„Rente wird nicht sicherer“: Arbeitgeber-Chef mahnt kapitalen Denkfehler bei Merz‘ Rentenreform an
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Stand: 25.07.2026, 11:28 Uhr
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Die Merz-Regierung will die Rente im großen Stil reformieren. Arbeitgeber-Chef Dulger warnt vor einem großen Fehler. Es müssten Korrekturen gemacht werden.
Berlin – Kanzler Friedrich Merz will die Rente massiv reformieren. Das bislang vorrangig auf die staatliche Rente fixierte System soll durch andere Säulen ergänzt werden. Doch der Systemswitch droht zur nächsten Kostenfalle zu werden. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger warnt vor zusätzlichen zweistelligen Milliardenkosten durch die Reform.

„Und dafür klopft sich die Regierung auf die Schulter“, sagte Dulger der dpa über den drohenden Kostenschock. Während Bärbel Bas (SPD) und Friedrich Merz (CDU) die Expertenvorschläge zur Rente komplett und ohne Ausnahmen umsetzen wollen, drängt der Arbeitgeberpräsident seinerseits zu Korrekturen.
Rente vor der großen Reform: Arbeitgeber mahnen großen Fehler an
Die größte Kritik äußert Dulger an der Form der geplanten Kapitalrente. Für die sollen Arbeitgeber und Beschäftigte zusätzlich zum normalen Rentenbeitrag zwei Prozent des Bruttoeinkommens zahlen. Dieser Beitrag soll nach einer 2028 beginnenden Übergangsphase voll greifen. Davon soll Kapital in individuellen Versichertenkonten aufgebaut werden, angelegt auf dem Kapitalmarkt. Ab 2040 soll durch die erwirtschafteten Erträge das Rentenniveau steigen, sogar über den heutigen Wert von 48 Prozent.
Bereits nach Vorstellung der Pläne hatte Dulger vor einer Mehrbelastung von mehr als 40 Milliarden Euro pro Jahr für Unternehmen und Beschäftigte gewarnt. Zwar lobt der Arbeitgeberchef prinzipiell den Plan, die kapitalgedeckte Altersvorsorge zu stärken, aber: „Wer eine kapitalgedeckte Säule aufbauen will, muss die Beitragsbelastung dafür an anderer Stelle senken, anstatt Arbeitgeber und Beschäftigte immer weiter zu belasten.“ Im Klartext meint Dulger: „Die Rente wird nicht sicherer, wenn wir Arbeit teurer machen“.
Ebenfalls scharf kritisiert der Vorsitzende der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände den Plan, Steuer- und Sozialversicherungsfreiheit der Minijobs im Grundsatz abzuschaffen. „Ich beschäftige selbst Minijobber“, sagte der Heidelberger Unternehmer. Darunter seien einige Rentner, sie wollten dazuverdienen, zum Team gehören und kämen einmal die Woche. „Denen soll mal jemand erklären, dass ihre Arbeit abgeschafft gehört“, sagte Dulger. „Minijobs verdrängen keine regulären Stellen.“ Sie seien insbesondere ein wirksames Instrument gegen Schwarzarbeit.
Generell zeigt sich Dulger zwar „dankbar für die Arbeit der Kommission, und die Koalition soll sie umsetzen“. Das komplexe Paket dürfe dabei aber nicht einfach durchgewinkt werden. „Vielmehr müssen noch einige Korrekturen vorgenommen werden. Ein Parlament ist schließlich kein Notariat.“ Merz und Bas hatten nach Entgegennahme des Abschlussberichts der Kommission im Juni angekündigt, die Elemente des Reformvorschlags eins zu eins umsetzen zu wollen. „Sie bilden ein Gesamtkonzept, das nur in seiner Gesamtheit funktioniert“, so der Kanzler. (dpa/rjs)