Selbsthilfegruppe Ohrmuschel löst sich auf – Krankenkassen fordern Geld zurück

Anna Krott und Martin Langscheid haben die Gilchinger Ohrmuschel nach zwölf Jahren geschlossen. Die gesetzlichen Krankenkassen haben dem Verein die jährliche Selbsthilfeförderung gestrichen.

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Selbsthilfegruppe Ohrmuschel löst sich auf – Krankenkassen fordern Geld zurück

Stand: 13.07.2026, 16:53 Uhr

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Anna Krott und Martin Langscheid haben die Gilchinger Ohrmuschel nach zwölf Jahren aufgelöst. Die gesetzlichen Krankenkassen haben dem Verein die jährliche Selbsthilfeförderung gestrichen.

Gilching – Sie bezeichnet sich selbst als Inklusionsaktivistin: Anna Krott, 63 Jahre, aus Gilching. 2012 gründete sie mit Martin Langscheid die Selbsthilfegruppe „Gilchinger Ohrmuschel“. Krott und Langscheid sind seit der Kindheit gehörlos und tragen eine Hörprothese. Aus der Selbsthilfegruppe entstand ein Verein. Diesen und die Selbsthilfegruppe haben Krott und Langscheid nun schweren Herzens aufgelöst. „Die bürokratischen Anforderungen sind für Ehrenamtliche nicht mehr zu leisten“, sagt Langscheid.

 Wir sind gut vernetzt. Und ich werde immer für Inklusion kämpfen.

Anna Krott ist wütend. Und es schwingt eine Menge Leidenschaft mit, wenn sie von ihrer Berufung spricht: nämlich die seit 2009 in der ratifizierten UNO-Behindertenrechtskonvention verankerte Inklusion umzusetzen. Diese garantiert die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung an allen gesellschaftlichen Bereichen als Menschenrecht, nicht als Akt der Gnade. „Nicht ich habe die Behindertenkonvention gemacht“, sagt Anna Krott.

Krott wurde 1962 in Franken geboren. Im Alter von vier Jahren erkrankte sie an Masern und verlor ihr Gehör. „Aber als Kind ist man ein Genie, um so etwas zu verbergen“, sagt sie. Ihre Leistungen in der Schule blieben gut. Nur beim Diktat wurde sie schlecht. Es dauerte, bis ein Arzt schließlich das Problem erkannte. Die Eltern waren geschockt, Anna Krott musste in eine Art Heim. Die Eltern waren fort, sie lag mit zig anderen Kindern in Kasernenbetten. Vielleicht weckte dies schon ihre kämpferische Ader. Krott machte den Quali mit 1,0 und lernte den Beruf der Hotelfachfrau. Neben ihrem Job und ihrem Engagement in Sportvereinen, war sie auch immer in Gehörlosenverbänden tätig. 2012 zog sie nach Gilching und gründete dort mit Martin Langscheid die Selbsthilfegruppe.

Krott sieht den Stand der Inklusion im Landkreis kritisch. Zwar würden sehr wohl einige Organisationen Unterstützung vom Landkreis erfahren. Aber Gehörlose und Schwerhörige seien weniger dabei. Dabei gibt es allein in Bayern 2,4 Millionen Menschen, die eine leichte, mittlere oder schwere Hörbeeinträchtigung haben. Über das dennoch Erreichte freut sie sich. Gebärdendolmetscher bei Bürgerversammlungen, Induktionsschleifen im Rathaus und mehr gehen auf das Konto der Ohrmuschel, ebenso eine Videoführung in Gebärdensprache im Kaiserin-Elisabeth-Museum in Possenhofen.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben dem Verein nun die jährliche Selbsthilfeförderung gestrichen und das, was auf der hohen Kante lag, zurückgefordert, erzählen Langscheid und Krott. „Dazu kommen enorme bürokratische Anforderungen, Unterlagen und Dokumente zum Ausfüllen“, sagt Langscheid. Also hätten sie beschlossen, den Verein aufzulösen. Ziele hat Krott dennoch: Sehr gerne möchte sie in Katastrophenschutzgremien mitarbeiten. „Wir müssen für die Menschen mit Behinderung dort mitdenken.“ Und mehr Menschen sollten die Gebärdensprache lernen. „Das ist für alle Seiten gewinnbringend.“ Sie hat tausend Ideen. „Wir sind gut vernetzt. Und ich werde immer für Inklusion kämpfen.“