Ludwig dankt Ruck nach Rücktritt, Opposition kritisiert Stadtchef

Der Wiener Bürgermeister hatte sich in der Debatte hinter den scheidenden Wirtschaftskammer-Chef gestellt. Grüne, ÖVP und FPÖ kritisieren Ludwig dafür, Wiens pinke Stadtvize betonte, Ruck "war nicht mehr tragbar"

  • 5 min read
Ludwig dankt Ruck nach Rücktritt, Opposition kritisiert Stadtchef

Wiener Wirtschaftskammer

Der Wiener Bürgermeister hatte sich in der Debatte hinter den scheidenden Wirtschaftskammer-Chef gestellt. Grüne, ÖVP und FPÖ kritisieren Ludwig dafür, Wiens pinke Stadtvize betonte, Ruck "war nicht mehr tragbar"

aktualisiert am 30. Juli 2026, 13:48

Zwei Männer in Anzügen stehen im Freien vor einem Banner der Wirtschaftskammer Wien (WKW) mit Blumenmotiven. Einer der Männer deutet mit der Hand auf einen Tisch im Vordergrund, auf dem ein Tablett mit Gläsern und einer Kaffeetasse steht. Im Hintergrund sind eine Frau, Büsche und ein Gebäude mit Fenstern zu sehen.
Walter Ruck und Michael Ludwig traten in der Vergangenheit oft gemeinsam auf.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig gab sich am Donnerstag überaus zurückhaltend. In einer Aussendung bedankte er sich lediglich "beim scheidenden Präsidenten der Wirtschaftskammer Wien, Walter Ruck, für die langjährige Zusammenarbeit".

Die Stadt Wien und die Wirtschaftskammer Wien verbinde "eine starke und erfolgreiche Partnerschaft, die den Wirtschaftsstandort nachhaltig stärkt", hieß es darin weiter. Und: "Gemeinsam wurden zukunftsweisende Initiativen in den Bereichen Wirtschaft, Innovation, Klimaschutz, Tourismus, Handel und Arbeitsmarkt umgesetzt." Beispiele werden zuhauf angeführt: die Zukunftsvereinbarung für Wien, der Green Economy Report und das Projekt "Zero Emission Transport" etwa.

Eine Frau mittleren Alters mit schulterlangem dunklem Haar lächelt in die Kamera. Sie trägt einen cremefarbenen Blazer über einem dunkelblauen Kleid mit weißem Muster. Der Hintergrund ist hell und unscharf.
Margarete Kriz-Zwittkovits soll Walter Ruck an der Spitze der Wiener Wirtschaftskammer und des ÖVP-Wirtschaftsbunds in der Hauptstadt beerben.

"Für die Zukunft haben die Stadt Wien und die Wirtschaftskammer Wien noch zahlreiche Projekte vereinbart, die sie in den kommenden Jahren gemeinsam umsetzen werden", ist außerdem zu lesen. Bürgermeister Ludwig freue sich auf die Zusammenarbeit mit der neuen Wirtschaftskammer-Präsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits.

Bauer kritisierte Ludwig

Ludwig hatte sich zuletzt hinter den Wiener Wirtschaftskammer-Chef gestellt, nachdem dessen Aussagen, die laut Medienberichten im kleinen Kreis getätigt wurden, für Aufsehen gesorgt hatten. "Ich kenne den Wortlaut dieser Gespräche nicht, ich war ja auch nicht dabei", sagte Ludwig vergangene Woche. Er kenne Ruck, mit dem Ludwig auch eine Freundschaft verbindet, anders – als umsichtigen und vertrauensvollen Gesprächspartner.

Es stelle sich die Frage, welchen Inhalt und welche Tonalität diese Gespräche gehabt hätten, befand Ludwig damals. "Ich kann nur sagen, dass ich mit Präsident Walter Ruck immer ein ausgesprochen gutes Einvernehmen gehabt habe."

