Musikhistoriker Otto Biba wird 80

Die Handschriften Beethovens oder die Bibliothek von Brahms: Otto Biba hat diese Schätze 42 Jahre lang im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde für die Öffentlichkeit zum Sprechen gebracht. Jetzt wird er achtzig Jahre alt.

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Musikhistoriker Otto Biba wird 80

Dass Wien sich im 19. Jahrhundert zur musikalischen Metropole Europas stilisiert hat, mochte verschiedene Ursachen haben, grundlos geschah es nicht. Die Stadt von Fux und Vivaldi, Haydn und Mozart, Beethoven und Schubert, Bruckner und Mahler – sowie von vielen, vielen anderen hat eine einschüchternde musikalische Geschichte. Sie wurde spätestens nach 1815 zum Teil der urbanen Identität. Ein Kristallisationspunkt dieser Identität ist die 1812 gegründete Gesellschaft der Musikfreunde. Ihr Archiv, ihre Bibliothek und ihre Sammlungen dienen folglich nicht einfach dem lokalen Gedenken, sondern sie sind ein musikalischer Gedächtnisort von Weltrang. Der Name Otto Bibas ist untrennbar mit diesem Ort verbunden.

Biba trat noch vor seiner Promotion 1974 als Mitarbeiter in das Archiv ein, 1979 übernahm er dessen Leitung – die er bis 2021 innehatte. So unglaublich es klingen mag, von der gut zweihundertjährigen Geschichte der Institution ist fast ein Viertel mit seinem Namen verknüpft. Biba stammt aus Wien, wo er am 9. August 1946, in die Wirren und Entbehrungen der Nachkriegszeit, geboren wurde. Mit Wien fühlte und fühlt er sich zutiefst verbunden, und es ist vielleicht kein Zufall, dass in seinen Studien an erster Stelle die Geschichtswissenschaft stand. Er begreift die Geschichte der Musik nicht isoliert, sondern stets aus einem denkbar weiten historischen Spektrum.

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In seine Amtszeit fallen gravierende Veränderungen, bis hin zur Digitalisierung – und das bei einem komplexen Bestand, der eben nicht nur Noten und Bücher, sondern riesige Sammlungen von Instrumenten und Porträts sowie zahllose Nachlässe (mit dem von Brahms an der Spitze) umfasst. Dass dieser Bestand in konservatorisch angemessenen Räumlichkeiten aufbewahrt werden kann, ist ebenfalls eine Frucht dieser Jahre.

Doch das ist nur ein Teil. Biba war und ist stets bemüht, die musikalisch-archivalische Welt nicht als abgeschlossene Kammer zu betrachten, sondern sie einem großen Publikum in faszinierenden Ausstellungen zugänglich zu machen. Das betrifft nicht allein die legendären (und oft von Katalogen mit Referenzstatus) begleiteten Unternehmungen im Ausstellungssaal des Musikvereins, sondern zahllose „Gastspiele“ in aller Welt, bis nach Japan.

Dabei ist er zugleich und mit unerbittlicher Leidenschaft Verfechter archivalischer Genauigkeit, die sich in einer unüberschaubar großen Fülle von grundlegenden Editionen und Publikationen niederschlägt. Wenn Biba sich nochmals, mit gelassener Sorgfalt, wirklich nur der Posaunenstimme von Mozarts Requiem annimmt, dann werden keineswegs beiläufig sämtliche lieb gewordenen und so oft weitergegebenen Geschichten und Mythen um dieses Werk mit einem Schlag gegenstandslos – man kann im Grunde von vorn beginnen.

Otto Biba ist ein vorzüglicher Kenner der Musikgeschichte Wiens, der musikalischen Metropole schlechthin. Er ist ein herausragender Wissenschaftler und präziser Quellenkundler und zugleich ein geistreich-engagierter Vermittler dieser musikalischen Geschichte, getragen von ansteckender Begeisterung für das, was wir „Quelle“ nennen – ob Handschrift, Bild oder Gegenstand. Dafür wurde er vielfach geehrt. Diesen Sonntag feiert der unermüdliche Anwalt der musikalischen Weltstadt Wien seinen 80. Geburtstag.