Holdener geniesst wertvolle Zeit mit ihrem Mami (B+)
Beim Besuch der GlücksPost verrät die Slalom-Spezialistin, wie sie gerne einen freien Tag mit ihrem Mami Daniela verbringt, weshalb sie so stark im Ybrig verwurzelt ist und wovon sie für die Zukunft träumt.
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Andrea Butorin (Text), Linda Käsbohrer (Fotos), GlücksPost
An jenem Tag kurz vor der grossen Hitzewelle glitzert der Sihlsee im Nachmittagslicht. Die Skirennfahrerin Wendy Holdener (33) pumpt ihr Paddle-Board auf, während sich Mami Daniela Holdener (61) seetauglich umzieht. Nach dem Einwassern setzt sich die Mutter auf das Brett, und ihre Tochter beginnt stehend zu paddeln. «Hineinfallen möchten wir nicht, der See ist noch frisch», sagt Wendy Holdener lachend.
Nach einem Vormittagstraining in Magglingen BE hat sie wieder einmal Zeit für einen Abstecher daheim in Unteriberg SZ. Hier ist sie geboren und aufgewachsen, und hier lebt sie seit letztem Jahr in ihrer Eigentumswohnung, etwa zehn Meter über dem Haus ihrer Eltern Daniela und Martin Holdener (69). Sie sagt: «Damit habe ich mir meinen Traum erfüllt, denn hier bin ich verwurzelt.»
Früher haben Wendy und Daniela Holdener öfter gemütliche Nachmittage am Sihlsee mit Stand-up-Paddeln und Lesen verbracht. Heute liege das leider nicht mehr so oft drin, denn Wendy verbringt selten mehr als vier Tage im Monat daheim. «Dafür geniessen wir die Zeit, die wir haben, wenn sie da ist», sagt Daniela Holdener nach der Spritztour. «Manchmal ruft sie mich auf dem Heimweg an, dann fahre ich spontan los, und wir treffen uns auf einen Kaffee oder zum Sprudeln in Wendys Whirlpool.» Die Slalom-Spezialistin ergänzt: «Wir sitzen zum Teil eine Stunde lang im Wasser und erzählen uns alles, was in der Zwischenzeit passiert ist.»
«1000 Erinnerungen an Kevin»
Wer Wendy Holdener in ihrer Heimat besucht, wird schon auf der Hinfahrt von ihr begrüsst: Auf grossen Plakaten wirbt ihr «Haus-Skigebiet» Hoch-Ybrig mit dem Skistar. Im Dorf lächelt sie alle paar Meter von einem Banner. Sie selbst fährt nun mit ihrer Mutter im Auto durchs Dorf in Richtung Hochgrütsch. Immer wieder winkt sie jemandem zu oder sagt kurz: «Hoi!» «Für die Ibriger bin ich einfach die Wendy, und beim Posten blickt mich niemand komisch an», erklärt sie. Bei einem Panoramabänkli macht sie Halt. Vor sich die Ibergeregg und der Schijen, unter sich das Dorf. Holdener zeigt auf das Haus, in dem sie und ihre Brüder Steve (38) und Kevin (†34) geboren wurden, ehe die Familie in Martin Holdeners Elternhaus zog.
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Die ganze Familie Holdener liebt das Skifahren. Vater Martin fuhr einst auch Rennen. Für Steve, der heute mit seiner Frau Polly (38) und dem fünf Monate alten Töchterchen Sophia in Hongkong lebt, blieb es ein Hobby. Kevin dagegen war genauso angefressen und talentiert wie seine Schwester. Eine Krebsdiagnose machte 2011 seine Karrierepläne zunichte. Daraufhin wurde er Wendys Manager und entdeckte auf Reisen die Welt. Doch im Februar 2024 verlor er den Kampf gegen die Krankheit. Er ruht auf dem Friedhof in Unteriberg, und seine Schwester sagt: «Kevin ist immer bei mir. Ich habe 1000 Erinnerungen an ihn.» Manche teilt sie im berührenden Dok-Film «Wendy Holdener und ihr Bruder Kevin – Verbunden über den Tod hinaus».
Während der letzten Skisaison habe sie nun vermehrt ihren Bruder Steve um Rat gefragt: «Seit ich Kevin nicht mehr habe, ist meine Beziehung zu Steve intensiver geworden.» Auch Daniela Holdener telefoniert jetzt häufiger nach Hongkong. Wendy wolle sie während des Weltcups möglichst nicht stören: «Aber mich dünkt, dass sie seit Kevins Tod öfter nachfragt, wie es uns geht.»
