Sonnenfinsternis 2026: Die wichtigsten Infos für die Schweiz
Ein grandioses Himmelsspektakel erwartet uns am Abend des 12. August. Der Mond wird sich zwischen die Erde und die Sonne schieben und letztere zu 91 Prozent verdecken – mehr gibts erst in 55 Jahren wieder.
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Publiziert2. August 2026, 04:54
Spektakel am HimmelSonnenfinsternis am 12. August: Grafik zeigt, wie es abläuft
Ein grandioses Himmelsspektakel erwartet uns am Abend des 12. August. Der Mond wird sich zwischen die Erde und die Sonne schieben und letztere zu 91 Prozent verdecken – mehr gibts erst in 55 Jahren wieder.


Darum gehts
- Am 12. August 2026 erleben Teile Europas eine totale Sonnenfinsternis.
- Auch in der Schweiz wird von der Sonne nur noch eine dünne Sichel zu sehen sein: Der Mond wird sie dann bis zu 91 Prozent verdecken.
- Der Höhepunkt der Verdunkelung wird um 20.17 Uhr erreicht, kurz vor dem Sonnenuntergang.
- Für eine totale Finsternis über der Schweiz müssen wir bis zum 3. September 2081 warten.
Haltet eure Schutzbrille bereit: Ein aussergewöhnliches Himmelspektakel steht bevor! Am 12. August wird der Mond direkt vor der Sonne vorbeiziehen. Das sorgt auf einem bis zu 319 Kilometer breiten Streifen von Grönland bis zu den Balearen für eine totale Sonnenfinsternis.
Und auch bei uns dürfte es bereits vor Sonnenuntergang spürbar dunkler werden: Die Sonnenscheibe wird um bis zu 91 Prozent verdeckt sein. Das ist selten. Einen solch hohen Bedeckungswert erlebten wir hierzulande letztmals am 11. August 1999. Damals waren je nach Standort sogar 92 bis 98 Prozent bedeckt.
Der Mond macht die Sonne zur Sichel
Da die Sonnenfinsternis am 12. August bei uns nur partiell ist, wird zum Zeitpunkt der maximalen Verdunkelung eine kleine, hell leuchtende Sonnensichel sichtbar bleiben. «Wir werden also nicht, wie bei einer totalen Finsternis, dieses seltsame Nachtgefühl haben, das eintritt, obwohl es Tag ist. Aber es wird eine schöne Abnahme der Helligkeit geben, da wir nur noch zehn Prozent der Sonne sehen werden», erklärt Georges Meynet, Astronomieprofessor an der Universität Genf und Mitbegründer des Observatoriums François-Xavier Bagnoud (FXB) in Saint-Luc VS.
Für Puristen reicht das natürlich nicht. Sie wollen dieses ganz besondere Gefühl erleben, wenn der Tag zur Nacht wird. «Deshalb werden viele Menschen in den Streifen der Totalität reisen», fügt er hinzu.
Sollte man ins Ausland reisen?
Wer die Finsternis in ihrer Totalität geniessen will, reist am besten nach Island. Dort wird sie bereits um 17.48 Uhr eintreten, wenn die Sonne noch hoch am Himmel steht und exakt eine Minute dauern. Der Haken: Das Wetter ist Mitte August sehr launisch. Laut Timeanddate.com war es in Reykjavík am 12. August in 76 Prozent der letzten 25 Jahre bewölkt. Der Norden Spaniens liegt ebenfalls günstig innerhalb des Streifens der Totalität, der sich bis nach Mallorca zieht. In Palma wird die Totalität eine Minute und 36 Sekunden dauern. Allerdings wird dann um 20.31 Uhr die Sonne nur noch etwa 2,6 Grad über dem Horizont stehen.
Was denSüdwesten Frankreichs betrifft, so bietet er einen höheren Verdunkelungsgrad als die Schweiz. An der Atlantikküste nahe der spanischen Grenze, etwa in Biarritz, werden Werte über 99 Prozent erreicht. Im Südosten bietet sich Marseille mit 96,3 Prozent an. Dort war es seit 2000 nur in 33 Prozent der Jahre bewölkt.

