euro. Insgesamt wollte BMW durch die Rückstufung der Fachkräfte knapp 100 Millionen Euro sparen.

2021 machte BMW die Änderungen jedoch rückgängig. „Es wird eine generelle Rückkehr auf 40 Stunden im Laufe des zweiten Halbjahres vorbereitet“, erklärte BMW 2021 gegenüber der WirtschaftsWoche. Die reduzierte Arbeitszeit führte dazu, dass die Mitarbeiter Überstunden anhäuften, wie BMW einräumte. „Um dem zu begegnen“, so eine Sprecherin, „und Kapazitäten weiter zu erhöhen“, sei eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche geplant.

Teil eines neuen Sparprogramms

„Dieses Mal sprechen wir von einer substanziellen Veränderung der Spielregeln unserer Industrie und damit der Grundlage unseres Geschäftsmodells“, sagte BMW-Chef Milan Nedeljkovic am Mittwoch bei einer Betriebsversammlung in München, nach Informationen aus Teilnehmerkreisen. „Weder der Protektionismus noch die gravierenden Marktveränderungen werden wieder verschwinden.“ Die deutsche Autoindustrie leidet vor allem unter einem stark sinkenden Absatz in China und den erhöhten US-Importzöllen.

Anders als bei Volkswagen, wo die Fertigung in gleich vier Konzernwerken in Deutschland Anfang der 2030er Jahre auslaufen könnte, bleibt die Produktion von BMW vom Stellenabbau unberührt. Zehntausende Büroangestellte erhalten hingegen ein Angebot zum freiwilligen Ausscheiden, das möglichst rund 8000 von ihnen annehmen sollen. „Mir ist bewusst, dass die nächste Zeit uns allen viel abverlangen wird“, sagte Nedeljkovic. Abgeschlossen sein soll der Stellenabbau Ende 2027, die ersten spürbaren Auswirkungen erwartet BMW ab 2028.

„BMW muss die Kosten senken, aber das Unternehmen stellt sich anders als VW nicht auf ein niedrigeres Absatzvolumen ein“, sagte Daniel Schwarz, Analyst beim Bankhaus Metzler. In den vergangenen Jahren sei der Absatz bei BMW stabil geblieben, obwohl der Umsatz gesunken sei. Nach Daten von Mobility Global sind die deutschen BMW-Werke im Schnitt besser ausgelastet als die von Mercedes oder VW.

Hinweis: In einer früheren Version hieß es, dass BMW mit dem Schritt versucht, die Gehälter der Führungskräfte zu drücken. Es handelt sich jedoch um besonders qualifizierte und geforderte Mitarbeiter. Wir haben den Fehler korrigiert. 

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