Pfälzer Hof steht nicht unter Denkmalschutz – Stadt sitzt auf Problemimmobilie

Das ehemalige Gasthaus in Hofheim hat historische Bedeutung, erfüllt aber nicht die Kriterien für ein Kulturdenkmal. Die Musikschule will raus, doch für einen Verkauf fehlt eine realistische Nutzungsperspektive.

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Pfälzer Hof steht nicht unter Denkmalschutz – Stadt sitzt auf Problemimmobilie

Stand: 10.08.2026, 20:00 Uhr

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Der Pfälzer Hof aus der Richtung des Hofheimer Bahnhofs.

Der Pfälzer Hof aus der Richtung des Hofheimer Bahnhofs. © Sascha Weidner

Das ehemalige Gasthaus in Hofheim hat historische Bedeutung, erfüllt aber nicht die Kriterien für ein Kulturdenkmal. Die Musikschule will raus, doch für einen Verkauf fehlt eine realistische Nutzungsperspektive.

Hofheim – Zu den derzeit vielen offenen Fragen der Hofheimer Stadtpolitik gehört die Zukunft des Gebäudes der Musikschule, des ehemaligen Gasthauses „Pfälzer Hof“. Es gilt als sanierungsbedürftig, aber die Stadt hat kein Geld. Es steht an einer städtebaulich exponierten Stelle und hat für die Stadtgeschichte eine gewisse Bedeutung. Das vereinfacht die Situation aber nicht gerade.

So präsentierte sich der Pfälzer Hof im Innern als Bahnhofsgaststätte um das Jahr 1912.

So präsentierte sich der Pfälzer Hof im Innern als Bahnhofsgaststätte um das Jahr 1912. © Stadtarchiv Hofheim

Ein wenig überraschend dürfte für viele sein, dass es nicht unter Denkmalschutz steht. Trotz seiner historischen Bedeutung und ungeachtet der Tatsache, dass es zwar mehrfach umgebaut wurde, aber nicht durch moderne Veränderungen entstellt ist – also immer noch sehr historisch aussieht. So ganz einfach ist der Verzicht auf den Denkmalschutz nicht zu begründen. Eine Aussage, warum ein Gebäude kein Kulturdenkmal ist, sei generell nicht möglich, sagt Katrin Bek, beim Landesamt für Denkmalpflege Hessen für die Pressearbeit zuständig. Nur umgekehrt funktioniert es: Das heißt, es kann und muss begründet werden, warum ein Gebäude ein Kulturdenkmal ist.

Im Main-Taunus-Kreis seien alle Gebäude bis zum Jahr 2003 erfasst und beurteilt worden. Als erhaltenswert seien zwar 15 bis 20 Prozent der bestehenden Bausubstanz einzustufen. Für eine Bewertung als Denkmal aber müssten zusätzliche Kriterien erfüllt werden, diese könnten „künstlerischer, wissenschaftlicher, technischer, geschichtlicher oder städtebaulicher Natur sein“. Mit anderen Worten: Wer das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt sehen möchte, muss solche Merkmale finden. Was bekannt ist, reicht dem Landesamt offensichtlich nicht aus. Bek weist noch darauf hin, dass auch ein Zusammenhang mit anderen Gebäuden aus der gleichen Epoche in der Region bestehen kann. Gibt es also viele Häuser ähnlichen Typs, müssen nicht alle unter Schutz gestellt werden.

Aus den Informationen, die das Landesamt im Internet veröffentlicht hat, geht hervor, dass es wichtig ist, dass möglichst viel originale Bausubstanz erhalten ist. Angesichts der wechselvollen Bau- und Nutzungsgeschichte des Gebäudes stellt sich tatsächlich die Frage, was als originale Bausubstanz angesehen werden kann. Der historische Arbeitskreis der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt hat die Geschichte des Hauses auf seiner Internetseite ausführlich dargestellt.

Demnach erbaute 1878 ein Hofheimer Wagner namens Jakob Christoph Kassler dort ein zweigeschossiges Haus als Bahnhofsgaststätte, ein Jahr nach Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke. Einen ersten Anbau zog 1896 Franz Arnet hoch, der nach seinem Ausscheiden als Bahnhofsvorsteher das Gasthaus übernahm; vermutlich bekam es dann auch den Namen Pfälzer Hof. 1909 ließ er das Haus erweitern und aufstocken, es entstand ein Hotel. Arnet vermietete es dann, vermutlich wurde es im Laufe des Ersten Weltkrieges geschlossen und 1920 an die Stadt Hofheim verkauft. Die Stadt baute in den Obergeschossen Wohnungen ein und nutzte das Erdgeschoss als Sitzungssaal. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es dort kurzfristig eine Glasbläserei. 1947 wurde das Gebäude als Schule genutzt, 1956 zog die Volksbücherei ein, 1974 die Musikschule.

Wenige Möglichkeiten für Nutzung

Die Musikschule wiederum würde das Gebäude am liebsten verlassen, denn es ist für ihre Zwecke zu klein. Ein zeitweilig angedachter Neubau an der Elisabethenstraße ist wegen der finanziellen Situation der Stadt in weite Ferne gerückt. Ein vorübergehender Umzug in die ehemalige Stadtbücherei ist aus Sicht von Stadt und Musikschule keine gute Lösung. Ein solcher Umzug hätte einen Verkauf des Gebäudes möglich gemacht.

In einem gemeinsamen Antrag von FDP und FWG vom vergangenen März war einmal die Rede davon, dass ein Preis von bis zu 1,25 Millionen Euro zu erzielen sei. Allerdings stellt sich die Frage, welche Nutzung ein Käufer dort ins Auge fassen könnte. Wohnen möchte dort niemand, für Einzelhandel ist es zu schlecht erreichbar, die Anforderungen für moderne Büros lassen sich im Altbau kaum erfüllen. Für viele neue Nutzungen – Gastronomie zum Beispiel – müssten vermutlich Parkplätze nachgewiesen werden, was auf dem Grundstück auch nicht möglich ist.

Es droht also eine Hängepartie. Der Betrieb der Musikschule sei aktuell gesichert, lässt die Stadt auf Anfrage wissen. Haustechnik und Brandschutz seien entsprechend geprüft worden. Mittelfristig gebe es aber einen erheblichen Sanierungsbedarf – neue Fenster müssten her, das Dach und die Toiletten erneuert werden. Konkrete Pläne dafür gebe es wegen der Haushaltssituation aber nicht.