Mehr Panzer als Deutschland, Frankreich und England zusammen: Polen wird die neue NATO-Supermacht
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Polen überholt Deutschland: Der Osten steigt zur neuen NATO-Supermacht auf
Stand: 11.09.2026, 21:19 Uhr
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Polen überholt Deutschland als NATO-Schwergewicht: fast doppelt so hohe Rüstungsausgaben, mehr Panzer als vier Großmächte zusammen – und enger Schulterschluss mit den USA.
Der Wahlsieg der AfD bei der Wahl in Sachsen-Anhalt in Ostdeutschland, mit 43,8 Prozent der Stimmen, ist ebenso ein einschneidender Moment für die anderen Nationen der NATO wie für das Land selbst, in dem die Wahl stattgefunden hat. Und besonders für Polen. Der stärkste Wahlerfolg einer rechtsextremen Partei in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg fällt in eine Zeit wachsender Sorgen über russische Sabotage und hybride Kriegsführung in ganz Europa.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com.
Juliette Bretan lehrt an der Fakultät für Anglistik der Universität Cambridge und arbeitete zuvor als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centre for Geopolitics in Cambridge. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten sind die eigenen der Autorin.
Dazu zählen die jüngsten Angriffe auf den Flughafen Leipzig/Halle in Ostdeutschland sowie Brände in Fabriken in Estland und Polen. Deutschlands Rechtsruck könnte für ein Bündnis gefährlich werden, das verzweifelt versucht, sich gegen Wladimir Putin zu verteidigen und die Ukraine zu schützen. Die AfD wird Deutschland nicht nur schwächen, sie ist zudem russlandfreundlich; ihre Vorsitzende Alice Weidel fordert etwa ein Ende des deutschen Boykotts von russischem Öl und Gas.

Deutschland beherbergt derzeit zentrale Einrichtungen der NATO wie das Allied Air Command in Ramstein, das für die Durchführung von Luftoperationen zuständig ist, sowie den Truppenübungsplatz Grafenwöhr, die größte US-Militärtrainingsanlage in Europa. Dennoch könnte es der NATO mit einem AfD-Erfolg schwerer fallen, als geschlossener Block den Kontinent gegen Russland zu verteidigen. Vor dem Hintergrund der laufenden Debatten über die NATO-Verteidigungsausgaben – Deutschland wird laut NATO-Schätzungen 2026 nur 2,69 Prozent seines BIP für Verteidigung ausgeben – schwächen die neuen, disruptiven politischen Verhältnisse einen einst unverzichtbaren Akteur im Bündnis zusätzlich.
Deutschland schwächelt, Polen rüstet massiv auf
Deutschland erhöht nun zwar endlich sein Verteidigungsbudget als Reaktion auf russische Drohungen und plant, dieses innerhalb von vier Jahren zu verdoppeln. Doch ein Land weiter östlich – Polen – entwickelt sich rasant zur glänzenden neuen Waffe im Arsenal der NATO. Es wird zum operativen und militärischen Kraftzentrum an der Ostflanke der NATO und könnte für das Bündnis potenziell wichtiger werden als Deutschland selbst.
Fachleute sagen, dass Deutschland zwar weiterhin logistisches Drehkreuz der NATO bleibt, Polen aber wegen seiner vorgeschobenen Fähigkeiten strategisch immer bedeutender wird. Mit Russland praktisch vor der Haustür und einer Geschichte von Invasionen und Konflikten mit dem großen Nachbarn ist Polen tatsächlich zu einem der Vorkämpfer für das Ziel geworden, 5 Prozent des BIP für Verteidigung auszugeben. Zugleich fordert es andere Länder auf, das NATO-Ziel zu übertreffen und die 5 Prozent bereits bis 2030 zu erreichen.
Polen wird militärische Speerspitze an der Ostflanke
Während Deutschland sich bis in die jüngste Vergangenheit auf militärische Zurückhaltung konzentrierte, investiert Polen seit Jahren in die Verteidigung gegen ein Russland, das der Westen vor 2022 allzu leichtfertig ignorierte. Polen ist inzwischen eines der führenden Zentren militärischer Stärke in der NATO: Für 2026 werden Verteidigungsausgaben von geschätzt 4,68 Prozent des BIP oder 53,8 Milliarden Dollar erwartet – beinahe doppelt so viel wie in Deutschland. Zudem möchte das Land die größte Landstreitmacht Europas aufbauen, mit in diesem Jahr über 220.000 Soldatinnen und Soldaten in den Streitkräften.