Wendy lebt ein Pendlerleben
Wendy Holdeners Karriere ist ein «Familien-Business» geblieben: «Meine Eltern helfen mir bei der Fanpost und springen immer ein, wenn es nötig ist.» Ihr Vater ist pensioniert, und ihre Mutter arbeitet Teilzeit als Köchin im Alters- und Pflegeheim Unteriberg.
Auch Freund Remy Allemann (36) hilft Wendy, wo er kann. «Seine Meinung ist mir wichtig, ich fühle mich bei ihm wohl und zu Hause», sagt sie. Vor fünf Jahren machte Holdener ihr Glück öffentlich: «Nichts gesucht, alles gefunden», schrieb sie zu einem gemeinsamen Foto auf Instagram. Momentan pendelt Wendy zwischen Unteriberg und seiner Wohnung hin und her. Solange sie Ski fahre, bleibe das so, und wo sie später einmal leben werde, hänge davon ab, was sie dereinst tun werde.
Traum von einer Familie
«Ich hätte gern einmal eine Familie. Aber jetzt bin ich dafür noch nicht bereit», sagt sie über ihr mögliches Leben nach der Karriere. Worauf sie sich bereits jetzt freut, sind die zukünftigen Reisen: «Ohne vorgegebenen Trainingsplan im Sack, und ohne überlegen zu müssen, wie viel Protein ich schon gegessen habe.»
Doch noch ist das kein Thema. Sie stellt klar: «Ich bin sehr motiviert für die nächste Saison!» Auf dem Rundgang durch ihr Dorf ist sie auf dem Pausenplatz ihrer früheren Schule angekommen. «Hierher komme ich gern, um beim Training Treppen zu springen.» Schon seit 17 Jahren und damit ihr halbes Leben lang ist Wendy Holdener Skirennfahrerin. Als Neuntklässlerin fuhr sie ihre ersten FIS-Rennen. «Solange die Noten stimmten, durfte ich auch mal fehlen», sagt sie dankbar. Zu ihren grössten Erfolgen zählen fünf Olympia-(einmal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze) und neun Weltmeisterschafts-Medaillen. Letzte Saison und insbesondere an den Winterspielen 2026 konnte sie ihre Ziele nicht erreichen. Umso mehr freut sie sich auf die Heim-WM in Crans-Montana VS im kommenden Februar.
Mami Daniela ist bei den Rennen oft dabei, mal mit ihrem Mann, mal mit einer Freundin. Dank ihren Kindern entdeckt sie vieles von der Welt: So steht im September ein Besuch bei Steve und seiner Familie an, und im Oktober geht es nach Levi (Finnland), wo Wendy in die neue Slalom-Weltcupsaison startet.
Ein perfekter freier Tag in Unteriberg
Ende August beginnt Wendy Holdeners Saisonvorbereitung in Südamerika. Bis dahin geniesst sie den Sommer mehrheitlich zu Hause – nebst dem Training mit Familie und Freunden und gelegentlichen Abkühlungen im Wasser. Bloss zwei Kurztrips standen auf dem Programm. Einer führte sie an die Hochzeit ihrer Ski-Freunde Michelle Gisin (32) und Luca De Aliprandini (35) am Gardasee (I).
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Ein perfekter freier Tag in Unteriberg sieht für Wendy Holdener so aus: «Am Morgen stehe ich ohne Wecker auf.» Ein kleines Training müsse meist trotzdem sein. Das erledige sie gleich, um den restlichen Tag geniessen zu können. «Danach werde ich bestimmt irgendwo eingeladen; beim Mami, bei meiner Tante oder bei einer Freundin.» Sechs ehemalige Schulkolleginnen zählt sie zu ihren engen Vertrauten. Sie geniesse es aber auch, durch Netflix zu zappen oder ein Buch zu lesen. Gerade schmökert sie in einem Ratgeber über zuckerfreie Ernährung und in der «Again»-Reihe der Autorin Mona Kasten. Das Beste kommt zum Schluss: «Wir fahren im Winter mit den Tourenski oder im Sommer mit dem Velo an irgendeinen geheimen Ort und geniessen bei einem Picknick den Sonnenuntergang.»
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