Wegen Ukraine-Hilfe in Putins Visier geraten? Offenbar Attentat auf bayerischen Rüstungschef befürchtet

StartseitePolitikPutins Geheimdienst plante wohl Anschlag auf Rüstungschef – Spione an Wohnort in Bayern aktivStand: 06.08.2026, 20:14 UhrKommentareUns auf Google folgenEin bayerischer Unternehmer gerät offenba...

  • 5 min read
Wegen Ukraine-Hilfe in Putins Visier geraten? Offenbar Attentat auf bayerischen Rüstungschef befürchtet

Putins Geheimdienst plante wohl Anschlag auf Rüstungschef – Spione an Wohnort in Bayern aktiv

Stand: 06.08.2026, 20:14 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Ein bayerischer Unternehmer gerät offenbar ins Visier russischer Geheimdienste. Zwei Personen werden festgenommen. Es soll kein Einzelfall sein.

Berlin – Schon mehrere Wochen sind vergangen, seit sich Stefan Thumann zuletzt in sozialen Medien öffentlich äußerte. Seine Tweets auf X können ohnehin nur bestätigte Follower lesen. Auf LinkedIn postete der Unternehmer aus Bayern zuletzt vor rund einem Monat: „Ich geh‘ jetzt mal in den Stealth-Modus.“ Thumann kündigte also an, sich bewusst zurückzuziehen. Abzutauchen und sich eine Auszeit von der Öffentlichkeit zu nehmen.

Schild mit Aufschrift Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof, Handy mit Teleskoparm

Haftbefehl erlassen: Im Zusammenhang mit der Spionage bei Stefan Thumann wurden zwei Verdächtige festgenommen, die offenbar mit Handys Objekte filmten. © picture alliance/dpa | Christoph Schmidt, picture alliance / dpa | Arno Burgi

Sein Name ist nun dennoch in aller Munde. Denn der Gründer und Geschäftsführer des 2020 gestarteten Rüstungsunternehmens „Donaustahl“ soll einem Bericht der Zeit zufolge ins Visier des russischen Geheimdienstes geraten sein. Deutsche Sicherheitsbehörden gehen demnach inzwischen davon aus, dass ein Anschlag auf den Manager geplant sei. Seit Monaten beschäftige der Fall die Ermittler.

Rüstungschef aus Bayern in Putins Visier? Zwei mutmaßliche Spione für Russland werden festgenommen

Im März wurden zwei Verdächtige festgenommen. Dabei handelt es sich um Sergey N. und Alla S., wobei unklar sein dürfte, ob sich beide kennen. N. soll im Dezember 2025 durch die niederbayerische Ortschaft Straßkirchen gelaufen sein und Eingang sowie Klingelschild an Thumanns Privatadresse gefilmt haben. In jenem Monat erreichte die deutschen Sicherheitsbehörden dem Bericht zufolge ein Hinweis von einem ausländischen Nachrichtendienst, wonach der Manager hochgefährdet sei.

Wenig später klicken bei N. erstmals die Handschellen. Als die Ermittler dessen Handy durchforsten, fällt ihnen schnell auf, dass es sich um keinen gelernten Spion handelt. Der Festgenommene ist ein ehemaliger Maurer aus Charkiw und lebte zuletzt mit seiner Familie in Deutschland. Für Kreml-Chef Wladimir Putin eignet er sich offenbar als sogenannter Wegwerf-Agent, der für eine Aufgabe angeheuert wird und entbehrlich ist. Stimmt die Bezahlung, sind keinerlei Nachfragen zu befürchten. Ob N. überhaupt ahnt, welche Folgen seine Spionage für Thumann haben kann?

Letztlich müssen die Beamten den Mann wieder gehen lassen, heißt es weiter. Erst danach fördert die Auswertung der Handy-Daten zutage, dass N. offenbar in Kontakt zu Putins Geheimdienst stand. Auch soll er über Thumanns Vater versucht haben, an Informationen über den Aufenthaltsort des Unternehmers zu gelangen.

Mutmaßliche Putin-Spione in Deutschland festgenommen: Von möglichem Attentat im Haftbefehl keine Spur

Doch als die Ermittler N. erneut verhören wollen, ist dieser mit seiner Familie bereits nach Spanien geflohen. Von dort soll er versucht haben, seine Auftraggeber zu kontaktieren – offenbar ohne Erfolg. In Deutschland späht dafür S. anscheinend fortan Thumann aus. Sie ist Rumänin, lebte zuletzt in Nordrhein-Westfalen und wirkt auf die Ermittler bei ihrem Vorgehen demnach geradezu unbeholfen.

