Ludwig dankt Ruck nach Rücktritt, Opposition kritisiert Stadtchef
Der Wiener Bürgermeister hatte sich in der Debatte hinter den scheidenden Wirtschaftskammer-Chef gestellt. Grüne, ÖVP und FPÖ kritisieren Ludwig dafür, Wiens pinke Stadtvize betonte, Ruck "war nicht mehr tragbar"
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Wiener Wirtschaftskammer
Der Wiener Bürgermeister hatte sich in der Debatte hinter den scheidenden Wirtschaftskammer-Chef gestellt. Grüne, ÖVP und FPÖ kritisieren Ludwig dafür, Wiens pinke Stadtvize betonte, Ruck "war nicht mehr tragbar"
aktualisiert am 30. Juli 2026, 13:48
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig gab sich am Donnerstag überaus zurückhaltend. In einer Aussendung bedankte er sich lediglich "beim scheidenden Präsidenten der Wirtschaftskammer Wien, Walter Ruck, für die langjährige Zusammenarbeit".
Die Stadt Wien und die Wirtschaftskammer Wien verbinde "eine starke und erfolgreiche Partnerschaft, die den Wirtschaftsstandort nachhaltig stärkt", hieß es darin weiter. Und: "Gemeinsam wurden zukunftsweisende Initiativen in den Bereichen Wirtschaft, Innovation, Klimaschutz, Tourismus, Handel und Arbeitsmarkt umgesetzt." Beispiele werden zuhauf angeführt: die Zukunftsvereinbarung für Wien, der Green Economy Report und das Projekt "Zero Emission Transport" etwa.
"Für die Zukunft haben die Stadt Wien und die Wirtschaftskammer Wien noch zahlreiche Projekte vereinbart, die sie in den kommenden Jahren gemeinsam umsetzen werden", ist außerdem zu lesen. Bürgermeister Ludwig freue sich auf die Zusammenarbeit mit der neuen Wirtschaftskammer-Präsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits.
Bauer kritisierte Ludwig
Ludwig hatte sich zuletzt hinter den Wiener Wirtschaftskammer-Chef gestellt, nachdem dessen Aussagen, die laut Medienberichten im kleinen Kreis getätigt wurden, für Aufsehen gesorgt hatten. "Ich kenne den Wortlaut dieser Gespräche nicht, ich war ja auch nicht dabei", sagte Ludwig vergangene Woche. Er kenne Ruck, mit dem Ludwig auch eine Freundschaft verbindet, anders – als umsichtigen und vertrauensvollen Gesprächspartner.
Es stelle sich die Frage, welchen Inhalt und welche Tonalität diese Gespräche gehabt hätten, befand Ludwig damals. "Ich kann nur sagen, dass ich mit Präsident Walter Ruck immer ein ausgesprochen gutes Einvernehmen gehabt habe."
Harsche Kritik erntete Ludwig daraufhin zuerst von der ÖVP. Europaministerin Claudia Bauer erklärte in der ZiB: "Es ist einzig die SPÖ Wien und der rote Bürgermeister Wiens, der nach wie vor Walter Ruck die Stange hält und es vollkommen okay findet, welches Bild von Politik und von Frauen in der Politik hier gezeichnet wird."
Grüne orten "Erklärungsbedarf"
Nach dem Rückzug Rucks schossen sich immer mehr Parteien auf den Bürgermeister ein. Der Rücktritt sei "richtig – aber er kommt viel zu spät. Immer mehr Frauen aus den Reihen der ÖVP haben in den vergangenen Wochen ihre Erfahrungen mit Walter Ruck öffentlich gemacht und von Respektlosigkeit sowie herablassendem Verhalten berichtet", kommentierte die Frauensprecherin der Grünen, Meri Disoski, die Causa.
