"Jetzt erst recht": So soll das Queere Parkfest sicher über die Bühne gehen

Zwei Wochen nach dem CSD-Anschlag findet am Samstag das 27. Queere Parkfest in Friedrichshain statt. Die Veranstalter haben die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Standbetreiber und Künstlerinnen geben sich kämpferisch.

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"Jetzt erst recht": So soll das Queere Parkfest sicher über die Bühne gehen

Nach CSD-Terrorattacke

“Jetzt erst recht”: So soll das Queere Parkfest sicher über die Bühne gehen

Sicherheit beim queeren Parkfest im Friedrichshain (Quelle: dpa/XAMAX)
Sicherheit beim queeren Parkfest im Friedrichshain (Quelle: dpa/XAMAX)
  • Queeres Parkfest in Friedrichshain findet Samstag trotz des CSD-Anschlags statt
  • Die Sicherheitsvorkehrungen wurden verstärkt
  • Absagen von Standbetreibern oder Künstlerinnen gab es nicht
  • Das Fest soll Zusammenhalt und Hoffnung stärken

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Von

Sabine Mülller

Christian Meyerdierks macht einen recht entspannten Eindruck. Die Vorbereitungen liefen nach Plan, sagt der Kreisvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Spree-Wuhle, die das Fest organisiert. Und Angst vor einem Anschlag habe er nicht. Eine Absage des Fests habe für ihn und sein Team nie zur Debatte gestanden. Aber natürlich ist nach der Terrortat beim CSD nicht alles wie sonst. "Wir haben eine Stimmung aus Wut, Trauer und Empörung. Aber auch ein 'Jetzt erst recht'", sagt Meyerdierks.

Feiern, aber mit mehr Sicherheit

Das sehen die Vereine, Initiativen und Parteien, die sich auf dem Fest an insgesamt 35 Ständen präsentieren, offensichtlich genauso. Niemand hat die Teilnahme abgesagt.

Kai-Oliver Pöhle, Vorstand bei AHA (Allgemeine Homosexuelle Arbeitsgemeinschaft), sagt, er gehe mit einem guten Gefühl ins Parkfest am Samstag. "Ich will einfach davon ausgehen, dass solche Anschläge Einzelfälle sind und nicht zu unserer täglichen Lebensrealität gehören." Jim Baker vom Querverlag betont: "Nach dem Anschlag beim Berliner CSD ist es für uns ja wichtiger denn je, der Welt eins zu zeigen: Für queere Menschen gibt es keine bessere Rache, als glücklich zu leben."

Es soll also gefeiert werden. Aber mit etwas mehr Sicherheitspersonal, erzählt Organisator Meyerdierks. "Wir hatten ursprünglich mit sieben Personen geplant für den Tag, planen jetzt mit elf." Am einzigen Eingang zum Queeren Parkfest, das im umzäunten Freiluftkino Friedrichshain stattfindet, wird es wie immer Taschenkontrollen geben. Sicherheitsleute werden sich auch unters Partyvolk mischen. Strenger wird es dieses Jahr für alle, die mit Autos Material anliefern. Sie können nicht gleich bis vor den Eingang fahren, sondern werden an der weiter entfernten Zufahrtsschranke kontrolliert. Und während des Fests bleibt die Schranke ganz zu.

Die Polizei wird vor Ort sein

Von der Berliner Polizei bekam der rbb zunächst keine Antwort darauf, wie sie bei der Sicherung des Queeren Parkfests helfen wird. Auch Organisator Christian Meyerdierks, der in engem Kontakt mit der Polizei steht, will keine Details nennen. Er lässt sich aber immerhin entlocken, es gebe die Ansage, "dass sie mehr vor Ort und präsenter ist".

Die Polizei, das seien doch Profis, sagt mit viel Zuversicht Stefan Kuschner, der in der Rolle seiner Kunstfigur Marie Mondieu das Bühnenprogramm moderiert. Aber Kuschner sagt auch: Ein Mann in Frauenkleidern sei schon ein Trigger für manche und die Bühne sehr nah am Publikum. Trotzdem war es für ihn keine Frage, dass er auftritt. "Das ist ja exakt das, was nicht passieren darf: dass wir deswegen unser Verhalten massiv verändern. Schützen: ja. Aber sie werden uns nicht mehr ins Schwarz-Weiß kriegen." Damit meint Kuschner, die queere Community müsse bunt bleiben, sichtbar, laut. Auch von den Künstlerinnen und Künstlern, die das Bühnenprogramm bestreiten, hat niemand abgesagt.

Trauerflor und politische Forderungen

Der Anschlag auf den Christopher Street Day wird beim Queeren Parkfest natürlich sehr präsent sein, auf der Bühne genauso wie an den Ständen. Bei BiBerlin wird eine Regenbogenflagge mit Trauerflor wehen, der Verein stellt sich darauf ein, dass von den Besucherinnen und Besuchern andere Fragen kommen als sonst. Die Parkfest-Macher rechnen auch mit neuen Forderungen, wie die Politik die queere Community besser schützen kann. Diese können über einen QR-Code auf einer extra eingerichteten Plattform eingereicht werden.

Stefan Kuschner will als Moderatorin Marie Mondieu politische Botschaften senden, die über den Berliner Anschlag und dessen Folgen hinausgehen. Mit auf der Bühne werden auch Künstlerinnen und Künstler aus der Ukraine und Taiwan stehen. "Da kann ich gar nicht anders, als meine Gefühle in Relation zu setzen zu den grauenvollen Dingen, die in diesen Ländern passieren", betont Kuschner. "Das ist einerseits nicht miteinander zu vergleichen, aber für mich auch nicht voneinander zu trennen."

Ein Zeichen setzen und heilen

Für den ukrainischen Musiker Norman Shelest hat das Parkfest eine wichtige Mission. Es solle queeren Menschen Hoffnung für die Zukunft geben und sie ermutigen, für ihre Rechte zu kämpfen.

In den vergangenen Jahren waren meist einige tausend Besucherinnen und Besucher beim Fest in Friedrichshain. Organisator Christian Meyerdierks hofft, dass diesmal möglichst viele Menschen – auch nicht-queere – kommen, um ein Zeichen zu setzen. Thilo Wetzel von BiBerlin setzt darauf, dass das Zusammensein in der Community auch beim Heilungsprozess nach dem Anschlag hilft.

Sendung: rbb|24, 07.08.2026, 06:17 Uhr
Audio: rbb|24, 07.08.2026, Sabine Müller

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