Rhein in Mumbai: Hessen will mit der indischen Börse kooperieren
Was die Millionenstadt Mumbai mit Frankfurt verbindet, soll zu einer Zusammenarbeit ausgeweitet werden. Kritische Fragen zu einer am Samstag zu Ende gegangenen Reise der Landesregierung hat nun die FDP im Landtag.
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Als Beginn einer langfristigen Partnerschaft sieht der hessische Ministerpräsident Boris Rhein seine Delegationsreise nach Indien. Begleitet von Manfred Pentz (CDU), dem Minister für Internationales, und mehr als
20 Vertretern der Wirtschaft, führte der Unionspolitiker in der vergangenen Woche in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi und in der Finanzmetropole Mumbai politische Gespräche.
In unterschiedlichen Formaten knüpften und pflegten hessische und indischen Unternehmer persönliche Kontakte. In der Hauptstadt traf Rhein sich mit Wirtschaftsminister Piyush Goyal und Arbeitsminister Jayant Chaudhary. Dabei ging es zunächst um das Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit Indien, das aller Voraussicht nach in der ersten Hälfte 2027 in Kraft tritt.
Das EU-Indien-Abkommen erleichtere Zusammenarbeit und stabilisiere Lieferketten, sagte Rhein. Es sei nicht nur die Antwort auf die amerikanische Zollpolitik, sondern befreie auch von einseitigen Abhängigkeiten und eröffne neue Exportchancen vor allem für die Branchen Pharma, Chemie und Maschinenbau, für die Weinwirtschaft und für Automobilzulieferer.
Rhein wünscht sich „privilegierte Partnerschaft“
Bei seinem Treffen mit dem Arbeitsminister regte Rhein eine „privilegierte Partnerschaft“ zur Gewinnung von Fachkräften an. Er schlug vor, die Prozesse zur Anerkennung von Abschlüssen indischer Fachkräfte zu digitalisieren, zu standardisieren und zu zentralisieren.

Die Finanzmetropole Mumbai war wegen der vielen Gemeinsamkeiten mit der Stadt Frankfurt eine Station der Reise. Rhein besuchte die Börse NSE und warb für eine stärkere Vernetzung der Finanzmärkte. Indien sei einer der dynamischsten Finanzmärkte der Welt und ein zentraler Partner für Hessen. Mumbai und die Rhein-Main-Region mit ihren Schwerpunkten in Finanzwesen, Digitalisierung und Pharma passten perfekt zueinander. Sein Ziel sei eine engere Kooperation des deutschen Finanzplatzes mit der größten Börse Indiens. „Mumbai ist das Tor zu Indien, Frankfurt ist das Tor zu Europa.“
Mumbai gehört zu dem 130 Millionen Einwohner zählenden Bundesstaat Maharashtra. Mit dessen Chief Minister Devendra Fadnavis unterzeichnete Rhein eine gemeinsame Absichtserklärung. Damit sollen die Weichen für verlässliche Lieferketten, mehr Resilienz, technologischen Fortschritt und mehr Wachstum gestellt werden.
Für Unternehmen in Hessen öffne sich damit das Tor zu einem der am schnellsten wachsenden Märkte der Welt, meinte Rhein. Gleichzeitig könne Maharashtra vom technologischen Know-how und den globalen Vernetzungen des Rhein-Main-Gebiets profitieren. Das Ziel bestehe darin, die Stärken künftig in konkreten, gemeinsamen Projekten zu bündeln und die bilaterale Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen weiter zu vertiefen. „In Zeiten geopolitischer Umbrüche schaffen wir damit eine direkte wirtschaftliche Achse zwischen Europa und Indien“, sagte Rhein in einer Bewertung der Reise, die am Samstag zu Ende ging. Hessen sei der ideale Standort für indische Banken, die in Europa tätig werden wollten.
FDP vermisst Mansoori
Die FDP-Fraktion im Landtag stellt in einer parlamentarischen Anfrage fest, dass Pentz in Indien gewesen sei und nicht Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD), zu dessen Aufgaben die Außenwirtschaft gehöre. Das Ministerium bezeichne Delegationen und Informationsreisen selbst als Instrumente zur Erschließung neuer Auslandsmärkte, heißt es in der „Vorbemerkung“ des Fraktionschefs Stefan Naas. Mit einem Katalog von zehn schriftlichen Fragen will er klären lassen, wie der Sozialdemokrat seine Zuständigkeit für die Außenwirtschaft persönlich wahrnehme.
Naas fragt, warum nicht Mansoori, sondern Pentz die Wirtschaftsdelegation geleitet habe. Außerdem erkundigt er sich beispielsweise nach der Abgrenzung der Zuständigkeiten bei außenwirtschaftlichen Delegationsreisen innerhalb der Landesregierung.
Naas möchte auch wissen, welche Auslandsreisen Mansoori seit seinem Amtsantritt persönlich mit dem Ziel der Stärkung des hessischen Außenhandels unternommen habe und welche er noch plane. Angesichts der Fragestellung wird mit einer gemeinsamen Antwort der Staatskanzlei und des Wirtschaftsministeriums gerechnet.