Nun müsse "offengelegt werden, welche personellen Entscheidungen und politischen Absprachen im Hintergrund getroffen wurden". Disoski ortet "Erklärungsbedarf" bei Ludwig: Er habe Ruck "bis zuletzt politische Rückendeckung gegeben. Noch vor wenigen Tagen bezeichnete er ihn als 'charakterstark'. Das ist angesichts der bekannt gewordenen Tonbandaufnahmen und der Berichte zahlreicher Frauen über Respektlosigkeit und herablassendes Verhalten nicht nachvollziehbar." Wer Sexismus aussitze, "schützt bestehende Machtstrukturen – nicht die betroffenen Frauen". Sexismus dürfe niemals politische Rückendeckung bekommen.
Ihr Parteifreund, der Wiener Grünen-Chef Peter Kraus betonte, es sei "bemerkenswert, dass sich alle von Ruck distanziert haben – nur Bürgermeister Ludwig hält ihm weiterhin die Stange. Auch zu den frauenverachtenden Aussagen Rucks hat der Bürgermeister bis heute kein kritisches Wort zustande gebracht." Der Rückritt Rucks könne nur "ein erster Schritt sein. Was bleibt: Sexismus, Postenschacher und Freunderlwirtschaft – und das ist alles weiterhin höchst aufklärungswürdig."
FPÖ will Sondergemeinderat
Die Wiener FPÖ sieht mit Ruck nun den "engsten Komplizen von Michael Ludwig" als zurückgetreten. Damit sei "eine der zentralen Machtfiguren im roten Machtapparat gefallen. Das "System Ludwig" beginne sichtbar zu zerbröseln und mit jedem Tag komme ein neuer Skandal ans Licht", erklärte Landesparteiobmann Dominik Nepp in einer Aussendung.
Die FPÖ wolle eine Sondersitzung des Wiener Gemeinderates beantragen. "Ich fordere Ludwig auf, diese Sitzung nicht bis Ende September zu verzögern und damit die Aufklärung zu behindern", erklärte Klubchef Maximilian Krauss. Und: "Sollte Michael Ludwig weiterhin schweigen, Fragen unbeantwortet lassen und keine politische Verantwortung übernehmen, dann muss die Konsequenz ein Misstrauensantrag sein."
ÖVP: "System von Ludwig und Ruck"
Die Wiener ÖVP – deren Partei Ruck bis zu seinem Ausschluss vergangene Woche angehörte – will nun Vertrauen wiederherstellen: "Die Wienerinnen und Wiener verdienen sich eine andere Art von Politik als das alte System von Ludwig und Ruck", lässt Landesparteichef Markus Figl in einem Statement wissen.
"Der Rücktritt von Walter Ruck ist ein notwendiger und längst überfälliger Schritt", betont Figl zudem: "Als Wiener Volkspartei haben wir uns von Beginn an ganz deutlich von diesem Politikverständnis distanziert und in weiterer Folge einstimmig den Parteiausschluss im Bundesparteivorstand beschlossen."
Stocker: "Überfälliger Schritt"
Die Bundes-ÖVP hatte Ruck nach Bekanntwerden der Aussagen aus der Partei ausgeschlossen. Im Wiener Wirtschaftsbund, einer schwarzen Teilorganisation, konnte sie aber nicht durchgreifen. Ruck hatte dort weiter Unterstützung und konnte deshalb Obmann bleiben.
"Wir haben Walter Ruck vergangene Woche einstimmig aus der Volkspartei ausgeschlossen. Ich begrüße, dass er jetzt auch den überfälligen Schritt gesetzt hat, als Präsident der Wirtschaftskammer Wien und des Wirtschaftsbundes Wien zurückzutreten", heißt es in einer Aussendung von Kanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker.
Für Neos "nicht mehr tragbar"
Ludwigs kleiner Koalitionspartner in Wien, die Neos, hielten sich hingegen mit Kritik an der SPÖ und Ludwig zurück. Die Pinken bezeichneten es als ein "dringendes Signal, auf die aktuellen Vorwürfe zu reagieren und zu zeigen, dass ein politischer Stil aus dem letzten Jahrhundert keinen Platz in der Interessensvertretung hat", heißt es in einer Aussendung.
Nach "Vorwürfen rund um Hinterzimmer-Politik und sein Frauenbild war er nicht mehr tragbar", betonte Wiens Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin Bettina Emmerling. (Oona Kroisleitner, Stefanie Rachbauer, 30.7.2026)