Eine Frau mit schulterlangem braunem Haar sitzt an einem Tisch. Sie trägt einen orangefarbenen Rollkragenpullover, eine schwarze Lederjacke und orangefarbene Ohrringe. Vor ihr befinden sich Gläser und eine Karaffe. Im Hintergrund ist ein modernes Kunstwerk in Rot- und Orangetönen zu sehen.
"Es ist einzig die SPÖ Wien und der rote Bürgermeister Wiens, der nach wie vor Walter Ruck die Stange hält", kritisierte Europaministerin Claudia Bauer (ÖVP) vergangene Woche.

Harsche Kritik erntete Ludwig daraufhin zuerst von der ÖVP. Europaministerin Claudia Bauer erklärte in der ZiB: "Es ist einzig die SPÖ Wien und der rote Bürgermeister Wiens, der nach wie vor Walter Ruck die Stange hält und es vollkommen okay findet, welches Bild von Politik und von Frauen in der Politik hier gezeichnet wird."

Grüne orten "Erklärungsbedarf"

Nach dem Rückzug Rucks schossen sich immer mehr Parteien auf den Bürgermeister ein. Der Rücktritt sei "richtig – aber er kommt viel zu spät. Immer mehr Frauen aus den Reihen der ÖVP haben in den vergangenen Wochen ihre Erfahrungen mit Walter Ruck öffentlich gemacht und von Respektlosigkeit sowie herablassendem Verhalten berichtet", kommentierte die Frauensprecherin der Grünen, Meri Disoski, die Causa.

Eine Frau (Meri Disoski, Grüne) spricht während einer Sitzung des Nationalrats am Rednerpult im Parlament in Wien. Sie trägt einen dunkelblauen Blazer und ein bordeauxfarbenes Oberteil mit weißen Mustern. Vor ihr sind Mikrofone und Dokumente sichtbar.
Die grüne Frauensprecherin Meri Disoski fordert eine Erklärung von Michael Ludwig.

Nun müsse "offengelegt werden, welche personellen Entscheidungen und politischen Absprachen im Hintergrund getroffen wurden". Disoski ortet "Erklärungsbedarf" bei Ludwig: Er habe Ruck "bis zuletzt politische Rückendeckung gegeben. Noch vor wenigen Tagen bezeichnete er ihn als 'charakterstark'. Das ist angesichts der bekannt gewordenen Tonbandaufnahmen und der Berichte zahlreicher Frauen über Respektlosigkeit und herablassendes Verhalten nicht nachvollziehbar." Wer Sexismus aussitze, "schützt bestehende Machtstrukturen – nicht die betroffenen Frauen". Sexismus dürfe niemals politische Rückendeckung bekommen.

Ein Mann steht an einem Rednerpult im Wiener Rathaus und hält eine Rede. Er trägt ein hellbeiges Sakko und ein weißes T-Shirt, gestikuliert mit beiden Händen und spricht in Mikrofone. Im Hintergrund sind Holzelemente und eine weitere Person am Laptop zu sehen.
Der Chef der Wiener Grünen, Peter Kraus,sieht in dem Rücktritt Rucks "nur einen ersten Schritt".

Ihr Parteifreund, der Wiener Grünen-Chef Peter Kraus betonte, es sei "bemerkenswert, dass sich alle von Ruck distanziert haben – nur Bürgermeister Ludwig hält ihm weiterhin die Stange. Auch zu den frauenverachtenden Aussagen Rucks hat der Bürgermeister bis heute kein kritisches Wort zustande gebracht." Der Rückritt Rucks könne nur "ein erster Schritt sein. Was bleibt: Sexismus, Postenschacher und Freunderlwirtschaft – und das ist alles weiterhin höchst aufklärungswürdig."

FPÖ will Sondergemeinderat

Die Wiener FPÖ sieht mit Ruck nun den "engsten Komplizen von Michael Ludwig" als zurückgetreten. Damit sei "eine der zentralen Machtfiguren im roten Machtapparat gefallen. Das "System Ludwig" beginne sichtbar zu zerbröseln und mit jedem Tag komme ein neuer Skandal ans Licht", erklärte Landesparteiobmann Dominik Nepp in einer Aussendung.

