Serie Vereine hautnah: Imker in Oberwürzbach: „Ist man einmal infiziert, kommt man nicht mehr davon los“
Summen, Brummen, Hochsommer: Am Lehrbienenstand des Imkervereins Oberwürzbach ist dieser Tage einiges los. Die Ernte läuft auf Hochtouren – doch die asiatische Hornisse macht den Imkern das Leben zunehmend schwer.
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Serie Vereine hautnah Imker in Oberwürzbach: „Ist man einmal infiziert, kommt man nicht mehr davon los“
Serie · Summen, Brummen, Hochsommer: Am Lehrbienenstand des Imkervereins Oberwürzbach ist dieser Tage einiges los. Die Ernte läuft auf Hochtouren – doch die asiatische Hornisse macht den Imkern das Leben zunehmend schwer.
23.08.2026 , 12:19 Uhr
Kassenwart Wolfgang Spang (links) und der Vereinsvorsitzende Peter Helmes am Lehrbienenstand außerhalb von Reichenbrunn. Beide sind leidenschaftliche Imker.
Foto: Daniel Bonenberger
Die Sonne steht noch tief an diesem Dienstagmorgen. Mit 25 Grad kündigt sich aber bereits der nächste hochsommerliche Tag an. Peter Helmes ist schon früh auf den Beinen, um am Lehrbienenstand des Imkervereins Oberwürzbach etwas außerhalb von Reichenbrunn nach dem Rechten zu sehen. Helmes ist Imker mit Leib und Seele und steht seit etwas mehr als acht Jahren dem Verein vor: „Bienen sind meine Freunde, sie bedeuten mir viel“, berichtet der Rentner. Sobald man einmal mit der Imkerei angefangen habe, gebe es kein Zurück mehr: „Es ist wie eine Sucht. Ist man einmal infiziert, kommt man nicht mehr davon los.“
Verein blickt auf über 100-jährige Geschichte zurück
Der Imkerverein Oberwürzbach wurde im Jahr 1903 gegründet. Etwas mehr als 40 Mitglieder sind aktuell im Verein aktiv. Neue Mitglieder zu begeistern, sei allerdings schwer: „Junge Leute bleiben häufig nicht bei der Imkerei. Sie fangen voller Begeisterung an und nach wenigen Jahren ist ihnen die Arbeit zu viel“, lautet Helmes’ Erfahrung. Neben der jährlichen Hauptversammlung im Januar treffen sich die Mitglieder mehrmals im Jahr am Lehrstand zum geselligen Beisammensein. Dann werde gegrillt oder einfach nur geplaudert. Außerdem beteilige sich der Verein regelmäßig am Gören- und Lausbubentag sowie am Oberwürzbacher Weihnachtsmarkt: „Dort bieten wir dann selbstverständlich auch unseren Honig an.“ Das Herz des Vereins schlage aber am Lehrbienenstand.
Insgesamt 14 Bienenvölker besitzt der Vereinsvorsitzende Peter Helmes.
Foto: Daniel Bonenberger
Helmes hat 14 Bienenvölker mit Hunderttausenden Bienen
Dort am Lehrstand sind auch Helmes Bienen zu Hause. 14 Völker hält er. Ein Volk zählt circa 60.000 bis 70.000 Tiere. Es handelt sich um die in Deutschland heimische „Carnica“-Biene, die hierzulande am weitesten verbreitete Unterart der westlichen Honigbiene. Am Bienenstand ist derweil einiges los, überall summt und brummt es, fliegen die Tiere kreuz und quer: „Die Bienen sind derzeit etwas hibbelig, weil ich gestern den Honig geerntet habe. Das hat ihnen nicht so gut gepasst“, sagt Helmes und lacht.
Die Erntesaison neigt sich bereits dem Ende zu
Die Zeit der Ernte sei derweil fast vorüber. Über 80 Kilogramm Honig habe der leidenschaftliche Imker in diesem Jahr bereits geerntet: „Das ist eine gute Ausbeute, ich bin in den letzten Zügen.“ Die Imkerei folge dabei festen Zeitplänen. Nach der Überwinterung der Tiere beginnen diese bei rund zwölf Grad zu fliegen. Ende April, Anfang Mai würden die Tiere dann damit starten, den ersten Nektar in den Bienenstock einzutragen: „Mitte Mai blühen hier vor allem die Akazien, Mitte bis Ende Juni die Edelkastanie“, sagt der Vorsitzende. Dann werde der sogenannte Honigraum auf den Bienenstock gesetzt. Irgendwann werde dort mehr Honig abgelagert, als die Bienen selbst zum Überleben benötigten.
In Deutschland werde der Honig hauptsächlich in zwei Zeiträumen geerntet: die Frühtracht von Mitte Mai bis Anfang Juni und die Sommertracht von Mitte bis Ende Juli, weiß Helmes.
60.000 bis 70.000 Bienen zählt ein Volk. Peter Helmes hat 14 Völker. Foto: Daniel Bonenberger
Foto: Daniel Bonenberger
Zu Hause hat Helmes eine große elektrisch betriebene Schleuder, in der er in den vergangenen Tagen und Wochen den Honig geerntet habe: „Früher musste ich von Hand schleudern, das war sehr anstrengend. Die neue Schleuder ist eine große Erleichterung.“
Bienenstiche sind an der Tagesordnung
Wer Angst davor habe, gestochen zu werden, oder stark allergisch gegen das Bienengift sei, für den sei Imkern nichts, sagt Helmes: „Bienenstiche sind völlig normal, ich bin bereit hundertfach gestochen worden.“ Lediglich einen Tag zuvor habe es eine Biene durch den Imkeranzug geschafft, in Helmes langen Bart gekrochen und habe ihn gestochen: „Mir macht das nichts aus, weh tut es jedes Mal, aber nach fünf Minuten ist alles vergessen.“
Diese elektrische Schleuder erleichtert die Honigernte von Peter Helmes ungemein. Früher musste er alles von Hand schleudern.
Foto: Daniel Bonenberger
Zwischenzeitlich ist ein weiteres Vereinsmitglied an den Lehrbienenstand gekommen. Kassenwart Wolfgang Spang (65) hat vor rund fünf Jahren das Imkern für sich entdeckt. Er halte bei sich zu Hause sechs Völker: „Es ist einfach ein schönes Hobby. Mittlerweile beteiligt sich fast meine gesamte Familie am Imkern.“
Asiatische Hornisse bedroht die heimischen Arten massiv
Der Rohrbacher Imker Spang kommt derweil auf die größte Bedrohung zu sprechen, mit der deutsche Imker zu kämpfen hätten und die die Existenz der heimischen Arten gefährde. Die asiatische Hornisse. „Seit drei bis vier Jahren wird das zu einem massiven Problem, die asiatische Hornisse zerstört ganze Bienenvölker. Auch unser Verein hat mit der Hornisse zu kämpfen. Ich schlage jedes Jahr mehrere Hundert von ihnen tot.“ Spang setze dabei auf einen Squash-Schläger, ein wirklich nachhaltiges Mittel habe er aber noch nicht gefunden. Es gebe Versuche mit elektrischen Drahtgestellen oder der „Chemiekeule“ der Plage Herr zu werden. Alleine die Völker hoch oben im Baum zu lokalisieren sei jedoch schon eine Herausforderung. Noch habe der Verein kein Bienenvolk durch die asiatische Hornisse verloren, aber die Gefahr nehme deutlich zu.
Aufgeben sei für die Imker allerdings keine Option, da sind sich Spang und Helmes einig. (schet)