Stefan Thumann steht vor einer Wand

Wurde offenbar im Namen Russlands ausspioniert: Stefan Thumann gründete 2020 das Rüstungsunternehmen Donaustahl. © Donaustahl

Nach den Festnahmen gibt es für die Behörden jedoch die nächste unerfreuliche Wendung. Obwohl im Behördenzeugnis des Bundesverfassungsschutzes von einem mutmaßlich geplanten Attentat die Rede sei, findet sich dieser Vorwurf nicht im Haftbefehl. In beiden Fällen steht lediglich eine mutmaßlich geheimdienstliche Agententätigkeit im Raum, wie der Homepage des Generalbundesanwalts beim Bundesgerichtshof zu entnehmen ist.

S. wartet seit dem 25. März in deutscher U-Haft auf ihren Prozess, N. seit dem 15. Mai – er war erst einen Tag zuvor von Spanien nach Deutschland überstellt worden. Die polizeilichen Ermittlungen liegen beim Bayerischen Landeskriminalamt. Über das Spionageziel ist lediglich zu erfahren, dass es sich um eine Person aus Deutschland handelt, „die von hier Drohnen und dazugehörige Bauteile in die Ukraine liefert“.

Plant Putin Attentat auf deutschen Unternehmer? Rüstungschef unterstützt Ukraine mindestens finanziell

Laut der Konzern-Homepage produziert „Donaustahl“ seit 2026 mehr als 30.000 Gefechtsköpfe für unbemannte Flugobjekte pro Jahr. In seinen Posts betont Thumann, der sich als Patriot bezeichnet, regelmäßig seine Unterstützung für Kiew, schrieb auf LinkedIn auch schon: „Russland will keinen Frieden. Es will die Zerstörung des Westens. Ich bin nur ein kleines Licht, aber ich werfe diesem Ansinnen alles entgegen, was ich habe.“

Auch auf einen Tweet des Unternehmers Enno Lenze, wonach „Donaustahl“ die Ukraine finanziell unterstütze, reagierte Thumann mit einer Erklärung. Demnach greifen er als Privatperson, die Firma und deren Holding Kiew im Abwehrkampf seit mehreren Jahren unter die Arme. Dies soll jedoch kein Thema für die Öffentlichkeit sein. Er wolle damit dafür sorgen, dass die Ukraine Europa Zeit erkauft, bis auch der Westen gut genug gerüstet sei.

In einem weiteren Post stellte Thumann jedoch klar, dass weder „Donaustahl“ noch ein anderes von ihm kontrolliertes Unternehmen „in ein geheimes Programm zur Lieferung von Gefechtsköpfen an die Ukraine verwickelt ist. Videos, die das Gegenteil beweisen, sind Fake News, KI-generiert und so…“

Fall Thumann erinnert an Fall Papperger: Leben von weiterem Rüstungsmanager soll in Gefahr sein

Der Fall Thumann erinnert an Armin Papperger. CNN berichtete im Sommer 2024, dass Russland ein Attentat auf den Vorstandschef des Rüstungskonzerns „Rheinmetall“ plane. Doch US-Geheimdienste deckten das Komplott auf und informierten die deutschen Kollegen. Letztlich wurden die Schutzmaßnahmen für den Unternehmer deutlich erhöht.

Aktuell sind die Sicherheitsbehörden laut der Zeit aber nicht nur wegen Thumann, der ebenfalls erhöhten Personenschutz genießt, alarmiert. Dem Artikel zufolge haben es Putins Geheimdienste auf ein weiteres Rüstungsunternehmen abgesehen. Auch hier würden die Ermittler nicht ausschließen, dass das Leben eines Rüstungsmanagers in Gefahr ist.

Wenn die nachrichtendienstliche Lage wöchentlich im Kanzleramt zusammenkomme, würde sich die Runde keine Illusionen machen. Die Teilnehmer seien überzeugt, dass Russland Deutschland als Feind betrachte. Längst ist auch in der Öffentlichkeit vom hybriden Krieg die Rede, den Moskau führe. Dazu gehören Propaganda oder Sabotage, ebenso Spionage. Mit einem Mord an einem deutschen Staatsbürger aber wäre eine ganz neue Dimension erreicht. (Quellen: X, LinkedIn, Zeit, Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof, Donaustahl, CNN) (mg)