Smartphone-Zoff in der Familie: Pisa-Schock: Ergebnisse nicht als Drohkulisse nutzen

Die schlechten Pisa-Ergebnisse verstärken die Sorgen vieler Eltern über den Social-Media-Konsum ihrer Kinder. Warum sie daraus keine Anklage machen sollten - und was stattdessen helfen kann.

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Smartphone-Zoff in der Familie: Pisa-Schock: Ergebnisse nicht als Drohkulisse nutzen

Smartphone-Zoff in der Familie Pisa-Schock: Ergebnisse nicht als Drohkulisse nutzen

Dresden · Die schlechten Pisa-Ergebnisse verstärken die Sorgen vieler Eltern über den Social-Media-Konsum ihrer Kinder. Warum sie daraus keine Anklage machen sollten - und was stattdessen helfen kann.

08.09.2026 , 14:14 Uhr

TikTok statt Matheheft: Die Pisa-Ergebnisse zeigen sinkende Leistungen, die auch mit der Smartphone- und Social-Media-Nutzung in Verbindung gebracht werden.

TikTok statt Matheheft: Die Pisa-Ergebnisse zeigen sinkende Leistungen, die auch mit der Smartphone- und Social-Media-Nutzung in Verbindung gebracht werden.

Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/dpa-tmn

Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften: In der neuen Bildungsstudie Pisa schneiden Schülerinnen und Schüler in Deutschland so schlecht ab wie nie zuvor. Experten sehen teils einen Zusammenhang zwischen einem problematischen und Social-Media-Konsum und schlechten schulischen Leistungen.

Eltern fühlen sich da schnell in ihren Sorgen bestätigt. Nach dem Motto: „Mein Kind ist viel zu oft auf TikTok, jetzt zeigt sich ja, dass das schlecht für die Leistung ist.“ 

Als Elternteil die Pisa-Ergebnisse nun als Drohkulisse zu nehmen, ist dem Medienkompetenz-Experten Florian Buschmann zufolge aber keine gute Idee. „Wer mit 'Siehst du, deshalb sollst du weniger am Handy sein' einsteigt, hat das Gespräch schon verloren“, sagt der Berater zum Thema Mediensucht. Ergebnis: Das Kind hört eine Anklage und macht dicht. Pisa messe zudem ein Bildungssystem, nicht das eigene Kind.

Mit Neugier und Ehrlichkeit ins Gespräch kommen

Buschmann rät Eltern, für einen konstruktiven Gesprächseinstieg zur Smartphone- oder Social-Media-Nutzung eher auf Neugier zu setzen: „Also nicht 'Wie lange warst du dran?', sondern 'Zeig mir mal, was du gerade guckst'“.

Außerdem braucht es ihm zufolge Ehrlichkeit: „In vielen Familien kam das Gerät ursprünglich von den Eltern. Kinder werden oft vor dem Handy geparkt, weil es zuverlässig für Ruhe sorgt“, so Buschmann. Wer das offen anspricht, nimmt dem Gespräch automatisch die Standpauke. 

Wichtig sei nicht zuletzt der passende Zeitpunkt: nicht zwischen Tür und Angel und nicht abends im Streit.

Diese 3 Vereinbarungen wirken

Wer verbindliche Regeln zur Smartphone-Nutzung im Familienalltag einführen will, sollte darauf achten, dass Kinder sie mitentwickelt haben. „Ich empfehle, gemeinsam zu überlegen: Wann brauchst du Ruhe zum Lernen? Wann willst du wirklich frei sein?“, so Buschmann. Drei Vereinbarungen wirken seiner Erfahrung nach am stärksten - und sollten für alle in der Familie gelten:

  • das Handy nicht im Schlafzimmer, 
  • feste bildschirmfreie Zeiten rund ums Lernen und 
  • Mahlzeiten ohne Geräte.

Lernförderung - an Interessen andocken

Wenn Eltern zusätzlich nach Wegen suchen, ihr Kind auch offline zu fördern und so Lese- oder Rechenkompetenzen zu stärken, sollten sie an echten Interessen andocken.

Buschmann illustriert das an Beispielen: „Wer gerne zockt, liest auch Comics oder Bücher zum Spieluniversum. Gemeinsam kochen und backen ist angewandtes Rechnen, ohne dass es je so heißen müsste.“ Auch Vorlesen wirkt seiner Einschätzung nach „weit über das Grundschulalter hinaus“, selbst wenn Eltern das oft nicht mehr für möglich hielten. 

Wichtig sei aber Geduld. „Wer früh viel Zeit vor Bildschirmen verbracht hat, muss Selbstbeschäftigung erst wieder lernen“, so der Berater.

© dpa-infocom, dpa:260908-930-652579/1