Polen investiert außerdem massiv in Militärtechnologie, darunter südkoreanische Kampfpanzer des Typs K2 Black Panther, und plant, insgesamt 1.100 Panzer zu betreiben – mehr als Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich und Italien zusammen bis 2030. Parallel dazu fließen erhebliche Mittel in die zivile Verteidigung, etwa in das Programm „W Gotowości“ („Immer bereit“), das militärische Grundausbildung, Erste Hilfe und Cybersicherheit in der Bevölkerung fördert und so die allgemeine Sicherheitslage stärkt.
Einige Technologien aus Polen stoßen sogar bei NATO-Verbündeten auf großes Interesse
Ein weiteres, jüngst gestartetes Programm ist „What the Fejk“: ein Unterrichtsangebot für Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 19 Jahren, das ihnen helfen soll, Deepfakes zu erkennen, indem sie selbst welche erstellen. Entscheidend ist zudem, dass Polen Maßnahmen ergreift, um die heimische Rüstungsproduktion zu stärken: Mittlerweile gehen die Hälfte der Bestellungen an inländische Produzenten, und im vergangenen Jahr wurden 30,4 Milliarden Złoty (8,15 Milliarden Dollar) für inländische und zentraleuropäische Rüstungsgüter ausgegeben. Einige Technologien stoßen sogar bei NATO-Verbündeten auf großes Interesse.
Dazu gehören etwa die Piorun-Luftverteidigungssysteme, die kürzlich von Norwegen, Litauen und Lettland erworben wurden. Zuvor hatten bereits Belgien, Estland und Schweden Pioruns bestellt – ebenso wie die Vereinigten Staaten, die im Jahr 2022 mehrere Hundert Exemplare orderten. Polen ist außerdem ein unverzichtbares Drehkreuz für die Ukraine, als wichtiger Frontstandort für militärische und humanitäre Hilfe. Der Flughafen Rzeszów-Jasionka im Osten des Landes beherbergt das NATO-Logistikzentrum „Security Assistance and Training for Ukraine“, das monatlich 18.000 Tonnen Material abwickelt.
Polen vertieft seine sicherheitspolitische Bindung an die USA
Parallel dazu vertieft Polen seine Beziehungen zu den USA über die Tausenden US-Soldaten, die auf polnischem Boden stationiert sind. Dazu gehört die im Mai angekündigte Entsendung von weiteren 5.000 US-Soldaten nach Polen sowie Pläne der polnischen Regierung, einen neuen ständigen US-Militärstützpunkt im Land zuzulassen. Kürzlich war Polen zudem der erste NATO-Verbündete, der eine für die Green Berets, die Elite-Spezialkräfte der US-Armee, entwickelte Ausbildung absolvierte.
Diese Ausbildung basierte auf ukrainischen Gefechtsbedingungen und simulierte sie, einschließlich Drohnenkriegsführung und Bewegungen hinter feindlichen Linien. Polen entwickelt sich nun zu einer Brücke zwischen Amerika und der östlichen Flanke Europas – als unverzichtbarer Sicherheitspartner, militärisches Drehkreuz und regionales Netzwerk. Während Deutschland seine Streitkräfte erst jetzt wieder aufbaut und zwar weiterhin Europas wirtschaftlicher Riese ist, geschieht dies nach Jahrzehnten der Unterinvestition; Polen hingegen baut sein Militär in dem Bewusstsein auf, dass die alte Weltordnung gescheitert ist.
Wer die Bedrohung spürt, bestimmt die NATO-Strategie
Deutschlands gewaltige industrielle Basis lässt sich nicht automatisch in militärische Schlagkraft übersetzen; das Scheitern des französisch-deutschen Future Combat Air System ist hierfür ein treffendes Beispiel. In der aktuellen Lage ist es das Land, das der Bedrohung am nächsten ist, das zunehmend die NATO-Strategie prägt.