Psychologin: Wie man sich bei Kollegen beschwert und dabei sogar sympathisch wirkt

StartseiteDeutschlandStand: 01.09.2026, 20:31 UhrKommentareUns auf Google folgenMit den Kollegen über Missstände reden zu können, ist viel wert. Eine Psychologin erklärt, wann das Meckern negativ ankommt.Hambur...

  • 3 min read
Psychologin: Wie man sich bei Kollegen beschwert und dabei sogar sympathisch wirkt

Stand: 01.09.2026, 20:31 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Mit den Kollegen über Missstände reden zu können, ist viel wert. Eine Psychologin erklärt, wann das Meckern negativ ankommt.

Hamburg – Viele kennen das: An einigen Arbeitstagen kommt einfach alles zusammen – zu viele Meetings halten einen vom eigentlichen Job ab, eine neue Vorgabe macht alles komplizierter und der Kaffee schmeckt seltsam. Den meisten Menschen hilft es dann, sich in solchen Momenten gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen kurz aufzuregen. Ganz nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Aber stimmt das – und wo liegt die Grenze?

Frau in einem Büro

Jammern mit Kollegen kann eine Verbindung herstellen – wenn daraus Handlungen folgen. (Symbolbild) © IMAGO / Westend61

„Meckern hat vor allem eine soziale Funktion“, sagt die Psychologin und Buchautorin Annika Lohstroh der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Wenn zwei Menschen sich gemeinsam über etwas aufregten, stellten sie innerhalb weniger Sekunden eine Verbindung her. Dies funktioniere nicht nur bei Freundinnen oder Kollegen, sondern auch bei Fremden. „Das geht schneller, als wenn man versucht, positive Gemeinsamkeiten herauszufinden“, erklärt die Expertin.

Psychologin: Workplace Venting kann verbinden – aber auch Stress auslösen

Für das Klagen und Jammern unter Kolleginnen und Kollegen gibt es sogar einen eigenen Begriff: das sogenannte „Workplace Venting“, dt. Arbeitsplatz-Abreagieren. „Das gemeinsame Beschweren kann Empathie erzeugen, aber auch persönlichen Stress auslösen“, sagt Lohstroh. Es komme darauf an, was die Kolleginnen und Kollegen aus der Situation machten. Wenn Mitarbeitende etwa über eine neue Regelung sprechen würden und diese dann gemeinschaftlich abstrus fänden, könne daraus echte Gemeinschaft entstehen – und man könnte gemeinsam zum Vorgesetzten gehen. Dies wäre ein konstruktiver Umgang mit einem Problem. „Oder man meckert monatelang in der Teeküche, es geht nicht vorwärts, und irgendwann kündigt man innerlich.“

Ein ähnliches Phänomen sei die sogenannte Co-Rumination. Lohstroh beschreibt es als „das ausführliche Besprechen und Wiederbesprechen von Problemen“. Einerseits bedeute dies weniger Einsamkeit, weil man mit anderen Menschen spreche. Gleichzeitig belaste es die Beziehung aber auf Dauer, wenn immer wieder dieselben Probleme auftauchten, ohne dass eine Lösung in Sicht ist.

Meckern kann als Türöffner dienen

Entscheidend sei laut der Psychologin, ob ein Austausch produktiv oder repetitiv sei. Wenn ein Problem gemeinschaftlich verstanden wird und zu einer Handlung führt, sei das vernünftig. Führe es jedoch nur zu Wiederholungen und zum nächsten Problem – „wird Meckern zur Gruppennorm. Und dann stört jemand, der etwas Positives sagt: Dann ist der Solidarpakt des Meckerns verletzt.“

Dabei sei Meckern als Türöffner gar nicht so schlecht – zumindest kurzfristig. „In Deutschland gilt Kritik nicht grundsätzlich als unfreundlich, sondern eher als Zeichen von Ernsthaftigkeit und Kompetenz“, erklärt Lohstroh. Wer einen Fehler aufdecke, habe aufgepasst. Wer sage, alles sei toll, wirke schnell oberflächlich oder naiv. „Kritik ist bei uns salonfähig – und hat manchmal auch den Sinn und Zweck, wirklich ehrlich zu sein. Dinge einfach auch zu benennen.“ Zum Dauerzustand tauge das Meckern aber nicht: „Personen, die dauerhaft nur nörgeln, sind irgendwann schlicht unsympathisch.“

Im Job reicht Kritik allein aber nicht aus. Zu einem guten Arbeitsklima gehöre laut Lohstroh umfassendes Feedback: sagen können, welche Dinge jemand gut macht, welche verbesserungsfähig wären – und Lösungen vorschlagen. „Dazu gehört unbedingt auch das Loben“, betont die Psychologin. Denn erst durch Erfolgserlebnisse würden Menschen selbstbewusster. (Quellen: eigene Recherche)