Quallen legen Atomkraftwerk lahm – und im Mittelmeer haben sie sich in 20 Jahren verzehnfacht

StartseiteWeltQuallen legen Atomkraftwerk lahm – und werden im Mittelmeer immer mehrStand: 21.08.2026, 21:27 UhrKommentareUns auf Google folgenQuallen verzehnfacht im Mittelmeer, invasive Arten auf dem Vormarsc...

  • 3 min read
Quallen legen Atomkraftwerk lahm – und im Mittelmeer haben sie sich in 20 Jahren verzehnfacht

Quallen legen Atomkraftwerk lahm – und werden im Mittelmeer immer mehr

Stand: 21.08.2026, 21:27 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Quallen verzehnfacht im Mittelmeer, invasive Arten auf dem Vormarsch – und eine von ihnen legte sogar ein Atomkraftwerk lahm.

Triest – Quallen sind im Sommer der Albtraum der Badegäste. Da die Meere immer wärmer werden, besteht die Gefahr einer starken Vermehrung dieser Tiere, die zu den ältesten vielzelligen Organismen gehören, die auf der Erde erschienen sind und noch heute leben.

Content-Partnerschaft

Dieser Artikel von Paolo Virtuani entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.

Zudem sind im Mittelmeer invasive Arten aufgetaucht, die potenziell gefährlich sind, etwa die portugiesische Galeere (Physalia physalis) mit ihren Dutzende Meter langen Nesselfäden. 2022 kam eine Frau in Sizilien bei Aci Trezza mit einem dieser Exemplare in Kontakt und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Im Jahr 2010 verlor eine 69-jährige Frau auf Sardinien ihr Leben.

Collage portugiesische Galeere

Die gefährliche Portugiesische Galeere treibt an Europas Küsten ihr Unwesen. Ganze Strände wurden bereits gesperrt. © Collage Sabrina Hentschel/picture alliance/dpa - Bernd Wüstneck/picture alliance/dpa

Die portugiesische Galeere ist aus wissenschaftlicher Sicht keine echte Qualle, sondern eine Kolonie aus vier verschiedenen Hydroidenarten. Doch für jemanden, der unglücklicherweise mit ihr in Berührung kommt, ist das kaum von Bedeutung. Die portugiesische Galeere, die von Meeresbiologen als „sporadisch seit Jahrzehnten im Mittelmeer nachgewiesen“ beschrieben wird, stammt aus dem Atlantik. In diesem Jahr wurden zahlreiche Exemplare an den Küsten des spanischen Baskenlandes gemeldet, sodass einige Strände vorübergehend geschlossen wurden.

Quallenplage im Mittelmeer: Meeresströmungen transportieren Tiere an

Auf Grundlage neuer Studien nehmen Quallen weltweit zu, und im Mittelmeer haben sie sich in den vergangenen rund zwanzig Jahren verzehnfacht, auch wenn im Jahr 2026 abgesehen von einigen Orten keine besonderen Probleme gemeldet wurden. So etwa in der nördlichen Adria bei der Art Cotylorhiza tubercolata, dem sogenannten Meeresblumenkohl. Er ist eine nicht nesselnde und ungefährliche Art. Die stärker nesselnde Lungenqualle (Rhizostoma pulmo) erreichte hingegen im Frühjahr einen Höhepunkt, doch im Sommer hat ihre Präsenz im Golf von Triest wieder abgenommen.

Quallen werden von Meeresströmungen transportiert und neigen dazu, sich insbesondere während der Fortpflanzung in großer Zahl zu sammeln. Das ist der Grund, weshalb sie in manchen Gebieten das Meer regelrecht zu überfluten scheinen, während sie in anderen nahezu abwesend sind. In diesem Sommer sind sie im ionischen Meer vor Apulien praktisch verschwunden, während es im selben Meeresgebiet 2022–2023 zu einer „Invasion“ gekommen war.

In der vergangenen Woche wurde das französische Atomkraftwerk Gravelines von Quallen lahmgelegt, die die Wasserfilter zur Kühlung der Reaktoren verstopften. Dabei handelte es sich jedoch nicht um ein Problem im Mittelmeer, sondern in der Nordsee: Gravelines liegt nämlich am Ärmelkanal.