Rente mit 63 abschaffen? Bundesländer im Osten laufen Sturm gegen das Vorhaben

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Rente mit 63 abschaffen? Bundesländer im Osten laufen Sturm gegen das Vorhaben

Stand: 06.08.2026, 21:58 Uhr

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Die Rente mit 63 soll nach dem Willen der Bundesregierung abgeschafft werden. Doch es regt sich heftiger Widerstand – besonders aus dem Osten Deutschlands.

Berlin – Die von der Rentenkommission empfohlene Abschaffung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren (Rente mit 63) entwickelt sich zum zentralen Konfliktpunkt der aktuellen wirtschaftspolitischen Debatte und zum Aufreger in der Sommerpause, wie das ZDF berichtete. Während die Bundesregierung auf Konsolidierung setzt, formiert sich in den ostdeutschen Bundesländern massiver politischer Widerstand. Eine datengestützte Analyse der Rentenbiografien zeigt auch, dass die Bundesländer tatsächlich regional unterschiedlich betroffen sind.

Zwei ältere Menschen blicken von der Seebrücke Graal-Müritz auf die Ostsee

Die „Rente mit 63“ steht vor dem Aus. © Philip Dulian/dpa

Ostdeutsche Ministerpräsidenten könnten gesamte Rentenreform kippen

Die ostdeutschen Ministerpräsidenten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg haben hierzu eine klare Vetoposition eingenommen. Sie drohen damit, das gesamte Gesetzgebungsverfahren zu blockieren, sollte die Bundesregierung an den Plänen zur Abschaffung dieser Rentenform festhalten.

Dass der schärfste Widerstand aus den neuen Bundesländern kommt, ist ökonomisch und strukturell begründet. Daten des aktuellen Rentenversicherungsberichts der DRV belegen, dass die Erwerbsbiografien im Osten deutlich kontinuierlicher verlaufen als im Westen. In keinem anderen Teil der Republik erreichen so viele Arbeitnehmer die magische Grenze von 45 Beitragsjahren.

Bei Männern gibt es kein großes Ost-West-Gefälle, bei den Frauen schon

Bei der Betrachtung der männlichen Rentner zeigt sich auf den ersten Blick ein überraschend homogenes Bild zwischen Ost und West. Fokussiert man die eng gefassten Beitragsjahre, besetzen die ostdeutschen Bundesländer Sachsen und Thüringen mit jeweils 51,0 Prozent sowie Sachsen-Anhalt mit 50,2 Prozent zwar die Spitzenplätze. Allerdings folgen westdeutsche Flächenländer wie Baden-Württemberg (48,8 Prozent) und Rheinland-Pfalz (47,9 Prozent) mit nur geringem Abstand.

Die tatsächlichen Unterschiede zeigen sich bei den weiblichen Erwerbsbiografien. Hier offenbart der Ost-West-Vergleich eklatante Unterschiede bei den Beitragsjahren. In den fünf ostdeutschen Flächenländern erreichen zwischen 20 und 25 Prozent der Rentnerinnen die 45-Jahre-Schwelle. Spitzenreiter sind Thüringen mit 23,5 Prozent und Sachsen mit 23,4 Prozent. Im Westen liegt dieser Wert meist unter der 15-Prozent-Marke, in Bremen beträgt er lediglich 9,4 Prozent.

Diese Zahlen spiegeln die ungleichen Gesellschafts- und Arbeitsmarktmodelle der Vergangenheit wider. Während in der DDR die Vollzeiterwerbstätigkeit von Frauen strukturell verankert war, prägten im Westen Teilzeitarbeit, längere Familienpausen und Erwerbsunterbrechungen die Biografien.

Nicht jeder der könnte, nimmt auch die Rente mit 63 in Anspruch

Wichtig zu wissen ist auch, dass durchaus nicht jeder, der einen Anspruch auf die Rente mit 63 hat, diesen auch nutzt. Ein signifikanter Teil der Berechtigten arbeitet bis zur regulären Altersgrenze weiter. Im Jahr 2024 nutzten bundesweit rund 269.000 Personen den Weg über die „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“. Demgegenüber standen rund 378.000 Personen, die erst mit Erreichen der regulären Altersgrenze in den Ruhestand traten.

Die Rente mit 63 wurde ursprünglich einmal im Jahr 2014 eingeführt, um Beschäftigte in körperlich oder psychisch besonders fordernden Berufen – wie Handwerk, Pflege oder Gastronomie – nach einem langen Arbeitsleben zu entlasten. Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) auf Basis von Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) stellt die Treffsicherheit dieses Instruments jedoch infrage. Die Studie analysierte die Erwerbsbiografien von rund 8.000 westdeutschen Männern des Geburtsjahrgangs 1957. Insgesamt waren knapp 70 Prozent der Nutzer dieser Rentenart physisch oder psychisch nicht überdurchschnittlich belastet. (Quellen: ZDF, DRV, T-online, DIW) (sts)