Pflegeheim kostet deutlich mehr als vor einem Jahr – auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
Pflegeheimplätze werden immer teurer. Wie aus einer Untersuchung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) hervorgeht, müssen Bewohner und Angehörige im Schnitt 256 Euro mehr zahlen als im Vorjahr. Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen steigen die Eigenanteile ähnlich stark. Die Stiftung Patientenschutz sieht die Bundesländer in der Pflicht.
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AUDIO: Pflege im Heim immer teurer (1 Min)
Auswertung der Ersatzkassen
Stand: 14.07.2026 19:56 Uhr
Pflegeheimplätze werden immer teurer. Wie aus einer Untersuchung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) hervorgeht, müssen Bewohner und Angehörige im Schnitt 256 Euro mehr zahlen als im Vorjahr. Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen steigen die Eigenanteile ähnlich stark. Die Stiftung Patientenschutz sieht die Bundesländer in der Pflicht.
von MDR AKTUELL
- Die Kostensteigerungen in Mitteldeutschland
- Verband: Auch Personalkosten treiben Preise nach oben
- Patientenschützer: Durch Freistaat könnte Eigenanteil sinken
Die Kosten für Bewohner in Pflegeheimen steigen weiter. Wie eine Untersuchung des Verbands der Ersatzkassen (vdek) ergab, mussten Heimbewohner im Juli in ihrem ersten Heimjahr im bundesweiten Schnitt mehr als 3.360 Euro aus eigener Tasche zahlen. Das seien monatlich 256 Euro mehr als ein Jahr zuvor.
Video: Kosten für Pflege im Heim im ersten Jahr gestiegen (1 Min)
Deutliche Kostensteigerung auch in Mitteldeutschland
In Sachsen und Sachsen-Anhalt stiegen die Eigenanteile im Schnitt um knapp 300 Euro, in Thüringen um rund 250 Euro.
| Bundesland | Kosten (1. Jahr) | Kosten (Bsp: 3. Jahr) |
|---|---|---|
| Sachsen | 3.152 Euro | 2.404 Euro |
| Sachsen-Anhalt | 2.891 Euro | 2.194 Euro |
| Thüringen | 3.152 Euro | 2.448 Euro |
Trotz des Anstiegs bleibt Sachsen-Anhalt im Bundesvergleich das günstigste Bundesland mit 2.891 Euro im ersten Aufenthaltsjahr. Der bundesweite Durchschnitt des Eigenanteils beträgt laut vdek 3.364 Euro pro Monat selbst. Am teuersten ist die stationäre Pflege in Bremen mit 3.761 Euro monatlich.
Kosten für Pflegepersonal treiben Preise nach oben
Nach Angaben des Verbandes verzeichneten vor allem die "pflegebedingten Aufwendungen" den stärksten Anstieg – unter anderem wegen gestiegener Personalkosten. Teurer geworden seien aber auch Unterkunft und Verpflegung. Der Eigenanteil beinhaltet außerdem Kosten für Ausbildung und Investionen. Für letztere sind die Bundesländer verantwortlich.
Je länger jemand in einem Pflegeheim ist, desto stärker greifen die Zuschüsse der Pflegekassen zur reinen Pflege. Damit sinkt die Belastung mit zunehmender Aufenthaltsdauer.
Patientenschützer: Freistaat könnte mit Kostenübernahme Eigenanteil senken
Für Sachsen hat die Deutsche Stiftung Patientenschutz die Staatsregierung aufgefordert, die Ausbildungs- und Investitionskosten komplett zu übernehmen. Vorstand Eugen Brysch sagte, den rund 48.600 Pflegeheimbewohnern in Sachsen stehe das Wasser bis zum Hals. Allein in den vergangenen zwei Jahren seien die Eigenanteile in den ersten zwölf Monaten nach Heimeinzug trotz gestiegener Zuschüsse um rund 18 Prozent in die Höhe geschossen. Die Staatsregierung sei gefordert, sich nicht länger vor ihrer Verantwortung zu drücken. Die komplette Kostenübernahme würde die stationären Pflegekosten im Freistaat um monatlich 709 Euro senken, so Brysch.
Die Chefin des Ersatzkassen-Verbandes Ulrike Elsner forderte mit Blick auf die geplante Pflegereform, den Kostenanstieg zu begrenzen. Es könne nicht sein, dass eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte die Pflegebedürftigen immer stärker belastet. Bereits seit Jahren verlangen Patientenschützer und Sozialverbände Entlastungen von immer höheren Zuzahlungen.
Mehrere Einsparvorschläge von Gesundheitsministerin Warken
Angesichts der wachsenden Finanznöte der Pflegeversicherung erwägt die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken unter anderem Einsparungen bei den Entlastungszuschlägen der Pflegekassen. Diese sollen ein halbes Jahr später greifen. Zudem soll die generelle Vorgabe zur Tarifbezahlung von Pflegekräften ab Anfang 2027 für vier Jahre ausgesetzt werden.
Angehörige, die ein Jahresbruttoeinkommen von mehr als 100.000 Euro haben, müssen sich bisher an der Finanzierung beteiligen. Über die Regel diskutiert derzeit die Koalition.
dpa (kkö)
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