ifo-Studie: Ostdeutsche Unternehmen nutzen KI deutlich seltener

Künstliche Intelligenz kann Produktionsabläufe verbessern, Fehler erkennen oder Routineaufgaben übernehmen. Trotzdem setzen ostdeutsche Unternehmen die Technik deutlich seltener ein als westdeutsche. Das zeigt eine neue Studie des ifo-Instituts Dresden. Wir klären, woran das liegen könnte – und warum Abwarten auch Vorteile haben kann.

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ifo-Studie: Ostdeutsche Unternehmen nutzen KI deutlich seltener
Eine Hand hält ein Smartphone mit einem Ordner für Anwendungen Künstlicher Intelligenz. Darin befinden sich die Apps Claude, Gemini, ChatGPT, Grok, DeepSeek, Meta AI, Qwen, Perplexity und Copilot.

AUDIO: Unternehmen in Ostdeutschland nutzen seltener KI als im Westen (3 Min)

ifo-Studie

Stand: 04.08.2026 06:57 Uhr

Künstliche Intelligenz kann Produktionsabläufe verbessern, Fehler erkennen oder Routineaufgaben übernehmen. Trotzdem setzen ostdeutsche Unternehmen die Technik deutlich seltener ein als westdeutsche. Das zeigt eine neue Studie des ifo-Instituts Dresden. Wir klären, woran das liegen könnte – und warum Abwarten auch Vorteile haben kann.

von Robin Hartmann, MDR AKTUELL

  • Ostdeutsche Unternehmen nutzen Künstliche Intelligenz deutlich seltener als westdeutsche.
  • Sachsen liegt bei der KI-Nutzung im Osten an der Spitze.
  • Zurückhaltung beim Einsatz von KI muss für Unternehmen kein Wettbewerbsnachteil sein, sagen Experten.

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Hochsommer in Dresden – und trotzdem läuft in der Bäckerei Emil Reimann bereits das Weihnachtsgeschäft vom Band. Ein Stollen nach dem anderen wird in Plastikfolie verpackt und verschwindet kurz in einem großen Metallkasten. Auf einem Bildschirm erscheint eine graue Aufnahme des durchleuchteten Stollens. Der Teig mit Mandeln, Sultaninen und Zitronat erzeugt ein unübersichtliches Bild. Hier etwas mit dem bloßen Auge zu erkennen ist fast unmöglich.

Künstliche Intelligenz kontrolliert Stollen auf Fremdkörper

Eine KI hat deshalb gelernt, was in einen Stollen gehört und was nicht. Verunreinigte Stollen werden automatisch aussortiert, sagt Nadine Sorkalla. Die Leiterin des Qualitätsmanagements ist vom System überzeugt.

Der Weg zur Anschaffung war allerdings lang: Anlage und Software kosteten einen niedrigen sechsstelligen Betrag, sagt Sorkalla: "Und ich hab den Chef sehr lange überzeugen müssen. Dann hat er gesagt: Wir machen das, wir probieren das jetzt aus, ich will Ergebnisse sehen. Und die Ergebnisse konnten wir liefern."

Video: Strengere KI-Regeln treten in Kraft (2 Min)

Weniger Reklamationen dank KI

Das System findet kleinste Steinchen oder Stiele, die mit Naturprodukten wie Rosinen in die Bäckerei gelangen können. Dazu muss dem Programm jede Rezeptur mindestens 200 Mal gezeigt werden. Bei der Anlage dauerte dieser Lernprozess rund ein Jahr, berichtet Sorkalla.

Doch die Ergebnisse überzeugten den Chef. Mittlerweile gibt es eine zweite Anlage. Denn die Zahl der Reklamationen sei seitdem stark zurückgegangen: "Es ist nicht null, aber es ist signifikant weniger geworden. Ganz, ganz deutlich. Also, wir sind fast bei null." Vor allem Geschmacksfragen seien jetzt Reklamationsgrund, sagt Sorkalla.

Westdeutsche Unternehmen nutzen KI häufiger

Ein solches System ist etwas anderes als die gelegentliche Nutzung eines KI-Chats. In einer neuen ifo-Befragung zählt beides als KI-Nutzung. In Ostdeutschland einschließlich Berlins nutzen sie 38,7 Prozent der Unternehmen, in Westdeutschland sind es 55,9 Prozent.

Studienmitautor Joachim Ragnitz zeigt auch Unterschiede innerhalb der drei mitteldeutschen Länder auf. Sachsen liegt unter anderem wegen seiner technologie- und forschungsstarken Betriebe mit 48 Prozent KI-Nutzung vorn. Thüringen kommt auf 39 Prozent, Sachsen-Anhalt auf 37 Prozent.

Dennoch: Branchenstruktur und Betriebsgröße erklären laut Ragnitz den Ost-West-Abstand offenbar nicht vollständig: "Wir haben auch einzelne Branchen und Betriebsgrößen miteinander verglichen. Da kommt dann auch dieser Befund raus, dass im Westen die KI-Nutzung einfach stärker verbreitet ist als hier bei uns."

Video: KI hält Einzug in den Arbeitsalltag (5 Min)

Zurückhaltung bei KI muss kein Nachteil sein

Rangnitz vermutet zusätzlich eine größere Zurückhaltung gegenüber der Technik. Sollte sich das bestätigen, könnte das langfristig die Wettbewerbsfähigkeit belasten, sagt er.

Für Martin Folz vom Mittelstand-Digital-Zentrum Chemnitz kann die größere Zurückhaltung jedoch auch ein Vorteil sein. Er ist KI-Trainer und berät kleine und mittlere Unternehmen bei der Einführung von KI.

Viele Anwendungen seien teuer und brächten noch nicht den Nutzen, den sich Unternehmen versprächen: "Da ist es vielleicht auch nicht verkehrt, wenn man ein bisschen hinten dran ist und KI-Anwendungen, die sich woanders schon bewährt haben, dann bei sich einsetzt, statt als Pionier voranzugehen und viel zu experimentieren ohne sicheres Ergebnis."

Nicht jede KI-Anwendung lohnt sich

Folz beobachtet, dass ostdeutsche Unternehmen häufig eigene, kreative Lösungen für betriebliche Probleme entwickelt hätten – auch, weil das Geld für den Zukauf fertiger Systeme in der Vergangenheit oft gefehlt habe.

Diese pragmatische Herangehensweise könne nun auch beim Einsatz von KI helfen: Statt jede neue Anwendung sofort einzukaufen, sollten Unternehmen zunächst prüfen, welches konkrete Problem sie lösen wollen und ob KI dafür überhaupt das geeignete Werkzeug ist.