OK ChatGPT
StartseiteFR7Stand: 21.08.2026, 14:10 UhrKommentareUns auf Google folgenSchreib was Schönes. © SmarterpixMan kann eine KI ganz leicht dazu auffordern, umgangssprachlicher zu schreiben und mehr Fehler zu machen....
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Stand: 21.08.2026, 14:10 Uhr
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Man kann eine KI ganz leicht dazu auffordern, umgangssprachlicher zu schreiben und mehr Fehler zu machen. Die Lage ist unübersichtlich.
Wir waren noch gar nicht ganz fertig damit, die vielen Artikel darüber zu lesen und zu schreiben, dass KI nie wie ein Mensch formulieren wird, als das Thema über Nacht durch die Frage ersetzt wurde: „Mit welchen Strategien kann ich beim Schreiben demonstrieren, dass ich keine KI bin?“. Naja, nicht buchstäblich über Nacht. Es muss so zwischen 2023 und 2025 passiert sein.
Ich habe kurz darüber nachgedacht, den ersten Absatz dieser Kolumne möglichst lieblos von einer KI formulieren zu lassen. Aber dann denkt ein Teil der Lesenden nach dem ersten Satz „billiger KI-generierter Müll, da brauche ich nicht weiterzulesen“. Und ein anderer Teil merkt den Unterschied gar nicht. Beides ist unschön, auch wenn ich hier voraussichtlich keine Zuschriften bekommen würde, in denen „OK ChatGPT“ steht. Das ist eine in Onlinekommentaren übliche Formulierung, die ausdrückt: „Du glaubst wohl, ich merke nicht, dass du deinen Kommentar von einer KI formulieren lassen hast und deine menschliche Leistung darin bestand, ihn hier reinzukopieren. Oder dass du überhaupt ein vollautomatischer Kommentierbot bist. Aber ich merke das!“
Im Internet folgen darauf häufig Diskussionen, ob man jetzt wirklich den eigenen makellosen Stil ändern und dümmer schreiben muss, vielleicht extra Tippfehler einbauen oder alle Metaphern vermeiden, nur um nicht mit einer KI verwechselt zu werden. Aber: Dasselbe würde auch ein Kommentierbot einwenden. Und man kann eine KI ganz leicht dazu auffordern, umgangssprachlicher zu schreiben und mehr Fehler zu machen. Die Lage ist unübersichtlich.
Manche Menschen verlassen sich auf sogenannte KI-Detektoren, auf die man sich nicht verlassen kann. Erstens behaupten die Detektoren oft, menschliche Texte seien KI-Produkte (was man leicht mit eigenen Texten ausprobieren kann). Und zweitens lassen sie sich mit einfachen Mitteln dazu bewegen, generierte Texte für menschgeschriebene zu halten. Menschen, die sich selbst für KI-Detektoren halten, verweisen gern auf Halbgeviertstriche, weil die in KI-Texten der letzten Jahre viel häufiger vorkamen als in menschlichen Texten. Wenn jemand auf einen Beitrag mit „ok ChatGPT“ antwortet, liegt es aber meist nicht nur an diesem einen Zeichen, sondern an mehreren Faktoren, die als besonders bot-artig gelesen werden. Die deutschsprachige Wikipedia, in der man KI für gar nichts außer zum Übersetzen verwenden darf, pflegt eine lange Liste „Anzeichen für KI-generierte Inhalte“.
Darin steht: „Es wird dabei nicht behauptet, dass gewisse Formulierungen nur von LLMs verwendet werden. Nicht jeder Text mit den in der Folge beschriebenen auffälligen Indikatoren ist KI-generiert. Da die großen Sprachmodelle, die die KI-Chatbots antreiben, anhand von menschlichem Schreiben trainiert wurden, einschließlich der Texte von Wikipedia-Autoren, sind die Zuschreibungen manchmal fließend.“ Ironischerweise lesen sich diese Sätze selbst wie von einer KI formuliert. Das liegt hier wahrscheinlich vor allem daran, dass der Text aus einer englischen Version übersetzt ist und eins der Erkennungsmerkmale für deutsche KI-Texte darin besteht, dass sie oft wie ungeschickte Übersetzungen aus dem Englischen klingen. Das beschriebene Problem ist aber real: KI-Texte sind an menschlichen Texten trainiert, und manche Menschen haben das Pech, dass ihr eigener Stil genau wie ChatGPT klingt.
Vielleicht müssen wir diese seltsame Phase einfach aussitzen. Denn die Signale, mit denen man zeigen kann „seht her, kein KI-Text, alles handgemacht!“ verändern sich ständig. Während wir Listen mit Erkennungszeichen anlegen, sind die Modelle schon wieder einen Schritt weiter und vermeiden diese Anzeichen auf Wunsch oder von selbst. Irgendwann so circa nächsten Freitag könnte jeder Text von einem Sprachmodell stammen oder auch nicht.
Bei einem meiner beruflichen Standbeine werde ich unter anderem fürs Recherchieren bezahlt. Die wichtigsten Stellen der Recherche-Ergebnisse habe ich immer fett markiert, damit die Redaktion sich schnell orientieren kann. Davon bin ich Anfang 2026 abgekommen. Fette Hervorhebungen im Text sind typisch für viele KI-Modelle, und es soll nicht so aussehen, als hätte ich faul deren Arbeit als meine ausgegeben. In diesem Fall ist die Welt ein bisschen schlechter geworden, denn die fetten Stellen waren wirklich praktisch, auch für mich. Aber Texte werden meistens besser, wenn man länger über sie nachdenkt. Es ist also sicher auch zu irgendetwas gut, wenn ich lange überlege, was ich lieber nicht hinschreiben sollte, um nicht wie eine KI zu klingen. Man könnte an dieser Stelle was über das Nietzsche-Zitat „Unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken“ sagen, aber das ist wirklich das allernaheliegendste Zitat zu diesem Thema, für das sich auch ChatGPT entscheiden würde. Deshalb lieber nicht. Und wenn sich die Aufregung gelegt hat, bekomme ich vielleicht auch meine Fettungen zurück.