Stille Entmündigung: Zentralbank deckt auf, wie SB-Kassen Kunden das Bargeld austreiben
tzVerbraucherSchein in der Hand, doch die Kasse will nicht: SB-Kassen drängen Bargeld leise aus dem AlltagStand: 17.08.2026, 21:44 UhrKommentareUns auf Google folgenImmer mehr SB-Kassen verweigern Bargeld – und...
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Schein in der Hand, doch die Kasse will nicht: SB-Kassen drängen Bargeld leise aus dem Alltag
Stand: 17.08.2026, 21:44 Uhr
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Immer mehr SB-Kassen verweigern Bargeld – und das ist erst der Anfang. Die EZB warnt vor einem Trend, der Kunden europaweit betrifft und Folgen haben könnte.
Frankfurt – Man greift in die Geldbörse, zückt einen Schein – und steht vor einer Kasse, die Münzen und Scheine gar nicht mehr annimmt. Was wie eine Ausnahme klingt, wird für immer mehr Verbraucher in Europa zur Realität. Denn hinter der offiziellen Kulisse der Bargeldfreundlichkeit vollzieht sich ein schleichender Wandel – und die Europäische Zentralbank (EZB) schlägt jetzt Alarm.

Die Zahlen klingen zunächst beruhigend: Laut einer aktuellen EZB-Studie akzeptieren 92 Prozent aller Unternehmen im Euroraum Bargeld – zwei Prozentpunkte mehr als noch 2024. Für die Erhebung befragte die Notenbank zwischen Februar und April 2026 insgesamt 8205 Betriebe aus allen 21 Euro-Ländern, darunter 904 Unternehmen aus Deutschland. Doch hinter dieser positiven Zahl verbirgt sich ein Problem, das viele Kunden bereits am eigenen Geldbeutel spüren.
SB-Kassen als Treiber der Bargeldverdrängung: Unternehmen setzen auf kontaktloses Bezahlen
13 Prozent der befragten Unternehmen im Euroraum betreiben bereits Selbstbedienungskassen (SB-Kassen). Von diesen Unternehmen akzeptiert fast die Hälfte (48 Prozent) an keiner einzigen ihrer SB-Kassen noch Bargeld. Gleichzeitig gab ein Viertel aller Befragten an, gezielt in bargeldlose Kassensysteme investiert oder klassische Kassen mit Bargeldoption abgebaut zu haben. Parallel dazu explodiert das mobile Bezahlen: Der Anteil der Unternehmen, die Zahlungen per Smartphone oder Smartwatch annehmen, hat sich von 36 Prozent im Jahr 2024 auf inzwischen 68 Prozent fast verdoppelt, wie Focus Online berichtet.
Die EZB formuliert ihre Warnung in klaren Worten: „Auch wenn die meisten Unternehmen Bargeld akzeptieren und dies auch so kommunizieren, könnte die wahrgenommene Akzeptanz von Bargeld bei den Verbrauchern sinken, da die Unternehmen die Bequemlichkeit des Barzahlens eingeschränkt haben.“
Wie stark der Trend zum Bargeld-Aus ist, hängt stark vom jeweiligen Land ab. In Zypern kann sich die Hälfte der Betriebe (51 Prozent) vorstellen, künftig komplett auf Scheine und Münzen zu verzichten. In Griechenland sind es 23 Prozent, in Bulgarien 18 Prozent.
Deutschland hält – noch – am Schein fest: EZB fordert politisches Handeln
Deutschland zeigt sich deutlich resistenter: Weniger als zehn Prozent der hiesigen Unternehmen planen, Bargeld ganz abzuschaffen, wie Handelsblatt und t-online übereinstimmend berichten. Nach einer Schätzung von t-online, die nicht aus der EZB-Erhebung stammt, gibt es in Deutschland derzeit rund 11.120 Geschäfte mit SB-Kassen – Tendenz steigend.
Die Notenbank sieht die Entwicklung nicht tatenlos. Sie fordert Behörden auf, rechtzeitig einzugreifen und sicherzustellen, dass Bargeld in allen Branchen und Ländern eine einfach nutzbare und attraktive Bezahloption bleibt. Denn wer heute eine SB-Kasse aufstellt, die nur Karte akzeptiert, schränkt faktisch das Recht auf Barzahlung ein – auch wenn offiziell kein Verbot besteht. (Quellen: Focus Online, Europäische Zentralbank, t-online, Handelsblatt) (nmr)