Schlepper in Ceuta: Bis zu 9000 Euro für die gefährliche Überfahrt nach Spanien
Publiziert21. August 2026, 19:55Ceuta–SpanienSo viel kostete die gefährliche Überfahrt nach SpanienDicht gedrängt und ohne Schwimmwesten bringen Schlepper Migranten von Ceuta aufs spanische Festland. Fünf Verdä...
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Publiziert21. August 2026, 19:55
Ceuta–SpanienSo viel kostete die gefährliche Überfahrt nach Spanien
Dicht gedrängt und ohne Schwimmwesten bringen Schlepper Migranten von Ceuta aufs spanische Festland. Fünf Verdächtige wurden festgenommen.

Darum gehts
- Die spanische Polizei hat in Ceuta fünf mutmassliche Schlepper festgenommen – alle sind spanische Staatsbürger.
- Das Netzwerk brachte Migranten nachts in überfüllten Booten ohne Schwimmwesten aufs Festland – für bis zu 9000 Euro pro Person.
- Ins Rollen kamen die Ermittlungen durch ein Schnellboot, das bei El Tarajal auf einem Felsenriff auf Grund gelaufen war.
Die Überfahrt dauert nur wenige Stunden – von Komfort kann dabei allerdings keine Rede sein: Nachts, dicht gedrängt und ohne Schwimmwesten machen sich Migranten in kleinen Booten von Ceuta auf den gefährlichen Weg zum spanischen Festland. Schlepper verlangen dafür bis zu 9000 Euro pro Person – laut Ermittlerkreisen deutlich mehr als bislang üblich.
In den vergangenen Tagen nahm die spanische Polizei fünf mutmassliche Schlepper fest. Bei allen Verdächtigen handelt es sich nach Angaben der Behörden um spanische Staatsbürger. Ihnen werden organisierte Kriminalität und Beihilfe zur illegalen Einwanderung vorgeworfen. Einer der Männer soll in der Nacht auf den 14. August von sieben Migranten jeweils 8000 Euro für die Überfahrt verlangt haben – in einem kleinen Boot, das laut Polizei keinerlei «Mindestsicherheitsstandards» erfüllte.
Fünf Stunden übers Meer kosten bis zu 32 Monatslöhne
Der gesetzliche Mindestlohn in Marokko liegt 2026 bei rund 3046 marokkanischen Dirham pro Monat – umgerechnet etwa 263 Franken. Eine Überfahrt für 8400 Franken entspricht damit rund 32 monatlichen Mindestlöhnen – oder mehr als zweieinhalb Jahren Arbeit zum Mindestlohn.
Rund fünf Stunden waren die Migranten auf See und legten bei dichtem Nebel fast 40 Kilometer zurück. Die Bootsführer seien gezielt wegen ihrer Erfahrung mit hohen Geschwindigkeiten und ihrer Fähigkeit ausgewählt worden, Ausweichmanöver zu fahren und Polizeikontrollen zu umgehen, teilte die Polizei am Freitag mit.

In Häusern der Schlepperorganisation untergebracht
Ins Rollen kamen die Ermittlungen durch den Fund eines Schnellboots, das wenige Tage zuvor auf einem Felsenriff bei El Tarajal auf Grund gelaufen war. Nach Erkenntnissen der Ermittler gehörte es zu einer Schlepperorganisation, die bereits seit einiger Zeit zwischen Marokko, Ceuta und dem spanischen Festland operierte.
«Die Nachfrage ist gestiegen, und die kriminellen Netzwerke haben ihre Preise erhöht», sagte ein Polizeisprecher gegenüber «El País». Migranten, die bereit waren, die hohen Summen zu bezahlen, sollen bis zu ihrer Überfahrt in Häusern und Garagen untergebracht worden sein, die von der Organisation kontrolliert wurden.
Für die Überfahrten traf das Netzwerk offenbar gezielte Vorkehrungen, um nicht entdeckt zu werden. Die Bootsführer mieden Gebiete mit verstärkter Polizeipräsenz, nachdem die Kontrollen infolge der angespannten Migrationslage zuletzt ausgeweitet worden waren. Die Boote starteten an der Küste von Cádiz, nahmen die Migranten auf und brachten sie anschliessend auf das spanische Festland. Dort warteten weitere Mitglieder des Netzwerks, um die Angekommenen nach der Landung weiterzubringen.

Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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