Shortlist 2026: Diese Romane gehen ins Rennen um den Deutschen Buchpreis

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Shortlist 2026: Diese Romane gehen ins Rennen um den Deutschen Buchpreis

Shortlist 2026 Diese Romane gehen ins Rennen um den Deutschen Buchpreis

Frankfurt/Main · Die unsichere Gegenwart als Nährboden großartiger Literatur: Die Jury hat die sechs Finalisten für den Deutschen Buchpreis bekanntgegeben. Was sind das für Romane?

08.09.2026 , 14:11 Uhr

Sechs aus zwanzig: Die Shortlist beim Deutschen Buchpreis steht fest.

Sechs aus zwanzig: Die Shortlist beim Deutschen Buchpreis steht fest.

Foto: Lena Everding/Börsenverein/dpa

Sechs aus zwanzig: Die Jury hat sich festgelegt und die Finalisten für den Deutschen Buchpreis veröffentlicht. „So unsicher die Gegenwart auch sein mag, erweist sie sich doch als Nährboden für eine großartige Literatur. Die sechs Romane der Shortlist zeugen davon“, sagt Jurysprecherin Cornelia Geißler. In den Büchern stecke ästhetischer Reichtum und Sprachlust - und es gebe immer noch Grund zu lachen.

Die Auswahl in alphabetischer Reihenfolge: 

Shida Bazyar: Die Lücken 

Shida Bazyar stand bereits vor einigen Jahren mit «Drei Kameradinnen» auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. (Archivbild)

Shida Bazyar stand bereits vor einigen Jahren mit «Drei Kameradinnen» auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. (Archivbild)

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Die Lücken ist ein „Roman über die Fundamente unserer Heimat“, heißt es beim Verlag. Angesiedelt ist die Geschichte in einem fiktiven Ort im Hunsrück. Die 1988 geborene Autorin erzählt von jüdischen Familien und NS-Profiteuren bis hin zu Familien, die Jahrzehnte später aus dem Iran flüchten. Es sei ein Buch, „das einen vor allem tief glücklich macht, trotz aller Traurigkeit, die in ihm steckt“, schrieb kürzlich die „Süddeutsche Zeitung“. Bazyar bringe verschwiegene Kapitel deutscher Vergangenheit zur Sprache, urteilt nun die Jury. „Über einen Zeitraum von rund hundert Jahren verändert sich die Sprache zwischen den Zeitebenen und verleiht jeder ihren eigenen Ton.“ Es sei ein Roman, der die Grenzen des Heimatromans auslote und ihn neu definiere.

Mit einem Auszug aus ihrem jetzigen Roman gewann Gordeev bereits den Bachmann-Preis. (Archivbild)

Mit einem Auszug aus ihrem jetzigen Roman gewann Gordeev bereits den Bachmann-Preis. (Archivbild)

Foto: Gerd Eggenberger/APA/dpa

Franziska Gänsler: Orca

Der Österreicher Hirschl ist der einzige Mann auf der Shortlist. (Archivbild)

Der Österreicher Hirschl ist der einzige Mann auf der Shortlist. (Archivbild)

Foto: Georg Wendt/dpa

In „Orca“ geht es um Zugehörigkeit und Freundschaft, Klimagerechtigkeit und Radikalisierung. „Gänsler behandelt in ihrem neuen Roman eine ganze Bandbreite gesellschaftlicher Spannungen - gepaart mit den Zukunftsängsten, denen sich eine Generation von Teenagern und jungen Erwachsenen gegenübersieht“, urteilt die „Augsburger Allgemeine“. Die Geschichte sei in ein Radikalisierungsszenario eingebettet, „in dem wir uns als Leser*innen geradezu fassungslos umschauen und uns fragen: Wie konnte das denn jetzt passieren?“, erklärt die Jury. Das beantworte der Roman, in dem er klug zwei Ebenen zusammenführe. 