Ein Mann in Anzug und weißem Hemd spricht vor einem Hintergrund mit einem roten Motiv, das zwei Hände, die eine Raute bilden, zeigt.
Laut dem Wiener FPÖ-Obmann Dominik Nepp seider "engste Komplize" Ludwigs zurückgetreten.

Die FPÖ wolle eine Sondersitzung des Wiener Gemeinderates beantragen. "Ich fordere Ludwig auf, diese Sitzung nicht bis Ende September zu verzögern und damit die Aufklärung zu behindern", erklärte Klubchef Maximilian Krauss. Und: "Sollte Michael Ludwig weiterhin schweigen, Fragen unbeantwortet lassen und keine politische Verantwortung übernehmen, dann muss die Konsequenz ein Misstrauensantrag sein."

ÖVP: "System von Ludwig und Ruck"

Die Wiener ÖVP – deren Partei Ruck bis zu seinem Ausschluss vergangene Woche angehörte – will nun Vertrauen wiederherstellen: "Die Wienerinnen und Wiener verdienen sich eine andere Art von Politik als das alte System von Ludwig und Ruck", lässt Landesparteichef Markus Figl in einem Statement wissen.

"Der Rücktritt von Walter Ruck ist ein notwendiger und längst überfälliger Schritt", betont Figl zudem: "Als Wiener Volkspartei haben wir uns von Beginn an ganz deutlich von diesem Politikverständnis distanziert und in weiterer Folge einstimmig den Parteiausschluss im Bundesparteivorstand beschlossen."

Stocker: "Überfälliger Schritt"

Die Bundes-ÖVP hatte Ruck nach Bekanntwerden der Aussagen aus der Partei ausgeschlossen. Im Wiener Wirtschaftsbund, einer schwarzen Teilorganisation, konnte sie aber nicht durchgreifen. Ruck hatte dort weiter Unterstützung und konnte deshalb Obmann bleiben.

Ein Mann in einem Anzug sitzt an einem Tisch und gestikuliert, während er spricht. Im Hintergrund sind eine Karte von Österreich sowie die Flaggen Österreichs und der Europäischen Union sichtbar.
Bundeskanzler Christian Stocker sieht in dem Rücktritt "einen überfälligen Schritt", nachdem Walter Ruck bereits aus der ÖVP ausgeschlossen wurde.

"Wir haben Walter Ruck vergangene Woche einstimmig aus der Volkspartei ausgeschlossen. Ich begrüße, dass er jetzt auch den überfälligen Schritt gesetzt hat, als Präsident der Wirtschaftskammer Wien und des Wirtschaftsbundes Wien zurückzutreten", heißt es in einer Aussendung von Kanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker.

Für Neos "nicht mehr tragbar"

Ludwigs kleiner Koalitionspartner in Wien, die Neos, hielten sich hingegen mit Kritik an der SPÖ und Ludwig zurück. Die Pinken bezeichneten es als ein "dringendes Signal, auf die aktuellen Vorwürfe zu reagieren und zu zeigen, dass ein politischer Stil aus dem letzten Jahrhundert keinen Platz in der Interessensvertretung hat", heißt es in einer Aussendung.

Eine Frau mit blondem Haar in einem weißen Blazer gestikuliert während eines Gesprächs. Im Hintergrund sind unscharfe Bilder und eine Pflanze erkennbar.
Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos) bezeichnet Walter Ruck als "nicht mehr tragbar" aufgrund seiner Politik und seines Frauenbilds.

Nach "Vorwürfen rund um Hinterzimmer-Politik und sein Frauenbild war er nicht mehr tragbar", betonte Wiens Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin Bettina Emmerling. (Oona Kroisleitner, Stefanie Rachbauer, 30.7.2026)