Huthi-Vormarsch: Rotes Meer als neues Faustpfand für Teheran
Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen haben am Freitag ihre Kontrolle der Meerenge Bab al-Mandab am Roten Meer stark ausgeweitet. Laut Angaben jemenitischer Regierungsvertreter konnte die Miliz alle vier wichtigen Inseln in Bab al-Mandab und die gesamte Westküste des Jemen unter Kontrolle bringen. Die für den weltweiten Ölhandel wichtige Schifffahrtsroute durch die Meerenge könnte für den Iran zusätzlich zur Straße von Hormus zu einem wichtigen Faustpfand in den Verhandlungen mit den USA w
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Huthi-Vormarsch
Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen haben am Freitag ihre Kontrolle der Meerenge Bab al-Mandab am Roten Meer stark ausgeweitet. Laut Angaben jemenitischer Regierungsvertreter konnte die Miliz alle vier wichtigen Inseln in Bab al-Mandab und die gesamte Westküste des Jemen unter Kontrolle bringen. Die für den weltweiten Ölhandel wichtige Schifffahrtsroute durch die Meerenge könnte für den Iran zusätzlich zur Straße von Hormus zu einem wichtigen Faustpfand in den Verhandlungen mit den USA werden.
Online seit gestern, 21.07 Uhr
(Update: gestern, 23.03 Uhr)
Ein Sprecher der iranischen Revolutionsgarde bezog sich am Freitag erstmals auf die aktuellen Ereignisse und betonte, eine Verhandlungslösung mit den USA müsse auch den Jemen beinhalten. Der iranische Vizepräsident Mohammed Resa Aref gratulierte den Huthis zudem zum Vormarsch.
Laut der „New York Times“ verleihe die Einnahme der Meerenge durch die Huthis dem Krieg zwischen den USA und dem Iran jedenfalls eine neue Dimension. Denn die Islamisten seien nun in der Lage, den Schiffsverkehr in der Meerenge zu stören. Teheran könnte das wiederum in den Verhandlungen mit den USA nutzen und von Washington größere Zugeständnisse fordern.
Die Huthi-Rebellen selbst behaupteten am Freitag, es gebe keinen Anlass zur Sorge um die Sicherheit der Schifffahrt. Die Miliz bekräftigte aber auch die von ihr ausgerufene Seeblockade gegen saudi-arabische Schiffe, die sie seit Juli im Roten Meer angreift.
Mit dem Vormarsch der Rebellen nahm nach Angaben des Datenanalyseunternehmens Kpler der Schiffsverkehr im Roten Meer leicht ab. Durchschnittlich 37 Schiffe passierten zuletzt täglich die Meerenge Bab al-Mandab, im Vergleich zu knapp 47 Passagen Mitte Juli, wie aus Daten des Anbieters hervorging.
Jemen: Huthis nahmen Insel Perim ein
Neben den beiden Hanisch-Inseln und der Insel Sukar soll die vom Iran unterstützte Miliz am Freitag auch die strategisch wichtige Insel Perim unter ihre Kontrolle gebracht haben. Das sagte ein Armeevertreter der Nachrichtenagentur AFP. Damit würden die Huthis alle vier Inseln in der Meerenge Bab al-Mandab kontrollieren. Laut jemenitischen Regierungsangaben nahm die mit dem Iran verbündete Miliz zudem die gesamte Westküste des Landes ein.
Riad: Ost-West-Pipeline nach Angriffen geschlossen
Die Huthi-Rebellen sind im andauernden Bürgerkrieg im Jemen, in dem Saudi-Arabien die international anerkannte Regierung unterstützt, seit Tagen auf dem Vormarsch. Erst am Donnerstag nahmen sie den Küstenort Dhubab und die wichtige Hafenstadt Mokka ein. Am Freitag gab es laut Huthi-Angaben dann saudi-arabische Angriffe auf Mokka.
