Rettungsdienste seilen sich 15 Meter an Felswand ab
Rund 25 Rettungshelfer aus Mittelhessen haben am Bilstein im Vogelsberg den Einsatz im unwegsamen Gelände geübt. Die Bergwacht Schotten leitete drei Stationen – darunter das Abseilen an einer Felswand und den Transport von Verletzten bergauf.
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Stand: 01.09.2026, 18:00 Uhr
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Rund 25 Rettungshelfer aus Mittelhessen haben am Bilstein im Vogelsberg den Einsatz im unwegsamen Gelände geübt. Die Bergwacht Schotten leitete drei Stationen – darunter das Abseilen an einer Felswand und den Transport von Verletzten bergauf.
Schotten – Von der prächtigen Aussicht auf den Vogelsberg und bis weit in die Wetterau hinein, ist zunächst nicht viel zu sehen gewesen. Erst später klarte der Himmel auf. Der Bilstein, das markanteste Basaltmassiv des Vulkangebirges, lag in dichten Nebelschwaden, als eine Gruppe von rund 25 Rettungshelfern und Aktiven der Schottener Bergwachtbereitschaft ihren Übungstag begann.

Veranstalter der Fortbildung war der Förderverein Notfallmedizin Mittelhessen und kompetenter Partner die erfahrenen Bergretter aus dem Vogelsberg. Wie Martin Caspari, Bereitschaftsarzt der Bergwacht mitteilte, sollte mit dem Übungstag die gemeinsame Stärke von ehren- und hauptamtlichen Hilfseinrichtungen unterstrichen werden.
Aktuell gibt es dazu die Kampagne „Füreinander da. Miteinander stark.“ des Rettungsdienstes Mittelhessen des Deutschen Roten Kreuzes und der Bergwacht Hessen.
Bergrettung
Die Bergrettung ist im Rettungsdienstplan des Landes Hessen fest verankert. Ihre spezielle Aufgabe ist es, Menschen in Bergnot und medizinischen Notfallsituationen im unwegsamen Gelände transportfähig zu machen und unter fach- und sachgerechter Betreuung bis zur Übergabe an den bodengebunden Rettungsdienst oder die Luftrettung zu versorgen. Rund drei Jahre dauert die Ausbildung für ehrenamtliche Bergwachtkräfte, um bei der Bergrettung eingesetzt zu werden, wie Bereitschaftsarzt Martin Caspari mitteilt.
Experten in schwierigem Gelände
Die Aktiven der ehrenamtlichen Organisation brauchten sich hinsichtlich ihrer Professionalität nicht zu verstecken, wie im Laufe des Übungstages deutlich wurde. Sie sind Experten im unwegsamen Gelände, so wie es der Bilstein und sein Umfeld an einem steil abfallenden Hang reichlich bietet.
Das räumte anerkennend auch Dennis Humburg, der Vorsitzende des vor gut drei Jahren gegründeten Fördervereins Notfallmedizin Mittelhessen ein. „Wir sind der Bergwacht dankbar, dass sie mit ihrem Fachwissen unterstützt und auch die ganze Organisation des Übungstages übernommen hat.“ Gemeinsame Fortbildungen von Rettungsorganisationen aus den drei Landkreisen Vogelsberg, Gießen und Marburg seien immer mit großem Aufwand verbunden.
Am Bilstein waren für die Teilnehmer drei Übungsstationen vorbereitet worden. Am anforderungsreichsten war eine Abseilübung an einer rund 15 Meter hohen Felswand des Bilsteins. Hier gab als ausgewiesener Experte Andreas Kölsch von der Windenrettung Hessen (Egelsbach) fachliche Tipps, was alles beim Abseilen zu beachten ist.
Zunächst wurden die Sitzhaltegurte angelegt und danach erfolgte die Sicherung über eine System von Karabinern, Knoten und einem langen Seil, das im Gestein fest verankert wurde.
„Wichtig ist, dass das Sicherungsseil gespannt ist. Dann darauf achten, dass man sich zurücklehnt, mit dem Gesäß ins Tal“, so der ausgebildete Luftretter. „Zum Abstützen von der Wand könne man die flachen Hände benutzten und vor allem die breit aufgesetzten Füße. „Sie geben einen festen Halt“, so der Ausbilder. In dieser Stellung kann man sich sicher „Fuß auf Fuß“ nach unter bewegen.
Für die Rettungsdienstler war das Training im Felsmassiv Neuland, wie auch die beiden anderen Übungsstationen. Neben dem Basaltmassiv geht das angrenzende Waldgelände am Bilstein steil bergab. Hier war – so das Übungsszenario – ein Pilzesammler gestürzt und hatte sich eine Fraktur am linken Unterschenkel zugezogen.

Aufgabe war es, den Patienten, der bereits erstversorgt war, auf eine Gebirgstrage zu legen und mit den Haltegurten zu fixieren. Anschließend musste er ca. 20 Meter hangaufwärts gebracht werden – eine Aufgabe, die sichtlich viel Krafteinsatz der Retter in Anspruch nahm.
Wichtig waren nicht zuletzt die gemeinsame Absprache und klare Kommandos. In unmittelbarer Nähe, auf dem Wanderpfad, der steil hinauf zum Bilstein führt, hatte ein 80 Kilogramm schwerer Trailläufer einen Zusammenbruch erlitten und musste ebenfalls geborgen werden.
Auch hier kam für die Rettungsgruppe eine Gebirgstrage zum Einsatz, die – nach Fixierung des Patienten – auf dem schmalen, von Büschen und Felsen eingesäumter Pfad zum Fuß des Felsmassivs gezogen beziehungsweise geschoben werden musste.
Schnelle Entscheidungen
Wie Aida Müller und Martin Diehlmann von der Bergwachtbereitschaft betonten, komme es in dieser Situation darauf an, schnell Entscheidungen zu treffen. Angesichts des langen Transportweges bis zur Übergabe des Patienten an einen Rettungswagen (RTW) ergebe sich ein gewisser Zeitdruck. „Hier zählt die Zeit“, so die beiden Retter. „Der Patient muss aus dem Gelände raus, da tritt die weitere medizinische Versorgung zunächst in den Hintergrund.“
Für den zweiten Teil des Übungstages wurde der Standort zum Hoherodskopf mit der Unterkunft der Bergwacht gewechselt. Hier standen eine gemeinsame Luftrettungsübung auf dem Programm sowie auf dem Aufsprunghang der früheren Sprungschanze Übungen zum sicheren Bewegen im Gelände.