Ab in die Höhe
Bei uns wird das Phänomen am frühen Abend stattfinden, wenn die Sonne bereits tief am Himmel steht. Das wird die Beobachtung erschweren. «Wenn es Gewitterwolken im Westen oder Nebel gibt, werden wir Probleme haben», warnt Michaël Cottier, Wissenschaftsvermittler am Observatorium FXB. «Es wird also ein möglichst freier Westhorizont benötigt», fügt er hinzu. Am besten sei es, an Höhe zu gewinnen, dann werde das Spektakel grossartig sein: «Wir werden nicht eine Mondsichel, sondern eine Sonnensichel untergehen sehen», freut sich der Walliser.
Höhepunkt bei uns ab 20.17 Uhr
Das Spektakel wird in Schaffhausen um 19.24 Uhr beginnen. Die maximale Verdunkelung wird um 20.17 Uhr erreicht. Weil dann die Sonne schon tief am Horizont steht, braucht es freie Sicht in Richtung Westnordwest. Um 20.43 Uhr ist Sonnenuntergang. Weiter südlich verschiebt sich alles um einige Minuten. In Genf wird das Phänomen am stärksten sein, mit einem Verdunklungsgrad von 91,8 bis 92,7 Prozent (je nach Berechnung). Je weiter man in die Deutschschweiz geht, desto geringer wird die Bedeckung. So wird sie in Zürich noch 88,8 bis 90,6 Prozent betragen. Aber das menschliche Auge werde den Unterschied nicht sehen, versichert Georges Meynet.
Georges Meynet wird nach Spanien reisen, um dort die totale Finsternis aus reinem Vergnügen zu beobachten. «Es wird erst meine zweite sein. Jene vom 11. August 1999 habe ich von einer Klippe in der Normandie aus bewundert. Es war unglaublich», erinnert er sich begeistert. «Es ist ein grandioses Spektakel. Man sieht, wie die schwarze Scheibe des Mondes nach und nach die Sonne verdeckt. Und man merkt, dass man in einer Art himmlischer mechanischer Uhr lebt, die uns das Gefühl gibt, in einem kosmischen Ballett mitgerissen zu werden.»
«Ein amüsanter Zufall»
Das Phänomen der Sonnenfinsternis sei übrigens einem «amüsanten Zufall» zu verdanken, erklärt er. Denn der von der Erde aus wahrgenommene Durchmesser des Mondes sei fast gleich jenem der Sonne. «Obwohl die Sonne 109-mal den Durchmesser der Erde und 400-mal den des Mondes hat», betont er. «Aber es stellt sich heraus, dass die Entfernung, die uns vom Mond und der Sonne trennt, dazu führt, dass diese beiden Objekte die gleiche scheinbare Grösse haben.»

Sonnenfinsternisse sind gar nicht so selten
In jedem Jahr gibt es zwei Sonnenfinsternisse, die irgendwo auf der Erde beobachtet werden können. Sie passieren immer dann, wenn der Neumond so exakt zwischen Erde und Sonne steht, dass seine Bahn die Erdbahn schneidet. Jedes dieser Ereignisse ist nur innerhalb der 7000 Kilometer breiten Spur des Halbschattens des Mondes sichtbar, die einen Teil der Erde überstreicht.
Der Streifen, auf dem eine totale Sonnenfinsternis beobachtet werden kann, ist dagegen nur einige Dutzend bis wenige hundert Kilometer breit, weshalb sie für jeden einzelnen Ort auf der Erde wirklich eine Seltenheit ist.
Wichtig: Augen schützen
Da die Mondbahn etwas unregelmässig ist, ereignen sich die beiden Sonnenfinsternisse nicht immer zur gleichen Zeit – dieses Jahr im Februar und eben im August. Die ringförmige Finsternis vom 17. Februar spielte sich über dem äussersten Süden Chiles und Argentiniens sowie über der Antarktis und über dem Südosten Südafrikas ab.
Die übernächste Sonnenfinsternis über der Schweiz wird dann am Vormittag des 2. August 2027 stattfinden. Dann wird die Sonne zu rund 55 Prozent verdeckt sein. Für die nächste totale Finsternis muss man hierzulande bis zum 3. September 2081 warten.
Wirst du ins Ausland reisen, um die totale Sonnenfinsternis zu erleben?
Ja, das lasse ich mir nicht entgehen.
Ich bin dann sowieso in Spanien oder Island in den Ferien.
Nein, mir reichen die 91 Prozent Bedeckung hierzulande.
Die Sonnenfinsternis interessiert mich nicht.
Ich reise nie ins Ausland.
Kein Buchungs-Boom wegen Sonnenfinsternis
Die Sonnenfinsternis sorgt laut dem Reiseveranstalter Dertour Suisse bisher nicht für einen spürbaren Anstieg der Buchungen. Besonders gefragt sei Island zwar derzeit, das liege jedoch vor allem am anhaltenden Coolcation-Trend. Rund 14 Prozent der Sommerbuchungen entfallen mittlerweile auf kühlere Reiseziele, die Nachfrage sei in den vergangenen fünf Jahren um 21 Prozent gestiegen. Die Sonnenfinsternis sei laut dem Reiseveranstalter eher das «Tüpfchen auf dem i» als der eigentliche Buchungstreiber. Gleichzeitig beobachtet Dertour ein wachsendes Interesse am Astrotourismus – etwa an Reisen zu Polarlichtern oder besonders klaren Sternenhimmeln.
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Christine Talos
Christine Talos (cht) ist seit 2011 Journalistin in der Rubrik Schweiz/Regionen. Ihr Spezialgebiet ist die Schweizer Politik.

Jean-Claude Gerber (jcg) arbeitet seit 2005 für 20 Minuten. Er ist seit 2013 Leiter des Ressorts Wissen, History und Digital und seit 2020 Blattmacher.