Die saudi-arabischen Behörden gaben am Freitag zudem bekannt, die Ost-West-Pipeline in den Regionen Riad und Medina nach Angriffen vorsorglich zu schließen. Bei den Angriffen am Donnerstag seien einige Menschen verletzt worden, sagte ein Vertreter des Energieministeriums am Freitag der Nachrichtenagentur SPA. Das saudische Außenministerium teilte auf der Plattform X mit, bei dem Drohnenangriff, der aus dem Irak gestartet worden sei, seien mehrere Menschen verletzt worden.
Wer hinter dem Angriff steckt, teilte das Ministerium jedoch nicht mit. Im Irak operieren aber einige vom Iran unterstützte Milizen. Die mehr als 1.200 Kilometer lange Pipeline war Berichten zufolge bereits Ende Juli von Verbündeten des Iran vom Irak aus attackiert worden. Seit Beginn des Krieges in der Golfregion hat Riad die Nutzung dieser Pipeline, die Abkaik nahe dem Golf mit dem Hafen Janbu am Roten Meer verbindet, ausgeweitet, um die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran zu umgehen.
Mitschitz: Problem für Welthandel „verdoppelt“
Andreas Mitschitz (ORF) spricht über die Auswirkungen des Vormarschs der mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen. Das Problem für den Welthandel habe sich durch die Huthi-Kontrolle der Meerenge Bab al-Mandab „verdoppelt“.
Schwere Niederlage für Riad
Für Riad ist das rasche Vorrücken der Huthis, die auch immer wieder saudisches Terrain angreifen, ein schwerer Rückschlag – auch, aber nicht nur wegen der drohenden Sperre der Ölexportroute. Riad unterstützt im jemenitischen Bürgerkrieg seit Jahren die international anerkannte Regierung, deren Truppen nun binnen weniger Tage schwere Gebietsverluste erlitten und offenbar kaum Widerstand leisteten. Zehntausende Menschen wurden laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) durch die jüngsten Kämpfe vertrieben.
Die Angriffe der Huthi-Rebellen werden laut von der Nachrichtenagentur AFP zitierten Insidern direkt von der iranischen Revolutionsgarde gesteuert. Ziel sei es, eine neue Front im Konflikt mit den USA zu eröffnen. Der Iran habe den Huthi-Rebellen vergangene Woche befohlen, ihre Angriffe zu intensivieren, und dafür finanzielle Hilfe, Waffen und Berater zugesagt, sagten zwei iranische Insider. Teheran bestreitet jedoch eine militärische Einflussnahme.
Bericht: Trump wies saudische Bitte um Hilfe zurück
Der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman drängte US-Präsident Donald Trump einem Medienbericht zufolge vergeblich zu Militärschlägen gegen die Huthi-Rebellen. Der Kronprinz habe Trump noch am Donnerstag zweimal angerufen und zu Angriffen auf die vom Iran unterstützte Miliz aufgefordert, berichtete das Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf zwei US-Regierungsvertreter am Freitag. Trump habe die Bitte jedoch abgelehnt.
Die US-Regierung beabsichtige derzeit nicht, direkt militärisch gegen die Huthis vorzugehen, und wolle sich auf den Konflikt mit dem Iran konzentrieren. Eine Stellungnahme der USA und Saudi-Arabiens lag zunächst nicht vor.
Die USA sind dem Axios-Bericht zufolge zwar über den wieder eskalierenden Konflikt im Jemen besorgt und weiteten ihre Unterstützung für Saudi-Arabien aus. Sie wollten jedoch eine direkte militärische Beteiligung vermeiden. US-Vertreter hätten Saudi-Arabien in den vergangenen Wochen signalisiert, dass Präsident Trump den Fokus auf den Iran und die Sicherung der Straße von Hormus richten und die Eröffnung einer weiteren militärischen Front vermeiden wolle.
Ölpreis nach starkem Anstieg wieder gesunken
Die Ölpreise stiegen aufgrund der Ereignisse zunächst stark. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee erreichte zeitweise fast 110 US-Dollar (95 Euro). Gegen Handelsschluss am Freitag ging der Preis zeitweise auf 104 Dollar (90 Euro) zurück.