Sechs Tage, acht Hochschulen: Thüringens Werbetour für die Technikerinnen von morgen
Der Frauenanteil unter den MINT-Studienanfängern hat 2024 mit 36 Prozent einen Höchststand erreicht. Das klingt gut, bis man genauer hinsieht: In der Innenarchitektur sind es 87 Prozent, in der Fahrzeugtechnik nur zehn. Und in der Berufsausbildung liegt der Anteil bei 12 Prozent – kaum mehr als vor zehn Jahren. Gegen dieses Gefälle gibt es im Oktober die 19. CampusThüringenTour – eine Studienreise für 20 Schülerinnen zu acht Thüringer Hochschulen.
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Campus-Tour
Stand: 03.09.2026 13:33 Uhr
Der Frauenanteil unter den MINT-Studienanfängern hat 2024 mit 36 Prozent einen Höchststand erreicht. Das klingt gut, bis man genauer hinsieht: In der Innenarchitektur sind es 87 Prozent, in der Fahrzeugtechnik nur zehn. Und in der Berufsausbildung liegt der Anteil bei 12 Prozent – kaum mehr als vor zehn Jahren. Gegen dieses Gefälle gibt es im Oktober die 19. CampusThüringenTour – eine Studienreise für 20 Schülerinnen zu acht Thüringer Hochschulen.
von MDR WISSEN / RR
Ein gemieteter Bus, sechs Tage, acht Hochschulen: Vom 11. bis 16. Oktober 2026 fährt die CampusThüringenTour zum 19. Mal durch den Freistaat. An Bord sind 20 Schülerinnen ab Klassenstufe 10, die herausfinden wollen, ob ein Studium in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik zu ihnen passt. Veranstalter ist die Thüringer Koordinierungsstelle Naturwissenschaft und Technik, ein gemeinsames Projekt aller acht Hochschulen des Landes mit MINT-Angebot. In dieser Form gibt es das Format nach Angaben der Koordinierungsstelle bundesweit kein zweites Mal.
Zur CampusThüringenTour gehören auch Labor- und Campusführungen.
Treffpunkt ist am Sonntagnachmittag eine Jugendherberge, von Montag bis Freitag steht jeden Tag mindestens ein anderer Hochschulort auf dem Plan, am Freitagnachmittag endet die Woche in Erfurt. Auf dem Programm stehen Vorlesungen, Workshops, Führungen durch Forschungslabore und Gespräche mit Studentinnen. Anmelden kann man sich noch bis zum 1. Oktober, der Teilnahmebeitrag liegt bei 100 Euro, dafür sind Übernachtung, Verpflegung und alle Busfahrten inklusive.
Von 1558 bis 2016
Die Stationen decken die gesamte Spannweite des Thüringer Hochschulwesens ab. Die Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde 1558 gegründet und ist mit rund 16.000 Studentinnen und Studenten die größte des Landes, die Duale Hochschule Gera-Eisenach entstand erst 2016 und lässt Studium und Betrieb im Wechsel laufen. Dazwischen liegen die Technische Universität Ilmenau als einzige technische Universität des Freistaats, die Bauhaus-Universität Weimar, die Ernst-Abbe-Hochschule Jena, die Fachhochschule Erfurt sowie die Hochschulen Nordhausen und Schmalkalden. Geografisch reicht die Woche vom Harzrand bis in den Thüringer Wald.
Wie unterschiedlich diese Häuser sind, zeigt ein Blick in die Statistik des Thüringer Landesamtes. Rechnet man die private Fernhochschule IU heraus, die allein zwei Drittel aller Eingeschriebenen im Land stellt und jeden Landeswert verzerrt, machen Frauen an Thüringens Präsenzhochschulen 51,5 Prozent aller Eingeschriebenen aus. In der Fächergruppe Mathematik und Naturwissenschaften sind es 47,5 Prozent, in den Ingenieurwissenschaften aber nur 27,7 Prozent.
Zwischen den einzelnen Tourstationen klaffen dabei große Lücken: An der Bauhaus-Universität Weimar sind 49,2 Prozent in Ingenieurstudiengängen weiblich, was allerdings auch daran liegt, dass dort die Architektur zu dieser Fächergruppe zählt, an der TU Ilmenau sind es 20,0 Prozent, in Nordhausen 15,2 und am Eisenacher Campus der Dualen Hochschule gerade mal 10,3 Prozent.
Es liegt nicht am Können
Bundesweit sieht es ähnlich aus. Im Studienjahr 2024 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 36 Prozent der Studienanfänger in einem MINT-Fach weiblich – ein Höchststand, zehn Jahre zuvor waren es 31 Prozent. Unter allen Studienanfängern liegt der Frauenanteil dagegen bei 52 Prozent. Frauen studieren also häufiger als Männer, nur eben seltener MINT. Und der Mittelwert verdeckt eine enorme Spreizung: In der Innenarchitektur sind 87 Prozent der Anfänger weiblich, in der Fahrzeugtechnik 10 Prozent. In der Berufsausbildung bewegt sich seit Jahren kaum etwas, dort liegt der Frauenanteil bei 12 Prozent, 2014 waren es 11.
An der Leistung liegt das nicht. Der IQB-Bildungstrend, der die Kompetenzen von Neuntklässlern misst, findet bei Mädchen in Biologie und Chemie besseres Fachwissen als bei Jungen und in Physik keinen bedeutsamen Unterschied. Trotzdem trauen sie sich in Mathematik, Chemie und Physik deutlich weniger zu, und PISA misst bei ihnen mehr Angst vor Mathematik – nicht selten verstärkt von Eltern und Lehrkräften, die Jungen in Technik und Informatik mehr zutrauen. Was dagegen hilft, sind Vorbilder: genau darauf setzt die CampusThüringenTour, in der Studentinnen erzählen, wie es ihnen ergangen ist.