Post Mortem: Was, wenn heute Ihr letzter Tag wäre?
StartseiteFR7Stand: 31.07.2026, 13:09 UhrKommentareUns auf Google folgenMachen Sie doch mal ein Gedankenexperiment.Stellen Sie sich vor, heute ist Ihr letzter Tag. Nein, niemand hat Ihnen das vorher gesagt. Und...
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Stand: 31.07.2026, 13:09 Uhr
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Machen Sie doch mal ein Gedankenexperiment.
Stellen Sie sich vor, heute ist Ihr letzter Tag. Nein, niemand hat Ihnen das vorher gesagt. Und jetzt ist es auch zu spät, den lange geplanten Jahrhundertroman anzufangen oder sich noch flott einen Flug in die Karibik zu buchen. Sie sind zu Hause und haben noch knappe 18 Stunden Zeit. Was machen Sie? Lassen Sie es ruhig angehen, oder macht sich sofort Hektik breit, weil Sie noch so unglaublich viel erledigen wollen? Teilen Sie allen mit, dass Sie morgen nicht mehr unter uns sein werden, oder behalten Sie das lieber für sich, um zum letzten Mal so viel Normalität wie möglich zu genießen? Was gibt’s zum Frühstück? Bleiben Sie zu Hause, ungeduscht und im Pyjama, oder schmeißen Sie sich in Ihre beste Klamotte, um schnell noch … was eigentlich? Zur Kosmetik? Wellness? Ganz normal zur Arbeit? Oder stattdessen schnell noch einen Tyrannenmord, wenn Sie keine strafrechtlichen Konsequenzen fürchten müssen? Werden Sie kriminell und/oder beleidigend? Zerkratzen nochmal das Auto ihrer verhassten Nachbarn und zertrampeln deren Rosen? Oder versöhnen Sie sich auf den letzten Metern lieber mit allen, mit denen noch was querliegt? Was haben Sie sich Ihr Leben lang verkniffen und würden sich heute dafür gerne mal gönnen? Noch flott den Lieblingsfilm gucken, ins Theater oder in die Oper? Welche Gerüche, Geschmäcker und Gefühle wollen Sie nochmal erleben? Den Strand, die Berge, das Meer? Mit wem wollen Sie diesen Tag verbringen, wen sprechen, wen umarmen? Und wem nochmal richtig einen einschenken?
Bleiben Sie nüchtern? Oder lassen Sie’s richtig krachen und ballern sich die Sinne weg? Verschenken Sie Ihr Hab und Gut? Oder schaffen sich stattdessen noch was Neues an? Noch eine gute oder schlechte Tat? Wie gehen Sie mit Fremden um, denen Sie heute begegnen? Würden Sie noch ein Leben retten? Fahren Sie Taxi und geben einen Hunderter Trinkgeld? Spenden Sie für Amnesty oder für den Obdachlosen in der Bahn? Sind Sie gereizt, wenn irgendwas nicht klappt? Sie gar zwei kostbare Lebensstunden lang im Stau stehen? Oder bleiben Sie ungewohnt entspannt? Vielleicht gibt’s ja noch ein Fußballspiel. Ein normalerweise unbezahlbares Konzert. Oder gar einen Bungeesprung? Schnell noch heiraten, wenigstens symbolisch? Und wie steht’s um letzte Worte? Wollen Sie noch was aufschreiben, für die Nachwelt hinterlegen? Haben Sie gar Handlungsanweisungen für die Hinterbliebenen parat? Wollen Sie heute jemand ganz anderes sein – und wer eigentlich?
Und jetzt: Machen Sie all das. Jawohl, auch wenn es Sie gerade ängstigt. Naja, am besten vielleicht doch nur den legalen Part. Und das, was finanziell halbwegs verkraftbar scheint. Vielleicht tun Sie auch nichts davon. Aber bitte freuen Sie sich wenigstens für ein Momentchen wie verrückt, dass Sie das alles auch noch übermorgen und überübermorgen tun könnten.