Russland-Fehler 2.0? Warum ein CDU-Politiker jetzt Ausgleichszölle gegen China fordert
Laut Johannes Volkmann verschwinden monatlich zehntausend bis fünfzehntausend Industriejobs. Der CDU‑Bundestagsabgeordnete fordert Ausgleichszölle, bevor Peking den nächsten Hebel zieht.
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Stand: 20.08.2026, 08:09 Uhr
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Laut Johannes Volkmann verschwinden monatlich zehntausend bis fünfzehntausend Industriejobs. Der CDU‑Bundestagsabgeordnete fordert Ausgleichszölle, bevor Peking den nächsten Hebel zieht.
Berlin – Deutschland verliert derzeit zehntausend bis fünfzehntausend Industriearbeitsplätze pro Monat. Nach Einschätzung von Volkmann geht ein erheblicher Teil davon auf das Konto chinesischer Überkapazitäten und unfairen Wettbewerbs. Diese Zahl allein müsste in Berlin und Brüssel Alarm auslösen, doch die politische Reaktion bleibt zäh.
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CDU-Bundestagsabgeordneter Johannes Volkmann fordert nun ein Ende dieser Zurückhaltung. Er zieht eine unbequeme Parallele: Was Deutschland mit Russland durchgemacht hat, drohe sich mit China zu wiederholen, nur diesmal mit noch größerer wirtschaftlicher Wucht.

Die Abhängigkeit von russischem Gas habe Deutschland teuer zu stehen gekommen, wirtschaftlich wie gesellschaftlich, und genau dieses Muster sieht Volkmann sich nun im Verhältnis zu China wiederholen.
China-Schock 2.0 als Belastung für Deutschlands Kernindustrien
Volkmann beruft sich im Podcast von Bild-Vize Paul Ronzheimer auf den sogenannten China-Schock 2.0. Die Diagnose ist eindeutig: Dort, wo chinesische Hersteller Marktanteile gewinnen, verlieren deutsche Hersteller, so Volkmann laut BILD.
Frankreichs Regierung geht davon aus, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre 50 Prozent der französischen und 70 Prozent der deutschen Industriearbeitsplätze auf der Kippe stehen könnten. Das ist keine abstrakte Bedrohung für Nischenbranchen.
Es geht um jene Sektoren, in denen deutsche Konzerne traditionell ihre Stärke ausspielen: Maschinenbau, Automobilzulieferer, Elektrotechnik. Genau dort baut China seine Exporte aus, wobei staatliche Subventionen in mehreren dieser Bereiche eine Rolle spielen, während gleichzeitig chinesische Importe aus Deutschland einbrechen.
Volkmann beschreibt diesen doppelten Effekt als Verdrängungswettbewerb auf Kosten Deutschlands, bei dem China einerseits immer stärker jene Produkte exportiert, in denen deutsche Industrien traditionell stark waren, und andererseits als Absatzmarkt für deutsche Waren zunehmend wegbricht.
Subventionen als Waffe im Handelskrieg
Volkmann macht laut Deutschlandfunk klar, dass es sich nicht allein um chinesische Innovationskraft handelt. Peking verzerre den Markt bewusst über Subventionen, um eigenen Firmen einen unfairen Vorteil zu verschaffen. Seine Forderung: Chinesische Unternehmen sollen von deutschen Fördertöpfen wie der E-Auto-Prämie ausgeschlossen werden, solange diese Praxis anhält.
Ausgleichszölle seien der logische nächste Schritt, auch wenn sie kurzfristig schmerzen. Es gebe keine kostenarmen Maßnahmen, so Volkmann. Es gibt nicht den einen magischen Pfeil, den man schießen kann, sagte er wörtlich im Ronzheimer-Podcast. Jeder Ausstieg aus der Abhängigkeit bringt wirtschaftliche und politische Kosten mit sich, für Verbraucher wie für Parteien, die sich China entgegenstellen.
Volkmann formuliert seine Position dennoch unmissverständlich: Er sei überzeugt, dass Deutschland diesen Weg gehen müsse, weil Unterlassen am Ende noch deutlich höhere Kosten für die Volkswirtschaft nach sich ziehen werde. Diese Abwägung, kurzfristiger Schmerz gegen langfristige Vermeidung höherer Kosten, bildet den argumentativen Kern seiner Position und macht zugleich deutlich, dass er sich über den politischen Preis seiner Forderung im Klaren ist.
Pekings Gegenschlag ist einkalkuliert
Der CDU-Politiker rechnet mit chinesischen Vergeltungsmaßnahmen, die gezielt die europäische Öffentlichkeit einschüchtern sollen. Er geht davon aus, dass China im ersten Schritt mit Vergeltungsmaßnahmen auf europäische Handelsverteidigungsmaßnahmen reagieren wird, die vermutlich so massiv ausgelegt sind, dass sie versuchen, die europäische Öffentlichkeit einzuschüchtern und von einer konsequenten Umsetzung abzubringen.
Trotzdem plädiert er für Härte statt Abwarten: Das Problem ähnle der Russland-Abhängigkeit, bei der Deutschland immer weiter auf den Baum hinaufgeklettert sei, statt rechtzeitig herunterzuklettern. Volkmann warnt ausdrücklich davor, sich von düsteren Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute lähmen zu lassen.
Wichtig sei, nicht in Angststarre zu verharren, sondern die drohenden Szenarien als Motivation zu begreifen, zügig eine Schubumkehr in der China-Politik einzuleiten.
Sein strategisches Argument: Europa gehört zu den wichtigsten Exportmärkten für China. Weil Donald Trump mit hohen Zöllen den Zugang chinesischer Waren zum US-Markt stark eingeschränkt hat, spielt Europa als Absatzmarkt für China eine noch größere Rolle und Peking will diesen Absatzkanal nicht verlieren. Diesen Hebel gelte es, endlich zu nutzen, statt ihn ungenutzt verpuffen zu lassen.
Business Punk Check
Die Rhetorik von der eigenen Stärke klingt gut, verschleiert aber ein Kernproblem: Ausgleichszölle sind kein kostenloses Druckmittel, sondern eine Wette mit ungewissem Ausgang. Volkmann selbst räumt ein, dass es keine kostenarmen Maßnahmen gibt, und genau hier trennt sich politische Symbolik von unternehmerischer Realität.
Für exportabhängige Mittelständler bedeutet das: Für Unternehmen mit starkem China-Geschäft stellt sich die Frage, wie Szenarien für mögliche Vergeltungszölle aussehen könnten. Für Zulieferer in Kernindustrien wie Automobil oder Maschinenbau stellt sich die Frage, wie abhängig die eigene Lieferkette von chinesischen Vorprodukten tatsächlich ist.
Die Standortfrage wird zum Politikum, nicht mehr nur zur Kostenkalkulation. Wer glaubt, Handelspolitik sei Sache der Diplomaten, hat die letzten drei Jahre verschlafen.