Olivia Wildes "The Invite": Besuch von den Swingern im Obergeschoss

Im Kino Olivia Wildes "The Invite": Besuch von den Swingern im Obergeschoss Wie entfacht man das Feuer in Langzeitbeziehungen? Vielleicht muss man einfach mal die sexy Nachbarn einladen. Wenn dann Pené...

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Olivia Wildes "The Invite": Besuch von den Swingern im Obergeschoss

Im Kino

Olivia Wildes "The Invite": Besuch von den Swingern im Obergeschoss

Wie entfacht man das Feuer in Langzeitbeziehungen? Vielleicht muss man einfach mal die sexy Nachbarn einladen. Wenn dann Penélope Cruz und Edward Norton kommen, umso schöner

Valerie Dirk

Eine Frau sitzt lächelnd auf einem Sofa und hält ein Glas in der Hand. Hinter ihr steht ein Mann mit Brille und Jeanshemd. Im Vordergrund sind unscharf zwei Personen von hinten zu sehen. Die Szene spielt in einem Wohnzimmer mit heller Beleuchtung.
"Soooo schöööön, das ihr gekommen seid". Angela (Regisseurin Olivia Wilde) hat zum Kummer von Joe (Seth Rogen) die attraktiven Nachbarn eingeladen.

Filme über Pärchen, die einander zum Essen einladen, sind eine zwiespältige Angelegenheit. Solch ein Film kann, genau wie ein solcher Abend im echten Leben, eine ziemliche Zeitverschwendung, ja sogar ein Ärgernis sein. Etwa dann, wenn eines der Paare statt Wein einen ungelösten Konflikt mit zum Essen bringt und die Stimmung weniger anheitert, als unangenehm aufheizt.

Ähnlich denken wohl auch Hawk und Pina, als sie vor der Türe ihrer Nachbarn Angela und Joe dem Gezanke ihrer Gastgeber lauschen. Joe ist nämlich alles andere als begeistert davon, dass Angela jene Nachbarn von oben eingeladen hat, die Nacht für Nacht seinen Schlaf mit ihren ungehemmten Liebesspielen stören. Das Gute an der Einladung aber ist: Er möchte seine Ruhestörungsbeschwerde endlich mal anbringen, was Angela zu verhindern versucht.

Norton und Cruz

Denn Angela findet die Nachbarn reichlich interessant. Gespielt werden diese von Penélope Cruz und Edward Norton, eine charismatische und ungewöhnliche Wahl. Pina ist eine Sexualtherapeutin, die ihre Kenntnisse gerne vielsagend in Gespräche einbringt und dabei auch etwas konfrontativ wirkt. Hawk ist ehemaliger Feuerwehrmann, der keine Scheu vor angespannten Stimmungen hat.

Ein Mann in einem dunkelblauen Pullover und eine Frau mit blondem Haar in schwarzer Kleidung stehen in einer Umarmung in einem gemütlichen Raum. Der Mann gestikuliert mit einer Hand, während die Frau lächelt. Im Hintergrund sind Möbel und ein Fenster zu sehen.
Die Nachbarn sind Hawk (Edward Norton) und Pina (Penelope Cruz).

Offen aggressiv ist primär Joe, verkörpert von Seth Rogen, wie man ihn kennt: Ein bisschen grantig und bekifft, aber ausgestattet mit selbstironischem Humor und exzellentem Timing. Joe ist Musiker, hatte mal einen Hit, ist nun aber deprimierter Lehrer an einer unbedeutenden Musikschule. Seine Frau Angela (eine angespannte Regisseurin Olivia Wilde) reagiert auf ihren frustrierten Partner ihrerseits mit Nörgeleien und emotionaler Abschottung. Sex hatten beide, wie sich später herausstellt, schon ein Jahr lang nicht. Da schrillen bei der Sextherapeutin Pina alle Alarmglocken.

Ratschläge von Esther Perel

Vordergründig geht es in The Invite um Sex, aber es geht auch um viel mehr. Das Drehbuch zum Film, der auf dem Filmfestival von Sundance einen Bieterstreit unter Verleihern geführt hat (das Rennen machte A24) schrieben Will McCormack und Rashida Jones. Beide sind Indie-Schauspieler und brachten eigene Erfahrungen in die Vorlage des spanischen Publikumshits Sentimental hinein, warfen diese aber auch gehörig über den Haufen. Denn The Invite unter der Regie von Olivia Wilde ist weit davon entfernt, was man im europäischen Programmkino im Genre "Pärchen treffen sich zum Essen" vorgesetzt bekommt.

Das liegt daran, dass das Thema lieblose Beziehung nicht veralbert, sondern ernst genommen wird. Hilfe holte man sich bei Esther Perel, der Promi-Therapeutin, die Affären beispielsweise nicht zwangsläufig als Beziehungsende, sondern vielmehr als Weckruf sieht. Oder davon ausgeht, dass man mit ein und derselben Person neue Beziehungen beginnen kann, anstatt sich zu trennen. Es geht darum, sich gemeinsam zu entwickeln, und den anderen, bei aller Nähe, immer etwas fremd zu sein. So erhält man, laut Perel, den Funken.

Erwachsenendramödie

Auch Regisseurin Wilde, die ebenso wie das Drehbuch-Duo aus dem Schauspiel kommt, drückt dem Film ihren Stempel auf. Mit ihren Spielfilmen Booksmart und Don't Worry Darling hat sie bereits bewiesen, dass sie ein Gespür für humorvolle und komplexe Beziehungsdynamiken hat, dabei aber auch nicht auf die Inszenierung vergisst: The Invite wurde auf 35mm-Analogfilm gedreht, das Setdesign der Wohnung besticht durch Charakter und Detailreichtum, der Cello-Soundtrack unterstreicht die wendungsreichen Stimmungslagen perfekt und niemals sieht man die Paare in Klischee-Situationen, etwa am Esstisch, sitzen.

The Invite ist möglicherweise ein Beweis davon, dass gering budgetierte Dramödien über Versöhnungen in Langzeitbeziehungen auch im US-Kino zurück zu sein scheinen. Den Anfang machte heuer Bradley Coopers Is This Thing On?, dann kam The Drama mit Zendaya und Robert Pattinson. Und auch The Invite ist eines jener konzentrierten Kammerspiele, die die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Humor in zeitgenössischen Erwachsenenbeziehungen unter die Lupe nehmen – was rhythmisch und pointenreich gelingt. (Valerie Dirk, 30.7.2026)

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