Mädler wurde 1976 in Dresden geboren. (Archivbild)

Mädler wurde 1976 in Dresden geboren. (Archivbild)

Foto: Georg Wendt/dpa

Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle 

Im letzten Jahr gewann Dorothee Elmiger den Buchpreis. (Archivbild)

Im letzten Jahr gewann Dorothee Elmiger den Buchpreis. (Archivbild)

Foto: Arne Dedert/dpa

Valeria Gordeevs Roman ist das einzige Debüt auf der Liste. Es geht um eine Familie zwischen Kiew, Moskau und Berlin - und um eine Welt, die aus den Fugen geraten ist. Die Bachmann-Preisträgerin erzähle aus verschiedenen Perspektiven, mit unterschiedlichen Stimmen und mit mehreren Handlungssträngen, die sich zu einem großen Ganzen fügten, urteilt die Jury. Ein Geschwisterpaar versuche sich im Zeichen des Krieges in Europa, angesichts eines autoritären Regimes und des Größenwahns des Menschen zurechtzufinden. Die „FAZ“ meint: „Die Erzählfreude dieses Buchs kennt keine Grenzen.“

Elias Hirschl: Schleifen 

Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit, wie es in der Beschreibung des Verlags heißt. In Otto Mandl, einem Mathematiker, finde sie ihren Seelenverwandten. Sie lerne, sich mit Wörtern aus toten Sprachen gegen ihr Leiden zu immunisieren. Es sei ein Wunderwerk der Verwirrung, „ein in und um sich drehendes Spiel der nie endenden Möglichkeiten, die Sprache bietet“, so die „NZZ“. Hirschl, einziger männliche Vertreter auf der Shortlist, lege „einen wunderbar überdrehten Roman vor, der durch seine intellektuellen Spielereien, erzählerischen Tricks und seinen schier unerschöpflichen Ideenreichtum brilliert“, erklärt die Jury. 

Peggy Mädler: Selbstregulierung des Herzens

Der Roman, angesiedelt in der DDR und im frisch wieder vereinigten Deutschland erzähle von „Liebe und Freundschaft in einer Welt, die Vertrauen nicht kennt“. Im Zentrum stehen Georg, der anfangs noch hofft, seinen Staat mit Hilfe von ersten Computern und Kybernetik vorwärtszubringen, und die Künstlerin Mona, wie der Verlag beschreibt. Mädler erzähle empathisch und unaufgeregt, aber mit großem Faktenwissen. Es sei „ein Roman über die Kreativität, mit der Wissenschaft und Kunst auch unter schwersten Bedingungen ihren Weg finden - und damit von zeitloser Aktualität“, so die Jury. Und der Sender „radioeins“ urteilt: „Ein wirklich großes Leseereignis“. 

Dana Vowinckel: Anton und Alma

„Die schönste Liebesgeschichte des Jahres ist gleichzeitig ein Buch über die Folgen des 7. Oktober“, heißt es im „Spiegel“. In dem politischen Gegenwartsroman, der in Berlin und New York spielt, wird die große Liebe zwischen dem Juden Anton und Alma in einer zunehmend gespaltenen Welt erzählt. Das Buch zeichne sich „durch ein überzeugendes Changieren der titelgebenden Figuren zwischen Nähe und Distanz aus“, unterstreicht die Jury. „Zugleich sind die individuellen Schicksale mit weltpolitischen Ereignissen verschränkt, wodurch eine vielschichtige Reflexion von Gesellschaft, Religion und Familie sowie speziell von Judentum und Antisemitismus gelingt.“ 

Jury hatte 205 Titel gesichtet

Auf der Longlist standen zuvor 20 deutschsprachige Romane. Wer die Auszeichnung bekommt, wird erst bei der Verleihung am 5. Oktober bekanntgegeben - dem Tag vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse. Insgesamt hatte die siebenköpfige Jury 205 Titel gesichtet, die zwischen Herbst 2025 und Anfang September 2026 erschienen sind. 

Zuletzt hatte es Diskussionen um Jurymitglied Maha El Hissy gegeben. So kritisierte Hessens Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker, dass eine „Multiplikatorin israelfeindlicher Stereotype“ in der Jury sitze. Zuvor hatte die „Jüdische Allgemeine“ ihre Berufung als „politische und moralische Bankrotterklärung“ bezeichnet. 

Indes hält der Börsenverein an ihr fest. El Hissy sei aufgrund ihrer fachlichen Expertise ausgewählt worden, erklärt der Vorsitzende, Sebastian Guggolz. „Sie erfüllt die Anforderungen an diese Rolle in vollem Umfang.“

Auszeichnung ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert

Der Deutsche Buchpreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen in der Literaturszene und ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert. Im vergangenen Jahr ging er an Dorothee Elmiger für „Die Holländerinnen“.

© dpa-infocom, dpa:260908-930-650868/3